Interview mit Christian "Chako"  Habekost

Der Kabarettist Christian "Chako" Habekost im Planet Wissen-Studio.

Pfalz

Interview mit Christian "Chako"  Habekost

Von Katharina Bueß

Mit einem einzigen Wort lässt sich in der Pfalz fast alles sagen. Wie das funktioniert, erklärt der Pfälzer Kabarettist Christian "Chako" Habekost. Bei Planet Wissen schwärmt er von lokaler Lebenslust, Weingenuss und dem Groove des Pfälzischen.

Planet Wissen: Herr Habekost, Sie sind viel rumgekommen, haben in London und Trinidad gelebt. Was hat Sie zurück in die Pfalz gezogen?

Alles, was ich im Ausland gefunden habe, war letztendlich in meiner Heimat schon da: Lebenslust, tropische Gefühle, der musikalische Groove der Sprache, Eingeborene, die ihre Heimat lieben, ohne darüber chauvinistisch zu werden, die Dankbarkeit im gelobten Land zu leben und doch ganz locker zu bleiben, wenn einer etwas anderes glaubt. König zu sein und Underdog – beides gleichzeitig.

Was hat Ihnen im Ausland gefehlt?

Die pälzische Mundart und Pälzer Riesling. Das einzige, was hier noch fehlt in der Pfalz ist das Meer. Aber daran arbeiten wir ... 

Der Pfälzer Dialekt spielt eine wichtige Rolle in Ihrem Programm ...

Meine Eltern, beide professionelle Balletttänzer, hatte es aus Niedersachsen und Berlin in die Kurpfalz verschlagen. Und ich wurde hier geboren. Das Schicksal! Ich habe also einen Migrationshintergrund.

Meine Eltern haben dann strengstens darauf geachtet, dass zu Hause kein Dialekt gesprochen wurde. Also hat der kleine Chako genau das gemacht, was alle klugen Kinder tun: das Gegenteil.

Und hat sich den Dialekt und damit letztendlich seinen aktuellen Lebensunterhalt "uff de Gass" selbst geholt. In der Schule galt: Hochdeutsch ist was für Streber.

Auch der Pfälzer Wein wird regelmäßig erwähnt. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?

Wein ist für mich Grundnahrungsmittel, Philosophie-Essenz, Lebensart. Wenn man an der Pfälzer Weinstraße wohnt, dann ist das ein besonderes Lebensgefühl, das sich anderen, nur kurzfristig bleibenden Besuchern kaum von selbst erklärt.

Sie wohnen ja mittendrin, in Bad Dürkheim.

Ja, ich kann zum größten Weinfest der Welt laufen – und muss also nie meinen Führerschein in Gefahr bringen. Ich wohne am Waldrand und bin in fünf Minuten im tiefsten Wald oder im tiefsten Wingert.

Sind die Pfälzer so trinkfest wie ihr Ruf?

Man kann es auch so sagen: Hier muss jemand schon viel saufen, bis man sagt: Er trinkt.

Wie haben Sie denn Ihre Leidenschaft für den Wein entdeckt?

Das fing an, als ich mich mit der Pfalz auch theoretisch intensiv befasst habe, für mein Programm. Ich reise generell am liebsten in Weinregionen, zum Beispiel ins Burgund oder nach Umbrien.

Ich mag die Architektur, das Essen, die Landschaften dort. Oder dass schon mittags eine Flasche geöffnet wird. Die Menschen sind offener, gelöster. Und die Pfalz ist einfach voller toller Winzer. Man kann dauernd neue entdecken, das fasziniert mich.

Was sollte man als Besucher der Pfalz denn beachten?

Am besten belegt man vorher einen Crashkurs. Man darf sich nicht wundern, zum Beispiel wenn der Wein im Halbliterglas serviert wird. Oder wenn die Pfälzer sehr direkt sind. Das mag wehtun manchmal, ist aber immer ehrlich. Man kann auf einem Weinfest schon sehr lustige Szenen erleben.

Man sollte keine Witze über den 1. FC Kaiserslautern machen! Meine Eltern schütteln heute noch manchmal den Kopf und sagen: "Diese Pfälzer!" Wie überwindet man am besten die Sprachbarriere? Am besten kommt man mit dem Pfälzer Wörtchen "Alla" durch:

Je nach Betonung kann man damit fast alles ausdrücken. Ich hör jetzt auf und sag: Alla donn!

Stand: 15.01.2016, 08:30

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