Umweltschutz auf Mallorca

Bild einer gelb blühenden Wiese mit Mandelbäumen.

Mallorca

Umweltschutz auf Mallorca

Von Andrea Schultens

Mallorca hat nicht nur beim Touristenandrang, sondern auch im Umweltschutz eine in Spanien führende Position. Seit Mitte der 1980er Jahre ist das Umweltbewusstsein gestiegen. Ein immer dichter werdendes Autobahnnetz, mehr und mehr Hotelanlagen und graue Betonklötze entlang der Sandstrände fallen Einheimischen wie Touristen negativ ins Auge. Die fortschreitende Naturzerstörung hat dazu geführt, dass mittlerweile auch Regierungsvertreter und Tourismusverantwortliche die Notwendigkeit des Naturschutzes erkannt haben. Sie versuchen den Massentourismus zu beschränken, umweltfreundlich zu handeln und Naturschutz als eine Art "Marke" zu etablieren.


Der Umweltschutzbund GOB

Schon seit 1973 engagiert sich vor allem der Umweltschutzbund "Grup Balear D'Ornitologia i Defense de la Naturalesa" (GOB) erfolgreich für einen umfassenden Naturschutz auf der Insel. Dem ursprünglich von Vogel- und Naturschützern gegründeten Bund gehören mittlerweile mehrere tausend Mitglieder an.

Durch seine Erfolge und die große Unterstützung von Seiten der Bevölkerung ist der Verband heute fest etabliert und kann in vielen Umweltbereichen wie bei der Planung von Bauprojekten mitentscheiden.

Der GOB ist nicht zuletzt dafür verantwortlich, dass im Jahr 2004 rund 40 Prozent der Fläche Mallorcas als Naturpark ausgewiesen sind. Oder auch dafür, dass Wälder, die den sommerlichen Bränden zum Opfer fallen, sofort wieder aufgeforstet werden.

Erster Öko-Kampf: Sa Dragonera

Die erste Bewährungsprobe mussten Mallorcas Umweltschützer schon in den 1970er Jahren bestehen. Damals sollte die Insel Sa Dragonera, die dem westlichsten Punkt Mallorcas vorgelagert ist, in ein Luxus-Ferienparadies umfunktioniert werden.

Die 300 Meter hohe Felseninsel war damals wie heute für ihre artenreiche Vogelpopulation bekannt. Vogelfreunde und Umweltschützer, allen voran die ersten Mitglieder der GOB, zogen in den Kampf. Sie blockierten die Anlegestellen mit Schlauchbooten, organisierten ihre erste Unterschriftensammlung, besetzten die Insel und initiierten eine der größten Demonstrationen Mallorcas: 4000 Menschen kämpften für die Rettung der Felseninsel.

Die Beteiligten brauchten Ausdauer, denn erst Ende der 1980er Jahre rang sich die Regierung zu einer Entscheidung durch. Sie untersagte den Bau von Hotelkomplexen und Straßen und stellte die Felseninsel unter Naturschutz. Dank der Proteste ist Sa Dragonera bis heute ein Vogel- und Naturparadies. Die Besucherzahlen sind begrenzt, Übernachtungen nicht erlaubt.

Sonnenuntergang über der kleinen Insel Sa Dragonera.

Sa Dragonera ist ein Paradies für Vögel

Abriss und Baugesetze auf Mallorca

Der Umweltschutz auf Mallorca zieht weite Kreise. Der GOB ist immer dabei und übt Druck auf die Regierung aus. Den Naturschützern ist zu verdanken, dass die regionale Regierung teilweise Baugesetze verabschiedete, die dem Naturschutz und der Attraktivität der Insel dienlich sind.

So legte sie Ende der 1990er Jahre fest, dass die Bebauung der Insel erheblich reduziert werden müsse. Bauliche Schandflecken sollten entfernt oder zumindest nicht vermehrt werden. Die Regierung ließ Hunderte von alten Hotels abreißen und wandelte die entstandenen Orte zunächst in freie Flächen, später in Gärten und Aussichtsflächen um.

Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit wurden auch in der Hauptstadt Palma viele Häuser gesprengt und Grünflächen angelegt. Ein Baugesetz besagt außerdem, neue Hotels dürfen nur unter der Voraussetzung gebaut werden, dass alte dafür abgerissen werden. Und Bauherren müssen für jedes neue Hotelbett mindestens 60 Quadratmeter Grünfläche nachweisen.

Baustellenschilder an einem voll besetzten Strand

Gebaut wird überall auf Mallorca

Wasserqualität und Müllentsorgung

Mallorcas Umweltschutz wird in allen Bereichen praktiziert. Die Zuständigen für Tourismus haben erkannt, dass dies bei den Urlaubern gut ankommt, und werben stolz damit.

Während noch in den 1970er Jahren fast alle Abwässer ungeklärt ins Meer geleitet wurden, sind heute rund 70 Kläranlagen in Betrieb. Stetige Wasseranalysen und tägliche Strandreinigungen halten die Standards auf hohem Niveau. Mittlerweile sind die Klärwerke allerdings zu klein geworden. Sie können den stetigen Zuwachs an Touristen nicht mehr bewältigen.

Die Meerwasser- und Strandqualität ist größtenteils gut. Lediglich einige Strandabschnitte, an denen besonders viele Urlauber baden, schneiden nicht so gut ab. Dazu gehört zum Beispiel die weitläufige Bucht von Palma, an der in der Hochsaison jeden Tag rund 120.000 Touristen liegen.

Die Bewässerung des Ackerlandes, die immerhin rund 60 Prozent des mallorquinischen Wasserverbrauchs ausmacht, erfolgt zum Teil mit aufbereitetem Wasser. Da die Kläranlagen nicht leistungsstark genug sind, geschieht dies nur in der Gegend um Palma. Prinzipiell wäre es auch für den Rest der Insel möglich, scheitert aber an der veralteten Infrastruktur und dem maroden Wassernetz.

Die in den 1990er Jahren eröffnete Müllverbrennungsanlage und der neue Technologiepark sorgen für umweltgerechte Müllentsorgung. Fast alle Müllkippen, die oft ohne fachliche Überwachung betrieben wurden, sind heute geschlossen.

Das Problem dabei: Es gibt nur noch eine Betreiberfirma, die den Müll einsammelt und durch die Gebühren ihre Investitionen abbezahlen muss. Alternative Konzepte, wie das Einsammeln von Küchenabfällen zur Herstellung von Kompost, bleiben dabei auf der Strecke.

Ecotasa: Mallorcas Ökosteuer

Naturschutz kostet Geld. Deshalb führte die linksgerichtete Regionalregierung im Mai 2002 die sogenannte Ecotasa ein. Ähnlich einer Kurtaxe war jeder Mallorca-Urlauber dazu verpflichtet, Ökosteuer von im Durchschnitt einem Euro pro Übernachtung zu zahlen.

Das Geld war dem mallorquinischen Umweltschutz zugesprochen, der aufgrund der vielen Touristen und der noch lange nicht abgearbeiteten Bausünden große Projekte nötig hat.

Mit Hilfe der Ökosteuer sollten Naturprojekte unterstützt werden. Die Regierung wollte Kläranlagen und Müll-Entsorgungsanlagen bauen sowie zusätzliche Naturparks und Naturschutzgebiete fördern.

Als erstes mit Geldern der Ökosteuer finanziertes Projekt kaufte sie das Landgut Son Real. Hier befindet sich inmitten von dichtem Wald und wilden Steineichen, direkt am letzten intakten Dünensystem Mallorcas, der größte prähistorische Friedhof des Mittelmeerraumes.

Als ein Jahr später eine neue konservative Regionalregierung ihre Arbeit aufnahm, wurde die zuvor heftig umkämpfte Ökosteuer direkt wieder abgeschafft. Die neu gewählte Regierung plante Verkleinerungen von Naturparks und neue Autobahnen.

Auch hier trat wieder der GOB in Aktion. Zusammen mit 50.000 Mallorquinern, die Anfang 2004 gegen den Bau einer geplanten Autobahn demonstrierten, war auch die spanische Regierung vom Festland überzeugt, dass dies der falsche Weg sei. Sie überstimmte die neue regionale Regierung und verhinderte die Umsetzung der umweltschädlichen Pläne.

Die Festlandregierung war und ist sich mit dem GOB und vielen Mallorquinern einig, dass der Tourismus nicht expandieren soll und die Natur geschützt werden muss. Bevor auf Mallorca weitere touristische Entwicklung stattfindet, sollen die vielen Umweltprobleme gelöst werden.

Die Ökosteuer hingegen bleibt eine nur kurze Geschichte beschieden. Seit ihrer Rücknahme wird eine Neueinführung zwar immer wieder diskutiert, scheitert aber meist am Widerstand der Hoteliers und Urlauber.

Seit 2016 gibt es eine neue Steuer auf den Balearen. Je nach Kategorie müssen Urlauber bis zu zwei Euro pro Tag bezahlen. Auch diese Gelder aus der sogenannten Touristensteuer sollen vornehmlich in Umweltprojekte fließen, sind aber nicht starr daran gebunden.

Mallorca: Übernachtungssteuer ab 01.07.2016

Seit 2016 gibt es eine neue Steuer auf Übernachtungen

Stand: 31.03.2017, 15:00

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