Germanische Stämme

Die Karte zeigt die Verteilung der Germanenstämme in Mitteleuropa.

Germanen

Germanische Stämme

Germanen - das waren viele kleine und große Stämme. Sie lassen sich nicht alle einem festen Zeitraum zuordnen. Manche Stämme gab es nur bis zum ersten Jahrhundert nach Christus, andere erst seit dem vierten oder fünften Jahrhundert.

Die Goten - mächtige Reiche

Die größten unter ihnen waren eher lockere Stammesverbände als eine feste Gemeinschaft. Doch was war das Besondere an diesen Stämmen, dass sie ohne feste Strukturen trotzdem erfolgreich waren und ihre Namen bis heute nachklingen?

Die Goten kamen ursprünglich aus dem Süden Skandinaviens. Ihr Name findet sich heute noch in Namen wie Göteborg oder Gotland wieder. Um das Jahr 300 nach Christus teilte sich der Stamm nach Wanderungsbewegungen in die "Visigoti" (edle Goten) und "Austrogoti" (Sonnenaufgangsgoten).

Farbige Postkarte: König Theoderich und sein Hofstaat in Italien.

König Theoderich errichtete sein Reich in Norditalien

Die Namen sind im Laufe der Geschichte verändert worden in Westgoten und Ostgoten und beziehen sich auf das spätere Verbreitungsgebiet der Stämme. Die Ostgoten errichteten Ende des fünften Jahrhunderts unter König Theoderich ein mächtiges Reich auf dem Gebiet Italiens und Österreichs, die Westgoten Reiche in Frankreich und Spanien.

Da die Goten über den gesamten europäischen Kontinent wanderten, setzten sie sich auch aus ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammen. Was sie jedoch alle verband, war die militärische Stärke, die den Goten zugeschrieben wurde. Vor allem südlich der Donau wurden sie wegen ihrer kriegerischen Eroberungen, den sogenannten "Gotenstürmen", gefürchtet.

Von den Goten überliefert ist die Bibel des westgotischen Bischofs Wulfila (auch Ulfila) aus dem vierten Jahrhundert, der die Goten mit seiner Bibelübersetzung missionierte. Sie ist eine der wenigen schriftlichen Quellen, die von den Germanen geblieben ist.

Die Angeln und Sachsen - auf nach Großbritannien

Farbige Postkarte: Karl der Große im Kampf gegen die Sachsen.

Karl der Große christianisierte die Sachsen

Die Angeln und Sachsen zählten zu den nordseegermanischen Völkern. Sie lebten in den Gebieten des heutigen Schleswig-Holstein und des südlichen Dänemarks. Im fünften Jahrhundert wanderten Mitglieder der beiden Großstämme sowie der Jüten nach England ab. Trotz manch verlassener Dörfer, die zurückgelassen wurden, blieben die Angeln und Sachsen einflussreich in ihrem Stammesgebiet.

Die Sachsen galten als kriegerisch und widersetzten sich gewaltsam ihrer Christianisierung. Erst Ende des achten Jahrhunderts gelang es Karl dem Großen, die heidnischen Sachsen durch seine "Sachsenzüge" an die Römische Kirche zu binden, um sie so besser beherrschen zu können. Überliefert ist die Geschichte der Säule "Irminsul", die den Sachsen als Heiligtum diente. Truppen Karls des Großen ließen das Kultobjekt zerstören, um die Sachsen in ihrer Kampfesmoral und ihrem Glauben zu schwächen.

Die Vandalen - Kreuzzug gegen Rom

Farbiger Stich: Die Vandalen plündern Rom.

Die Vandalen plünderten und zerstörten Rom

Der Großstamm der Vandalen (auch "Wandalen") stammte ursprünglich aus Nordjütland (Dänemark), zog aber im zweiten Jahrhundert in das nördliche Gebiet zwischen Oder und Weichsel. Die Vandalen galten als einer der blutrünstigsten Stämme. Sie zogen weiter als jeder andere germanische Stamm bis in den Norden Afrikas. Bei dieser Wanderungsbewegung ging es nicht mehr allein um die Suche nach besseren Lebensbedingungen oder mehr Siedlungsraum für den eigenen Stamm.

Die kriegerischen Züge der Vandalen im fünften Jahrhundert waren ein Kreuzzug gegen das verhasste Römische Imperium. Sie nutzten das schwache Verteidigungssystem der Römer in Nordafrika und plünderten die Grenzregion des Imperiums ebenso aus wie die Gebiete, die sie zuvor in Europa erobert hatten. Der Name des Stammes ist noch heute der Inbegriff für Zerstörung.

Die Sueben - Nachfahren der Götter

Der Stammesverband der Sueben (oder "Sweben") ist dem Namen nach weniger bekannt als andere germanische Großstämme, findet sich jedoch heute noch in dem Namen "Schwaben" wieder. Ursprünglich gehörten die Sueben zur Gruppe der Elbgermanen.

Farbiger Stich: Völkerwanderung der Sueben.

Die Sueben wanderten bis nach Portugal

Im dritten Jahrhundert schafften sie es, den Limes südlich des Rhein-Main-Gebietes zu überqueren und sich in der heutigen Schweiz und in Südwestdeutschland anzusiedeln. Der lockere Verband ging später in dem Großstamm der "Alamannen" auf. Die Dialekte, die in der Schweiz und im Südwesten Deutschlands gesprochen werden, heißen heute "Alemannisch".

Die Sueben galten als besonders ehrvoll und beriefen sich darauf, dass ihr Stammbaum sich bis zu den Göttern zurückverfolgen ließe. Solche Mythen führten dazu, dass sich ihnen andere Stämme anschlossen. Auch die Markomannen gehörten zum Suebenverband. Der gute Ruf der Sueben erklärt die weite Verbreitung des Suebenknotens, eines charakteristischen Haarknotens der Männer, der von anderen Stämmen übernommen wurde und als besonders chic galt.

Autor/in: Stephanie Hagemann

Stand: 06.10.2014, 13:00

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