Selbstbestimmung – Nunavut, Nunatsiavut & Co

Karte von Nunavut, Nordkanada. Eingezeichnet sind die Orte Cape Dorset und Iqaluit. Östlich von Nunavut (auf der Karte oberhalb), getrennt durch die Buffin Bay, liegt Grönland. (

Inuit

Selbstbestimmung – Nunavut, Nunatsiavut & Co

Von Vladimir Rydl

Das wachsende Selbstbewusstsein vieler Ureinwohner führte in den USA und Kanada zu Versuchen, diese angemessen zu entschädigen. Wo immer möglich, wurden Teile des angestammten Siedlungsgebietes zurückgegeben. Neben dem größten Territorium Nunavut entstand in Labrador Nunatsiavut. Und in Nunavik in der Provinz Québec existiert seit 1978 ein Regionalparlament der Inuit.

Die Gründung der selbstverwalteten Territorien

Seit 1999 existiert das erste durch Inuit selbstverwaltete Territorium Kanadas: Nunavut. Es umfasst vor allem die Bereiche nördlich der Hudson Bay im Nordosten Kanadas, fast ein Fünftel des ganzen Landes, insgesamt ein Gebiet gut fünf- bis sechsmal so groß wie Deutschland.

Auf dieser gewaltigen Fläche verlieren sich gerade einmal 30.000 Menschen, davon 25.000 Inuit.

Die Hauptstadt Iqaluit ist mit etwa 6000 Einwohnern die mit Abstand größte Siedlung. Auf Labrador, einer Halbinsel im Osten Kanadas, entstand 2005 Nunatsiavut, das den nördlichen Küstenstreifen umfasst. Teilweise gingen der Gründung jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten voran, in der die Inuit ihren Anspruch auf die Gebiete belegen mussten.

Die Gründung der Territorien ist mit großen Hoffnungen der Inuit verbunden. Abgaben von Minengesellschaften, aber auch finanzielle Unterstützung der Zentralregierung können jetzt nach den Vorgaben der Inuit-Parlamente investiert werden. Man erhofft sich größere Berücksichtigung der Interessen der Inuit und vor allem wirtschaftlichen Aufschwung.

Inuk beugt sich über zwei erlegte Karibus, die neben seinem Motorschlitten liegen.

Was bleibt von den Traditionen?

Wege aus der Depression

Ein Problem der arktischen Region bleibt auch bei Selbstverwaltung erhalten: Wie kann ein derart abgelegenes Gebiet mit anderen, hochentwickelten Landesteilen finanziell konkurrieren?

Es gibt erste Ansätze der Regionalverwaltungen, um wenigstens die bestehenden Möglichkeiten zu nutzen. Erste zusätzliche Arbeitsplätze wurden zunächst durch gezielte Dezentralisierung und bewusste Aufblähung der Verwaltung geschaffen.

Tourismus wird intensiv gefördert. Dadurch hofft man einen Markt für die hochwertige Kunst und das Kunsthandwerk der Inuit zu schaffen. Die Jugend wird gezielt gefördert und viel Geld in Bildung investiert.

Mancherorts gibt es sogar Programme, mit deren Hilfe Jugendliche für eine Weile die Region verlassen können, zum Beispiel für ein Studium oder andere Ausbildungen.

Es bleibt abzuwarten, ob die Inuit durch die verschiedenen Programme langfristig von Sozialleistungen unabhängig werden können und dabei ihre kulturellen Wurzeln erhalten.

Stand: 06.08.2018, 12:00

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