Die Zukunft der Naturvölker

Surma-Frau mit ihrem Kind.

Naturvölker

Die Zukunft der Naturvölker

Die Einsicht, dass die letzten Naturvölker weltweit geschützt werden müssen, kam spät. Für manche vielleicht zu spät. Nach Schätzung der Forscher des renommierten "Worldwatch Institute" wird bis Mitte unseres Jahrhunderts die Hälfte aller indigenen Völker nicht mehr existieren – es sei denn, es setzt ein schneller, radikaler Wandel im Umgang mit ihnen ein. Einige Länder haben bereits erste Maßnahmen zum Schutz der Völker eingeleitet. Andere Länder sperren sich jedoch vor allem aus wirtschaftlichen Gründen vehement dagegen.

Brasilien als Vorreiter

Brasilien ist eines der wenigen Länder weltweit, das schon sehr lange staatliche Schutzprogramme für seine indigene Bevölkerung hat. Die FUNAI (Fundação Nacional do Índio – Nationale Stiftung der Indios) wurde bereits 1967 als Nachfolgerin einer privaten Organisation gegründet.

Die Behörde kümmert sich um den Schutz der Indianer, die Gesundheitsversorgung, die Sicherung der Schutzgebiete und mehr. Bisher sind laut "Survival International" 690 Gebiete durch die Regierung anerkannt. Wirtschaftliche Interessen gefährden jedoch auch die Menschen in diesen Gebieten immer wieder.

Wichtige Maßnahmen sind im Gange

International setzte das Umdenken Anfang der 1980er Jahre ein. 1982 wurde die Arbeitsgruppe "Indigene Bevölkerungen" der UN (Vereinte Nationen) ins Leben gerufen.

Sieben Jahre später verabschiedete die ILO (International Labour Organisation - Internationale Arbeitsorganisation) eines der bisher wichtigsten Dokumente zum Schutz der Indigenen Völker: die ILO-Konvention 169. Diese Konvention ist die erste Norm, die die Völker völkerrechtlich verbindlich schützt.

Zu den wichtigsten Artikeln gehören das Recht auf die vollständige Gewährleistung der Menschenrechte, auf kulturelle Identität, gemeinschaftliche Strukturen und Traditionen, auf Land und auf die Gestaltung der eigenen Zukunft und Partizipation.

Das klingt gut, hat aber dennoch einen Haken: Die Konvention muss durch die über 180 Mitgliedsstaaten der ILO ratifiziert, also verbindlich anerkannt werden. Dies hatten bis 2017 jedoch erst insgesamt 22 getan. Deutschland hat die Konvention bisher nicht ratifiziert.

1994 riefen die UN die erste "Dekade für die Indigenen Völker" aus, 2005 folgte die zweite. Ein weiterer Meilenstein beim Schutz der Völker war am 13. September 2007 die "UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker".

20 Jahre hatte es gedauert, bis die Erklärung in der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Sie sichert den Ureinwohnern weltweit das Recht auf Selbstbestimmung, auf ihr Land und den Schutz vor Diskriminierung zu.

Zu den Staaten, die mit "Nein" stimmten, gehören übrigens die USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Deren indigene Völker können praktisch flächendeckend auf ihre Rechte als Erstbewohner pochen und – was noch wichtiger ist – auf die wertvollen Ressourcen ihres Landes.

Autorin: Martina Frietsch

Stand: 11.09.2017, 15:03

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