Eine Reise zu den Indianern im Südwesten der USA

Blick auf ein Steinhaus, das unter einen Felsüberhang gebaut wurde.

Nordamerikanische Indianer

Eine Reise zu den Indianern im Südwesten der USA

Von Wolfgang Neumann-Bechstein

Wer eine Reise in den Südwesten der USA plant, der kann nicht nur Grand Canyon, Monument Valley, Brice Canyon und Las Vegas besichtigen. Auch Geschichte, Kultur und die heutige Lebenssituation der nordamerikanischen Indianer lassen sich besuchen.
Las Vegas oder Phoenix sind günstige Ausgangspunkte für Reisen ins Land der Indianer. Zwar leben die 563 Stämme der nordamerikanischen Indianer über den ganzen Kontinent verteilt, aber nirgendwo sind die Spuren so konzentriert wie im Südwesten.

Anasazi und Navajo

Zwischen Grand Canyon und Monument Valley befindet sich die größte Reservation, Heimat der rund 220.000 Navajo-Indianer. Hier sind im Canyon de Chelly Spuren der Anasazi-Kultur aus dem 1. Jahrhundert nach Christus zu bestaunen und weitere 160 Kilometer östlich kann im "Mesa Verde National Park" eine der am besten erhaltenen Anasazi-Siedlungen besichtigt werden. Es waren Pueblo-Indianer, die hier lange vor den nomadisierenden Navajos lebten.

Wer Eindrücke vom heutigen Leben der Navajos sucht, fährt am besten vom Südrand des Grand Canyon vorbei an der Navajo-Hauptstadt Tuba City zum Monument Valley (etwa 270 Kilometer). Die durch Westernfilme und Zigarettenreklame zum Kult gewordenen Sandsteinfelsen bilden mit ihrer halbwüstenähnlichen Umgebung die größte Indianerreservation der USA.

Endlose Souvenirstände, kleine Büros für Pferde- und Vantouren durchs Valley deuten schon bei der Anreise das touristische Großereignis an. Was als profitabler Touristenmagnet der Navajos erscheinen mag, ist in Wahrheit nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Zwar dürfen die Navajos das Monument Valley vermarkten, aber ein Auskommen bietet das nur für wenige Mitglieder des Stammes. Noch immer haben vier Fünftel aller Navajos keine feste Arbeit. Sie leben in den größeren und kleineren Ortschaften der Reservation und versuchen, sich mit der Herstellung von Schmuck und Kunsthandwerk über Wasser zu halten.

Da liegt es nahe, den Absatz durch Direktvermarktung am Monument Valley zu forcieren, denn ohne diese Einnahmequellen sähe es in mancher Navajo-Siedlung noch trostloser aus.

Die indianische Provinz

Wer tiefer in den Indianeralltag einsteigen möchte, sollte in die indianische Provinz fahren. Rund 170 Kilometer sind es zum kulturellen Zentrum der Navajos im Canyon de Chelly. In Chinle, einem vergessenen Provinzkaff, verschwindet der "American Way of Life" vollends. Keine Fast-Food-Ketten, keine gewohnten Geschäftsnamen, Barzahlung statt Kreditkarte.

Im Innern der "Navajo Nation" gehen nicht nur die Uhren anders als im restlichen Arizona, hier sind Weiße plötzlich in der Minderheit und selbst das Englische ist keineswegs mehr selbstverständlich.

Den interessierten Europäer beschleicht die Ahnung, dass ein Leben in der Reservation nicht immer zweite Wahl ist, sondern für viele emotionale Sicherheit bedeutet. Hier sind die Indianer in der Mehrheit. In den Canyon de Chelly flüchteten die Navajos 1863 vor Colonel Carsons Truppen und wurden wenige Jahre später inmitten des Hopi-Siedlungsgebietes sesshaft.

Der Canyon selbst bietet als Wahrzeichen den 244 Meter hohen Spider Rock aus Sandstein sowie jahrhundertealte Felszeichnungen aus der Anasazi-Kultur. Für Fahrzeuge ist der Canyon gesperrt, macht aber als beliebtes und selbst in der Hochsaison schwach frequentiertes Wandergebiet auch einen längeren Abstecher lohnend. Einige Motels und ein Campingplatz am Canyon de Chelly bieten Übernachtungsmöglichkeiten.

Straßenschild mit der Aufschrift 'Entering Navajo Nation' vor strahlend blauem Himmel.

Im Südwesten der USA liegt die "Navajo Nation"

Hopi

Weniger leicht zugänglich sind für den touristischen Besucher die kulturell interessanten Dörfer der wenigen tausend Hopi-Indianer. Oft wird dem Durchreisenden die Zufahrt zu den alten Siedlungen der traditionsreichen Ackerbauern verwehrt.

In den 1970ern wiesen die Hopis Fremde aus Notwehr ab. Denn zuerst suchte die Hippie-Bewegung spirituelle Erleuchtung bei ihnen, danach verwechselten ungebremste Touristenströme das traditionsverbundene Leben in den Hopi-Dörfern mit Freilichtmuseen. Grund genug für den scheuen Stamm, den ungebetenen Gästen zu misstrauen.

Wer Zeit und Interesse mitbringt, kann nach telefonischer Kontaktaufnahme aber auch abgelegenere Hopi-Siedlungen besuchen, wobei Verhaltensregeln vorausgesetzt werden, die die traditionelle Lebenseinstellung der Hopi respektieren. Spätestens hier wird dem Amerikatouristen bewusst, dass man nicht mehr in den USA ist.

Für die schnelle Durchreise bieten entlang des Highway 264 zwischen Moenkopi und Second Mesa Künstler und Kunsthandwerker Schmuck und die berühmten Kachina-Figuren. Selbst ein Umweg hierher lohnt, denn fast immer ist der Kontakt sehr persönlich und der Verkauf erfolgt in kleinen Werkstätten oder gar in Wohnstuben.

Auf der Second Mesa befindet sich das Kulturzentrum der Hopi mit umfangreichen Informationen zu Geschichte und Kultur des Stammes. Wer eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, wird im stammeseigenen Motel in Hotevilla fündig. Ein Geheimtipp ist der kleine Ort Oraibi auf der Third Mesa. Er ist seit dem Jahr 1150 ununterbrochen bewohnt und damit der älteste dauerhaft bewohnte Ort der USA.

Oberhalb einer steilabfallenden Felswand liegen einige Steinhäuser.

Die Hopi bauten meist oberhalb der Canyons

Klima und Reisezeit

Obwohl die Bundesstaaten im Südwesten der USA überwiegend Wüstenregionen sind, ist die Zeit von Mai bis September eine ideale Reisezeit. Wie Grand Canyon und Monument Valley liegen auch die Reservationen von Hopis und Navajos auf einer Hochebene von über 2000 Metern Höhe mit entsprechend angenehmen Temperaturen selbst in den Hochsommermonaten.

Unerträglich heiß wird es dagegen in den niedriger gelegenen Wüstengegenden um Phoenix und Las Vegas während des Hochsommers. Hier sind Früh- und Spätsommer die erträglicheren Reisezeiten. Umgekehrt können Reisen im April oder Oktober zu Grand Canyon oder Monument Valley im überraschenden Wintereinbruch enden.

Ein Reiter am Monument Valley in Arizona

Das Monument Valley ist Indianerland

Indianische Souvenirs

Wer die Region um Grand Canyon und Monument Valley besucht, stößt allerorten auf indianisches Kunsthandwerk. Besonders beliebt sind indianischer Schmuck und die berühmten Kachina-Puppen. Wer sicher gehen will, dass Originale verkauft werden, sollte direkt bei indianischen Künstlern und Silberschmieden kaufen.

Sowohl Hopi- als auch Navajokünstler betreiben kleine Geschäfte an den wenigen Hauptstraßen des Siedlungsgebietes. Hopi-Kunst und Schmuck kauft man am besten entlang des Highway 264. Schnäppchen wird man zwar kaum machen, die Preise sind denen für Indianerschmuck in Deutschland vergleichbar, aber besonders bei Schmuck ist der Ursprung hier leicht nachprüfbar.

Jeder Schmuckdesigner sollte über ein so genanntes Stempelbuch verfügen, in dem die Stempelnummer des Schmuckstücks nachgelesen und dem Stamm zugeordnet werden kann.

Die berühmten "Traumfänger" ("Dreamcatcher") haben übrigens mit indianischer Tradition nichts zu tun. Sie sind eine clevere Erfindung aus den 60er Jahren, die inzwischen von fast allen Stämmen übernommen wurde, um den touristischen Hunger nach preiswerten indianischen Souvenirs zu stillen.

Blick in einen indianischen Souvenirladen, in dem viele Decken übereinander gestapelt liegen und Regale mit indianischen Souvenirs vollgestopft sind.

Souvenirladen der Navajo-Indianer

Stand: 19.12.2019, 08:50

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