Motorik und Koordination

Eine Frau, die joggt von hinten

Bewegung

Motorik und Koordination

Von Harald Brenner und Monika Sax

Koordination ist die Fähigkeit, Bewegungen zu steuern und zu harmonisieren. Alle Ballspiele, Aerobic, Gymnastik sind Sportarten, die die Grundmotorik schulen. Die koordinativen Fähigkeiten sind nicht angeboren, sie müssen erlernt werden.

Koordinative Fähigkeiten

Zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr ist die Lernfähigkeit im Bereich der koordinativen Fähigkeiten besonders groß. Der Grund dafür ist, dass sich in diesem Alter grundlegende Funktionen des Zentralnervensystems besonders stark entwickeln.

Die wichtigsten koordinativen Fähigkeiten sind:

  • Bewegungen mit hoher Präzision und in Feinabstimmung mit anderen Bewegungen ausführen können
  • kurze Reaktionszeiten auf Signale
  • räumliche Orientierungsfähigkeit
  • Rhythmus- und Gleichgewichtsfähigkeit

All diese Fähigkeiten können durch spezielle Übungen geschult und verbessert werden.

Einschränkungen in den motorischen Fähigkeiten können vor allem für ältere Menschen ein Problem werden. Die Sturzgefahr nimmt zu: Senioren können Mehrfachhandlungen nicht mehr koordinieren, zum Beispiel gehen und gleichzeitig die Nase putzen.

Wie hilfreich sensomotorisches Training ist, hat eine Studie des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Freiburg gezeigt. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass gezieltes Training erheblich zur Sturzprävention beiträgt.

Aber auch im Alltag eines Büromenschen bleibt die Feinabstimmung von Bewegungen häufig auf der Strecke. Sportwissenschaftler und Sportmediziner plädieren für eine Aufwertung koordinativer Tätigkeiten im Gesundheitssport. Denn bei diesen Aktivitäten joggt das Gehirn quasi mit: Koordination ist Bewegung mit allen Sinnen, die informationsorientierte Steuerung von Bewegung.

Ein Mann auf einem Golfplatz mit einem Golfschläger in der Hand

Golfspiel trainiert die Grundmotorik

Förderung bei Bewegungsstörungen

Schlaganfälle oder Gehirnblutungen können zu Schädigungen des zentralen Nervensystems führen und die motorischen Bewegungsmöglichkeiten stark einschränken. Um Menschen mit diesem Schicksal zu helfen, gibt es vor allem zwei physiotherapeutische Behandlungen, die derzeit von Ärzten verordnet werden:

1. Die Vojta-Therapie

Die Vojta-Therapie wurde von dem tschechischen Kinderneurologen Václav Vojta entwickelt. Der zentrale Gedanke der Therapie ist, dass jeder gesunde Mensch bei Stimulation bestimmter Druckpunkte entsprechende Reflexe und Reaktionen zeigt.

Ein Beispiel: Ein Baby, das sich noch nicht drehen kann, wird in die Position gelegt, aus der normalerweise die Drehung erfolgt. Nun stimuliert der Therapeut gleichzeitig verschiedene Druckpunkte an Armen und Beinen.

Über das Nervensystem wird an das Gehirn der Impuls "Drehen" gegeben. Wenn dies häufig genug wiederholt wird, können Nervenbahnen verstärkt oder neu geschaffen werden, die diesen Befehl ohne Störung ans Gehirn weiterleiten. Das Kind wird sich dann später im besten Fall ohne motorische Störung drehen können.

Vojta hat sein Konzept viel bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet, was auch sinnvoll ist, da das Nervensystem im ersten Lebensjahr noch wesentlich stärker formbar ist, als später. Es wird heute aber auch erfolgreich bei Erwachsenen, vor allem bei Schlaganfall- oder Multiple Sklerose-Patienten angewendet.

Eine Krankenschwester hält ein Baby auf dem Arm.

Beliebte Therapie bei Babys

2. Das Bobath-Konzept

Die Bobath-Therapie gilt als die sanftere Methode. Werden bei der Vojta-Behandlung die Patienten in Positionen gebracht und gehalten, die sie normalerweise nicht einnehmen, werden bei Bobath bestimmte Bewegungen ständig wiederholt.

Die Idee dahinter: Unser Gehirn kann sich immer wieder umorganisieren, gesunde Gehirnregionen können Aufgaben von erkrankten Regionen erlernen und übernehmen. Dafür ist die Bildung von neuen Verbindungswegen und Nervenbahnen notwendig.

Damit das Bobath-Konzept wirkt, sollten die betroffenen Körperteile des Patienten bei jedem Umdrehen, jeder Lagerung, jeder Bewegung "richtig" im Sinne des Konzepts geführt werden. Die Bobath-Therapie ist immer Teamwork und wird optimalerweise 24 Stunden am Tag von Pflegern, Angehörigen und dem Patienten selbst durchgeführt.

Welche Form bessere therapeutische Erfolge bringt, konnte wissenschaftlich bisher nicht eindeutig beantwortet werden.

Eine Physiotherapeutin behandelt eine Frau nach dem Bobath-Konzept.

Sanfte Behandlung nach dem Bobath-Konzept

SWR/WDR | Stand: 03.03.2020, 16:40

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