Stammzellen sollen den Körper auf Vordermann bringen

Eidechse, nachdem sie ihren Schwanz abgeworfen hat.

Stammzellen

Stammzellen sollen den Körper auf Vordermann bringen

Packt ein Angreifer eine Eidechse am Schwanz, wirft diese ihr Hinterteil einfach ab – eine Sollbruchstelle rettet dem Reptil das Leben. Mit der Zeit wächst der Schwanz wieder nach. Die Stammzellen im Stumpf können sich in die verschiedenen Zelltypen entwickeln, darunter in Haut, Knochen und Nerven.

Wie Pflanzen sich regenerieren

Wer seinen Rasen mäht, schneidet sie einfach ab: die schönen Blüten von Gänseblümchen, Löwenzahn und anderen Blümchen. Die Blüten landen mit dem Gras auf dem Kompost. Der Rest vom Stängel bleibt trostlos zurück. Doch im Gegensatz zum Menschen, der einen abgeschnittenen Kopf nicht einfach nachbilden kann, können die Pflanzen sich regenerieren – und neue Blüten entwickeln.

Sie haben einen Wachstumspunkt, ein Meristem. Darin befinden sich Zellen, die sich noch nicht in bestimmte Zelltypen differenziert haben: die Stammzellen. Sie können neue Stängel und Blüten bilden – mit allem drum und dran! Mit farbigen Blütenblättern, Kronblättern und Pollen. Fast alle Zellen von Pflanzen besitzen die Fähigkeit, eine vollständige Pflanze zu regenerieren.

Aus eins mach zwei!

Eine Sommerwiese mit vielen Löwenzahnblüten.

Pflanzen können nachwachsen - die Glieder des Menschen nicht

Auch manche Tiere können sich erneuern, darunter die Plattwürmer. Die Miniwürmer sind Zwitter, das heißt, sie haben sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Sie können sich gegenseitig befruchten und vermehren.

Ist aber gerade kein Partner vorhanden, teilen sie sich in der Mitte ihres Körpers. Das Vorderteil mit den Augen wie auch das Hinterteil mit dem Darmausgang – beide bilden die jeweils fehlende Hälfte nach. Plattwürmer können Zeit ihres Lebens Stammzellen aktivieren – und so einen ganzen Organismus bilden.

Ein Plattwurm kann sich auch regenerieren, wenn er mit Gewalt in zwei Hälften getrennt wird. Mit dieser Eigenschaft hat er den höher entwickelten Tieren manches voraus. Die Faustregel: Je länger die Tiergruppe schon auf der Erde existiert, desto höher die Regenerationsfähigkeit.

Ein orangefarbener Plattwurm mit einem blauen Rand.

Plattwürmer können sich teilen

Regenwürmer können sich beispielsweise nicht erneuern. Werden sie geteilt, kann nur die vordere Hälfte überleben, falls darin alle Organe enthalten sind. Der Regenwurm kann diese nicht regenerieren.

Anders die Seesterne: Verlieren sie eines der fünf Glieder, wächst dieses mit allen verschiedenen Zelltypen nach: Nervenzellen, Hautzellen, Bindegewebe. Und das alles mithilfe der Stammzellen. Und mehr noch: Manche Seesternarten sind dazu in der Lage, aus einem abgetrennten Stück ein vollständiges Tier zu regenerieren.

Forever young: der Axolotl

Ein Axolotl (weiß) von vorn.

Axolotl werden nie erwachsen

Er ist ein Wirbeltier und gilt damit als höher entwickelt als Seestern und Plattwurm: der Axolotl. Der Faustregel nach dürfte sich das Amphibium nicht so gut erneuern können. Und doch tut es das: Der Axolotl kommt – anders als andere Molche – nie übers Jugendstadium hinaus. Er bleibt eine kiementragende Larve, aus Sicht eines Menschen ein Kind.

Der Axolotl, der aus Mexiko stammt, kann nicht bloß seinen Schwanz erneuern. Er kann ganze Gliedmaßen erneuern: Vier bis sechs Wochen braucht er etwa, um einen abgetrennten Fuß mit Blutgefäßen, Nervensträngen und Knochen neu auszubilden.

Aber auch Teile seines Gehirns und Herzens kann der Molch erneuern. Unter den Wirbeltieren ist das einmalig! Er ist daher ein beliebtes Forschungsobjekt: Was hat der Axolotl, was andere Wirbeltiere nicht haben? Wissenschaftler suchen nach der Antwort auf diese Frage.

Für den Menschen gilt wie für viele andere Wirbeltiere auch: Ab ist ab! Verlieren wir einen Arm oder ein Bein, sind diese Gliedmaßen verloren. Unwiederbringlich! Doch auch der Mensch kann sich regenerieren: Ihm wachsen zwar keine Gliedmaßen nach, aber die Stammzellen im Rückenmark können beispielsweise stetig blutbildende Zellen produzieren. Keine Stammzellen, kein Blut. Und ohne Blut: kein Leben.

Autorinnen: Inka Reichert/Sarah Weiss

Stand: 20.06.2016, 11:38

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