Höhenwanderung der Apfelblüte 2018 im Murgtal

Unsere Aktion Apfelblütenland

Höhenwanderung der Apfelblüte 2018 im Murgtal

Parallel zur Planet Wissen-Aktion "Apfelblütenland" führt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) seit 2007 ein phänologisches Projekt zur Apfelblüte durch. Im Murgtal, einem Seitenarm des südlichen Rheintals in Baden-Württemberg, untersucht Sandra Dezenter die Ausbreitung der Apfelblüte hinauf in die Höhenlagen des Schwarzwaldes.

Montag 23.04.2018

Der Frühling ist mit Aprilwetter zurückgekehrt. In Bietigheim, auf 120 Höhenmeter, rette ich mich mit  einem Spurt zum Auto knapp vor dem einsetzenden Wolkenbruch. Sind 95 Prozent der Blütenblätter verblüht, ist das Stadium „Ende der Blüte“ erreicht. Der Gravensteiner hat über das Wochenende all seine Blütenblätter verloren.

Apfelbaum mit welken Blüten

In einigen Wochen hängen hier die ersten Äpfelchen

Der Boskoop hatte vor dem Wolkenbruch noch so viele, dass ich sein Blühende für morgen notiere. Zwölf Tage nach Beginn der Apfelblüte haben auch die Beobachtungsbäume bis zur Höhenstufe auf 220 Meter, in Gaggenau-Sulzbach und -Selbach, das Ende der Blüte erreicht. Im weiteren Verlauf des Murgtals sind bis nach Forbach-Gausbach, auf 420 Höhenmeter, überwiegend vollblühende Apfelbäume zu sehen. Vor dem nächst höhergelegenen Standort mache ich einen Abstecher zu den Projektbäumen nach Besenfeld, auf circa 800 Höhenmeter. Ich staune nicht schlecht als ich die großen Blütenknospen an einem Boskoop entdecke. Bald ist es auch hier soweit. Ich ändere die Route und fahre weiter nach Freudenstadt zum Klarapfel auf 740 Höhenmeter. Hier erwarte ich den Blühbeginn in vier Tagen. Weitere Beobachtungsbäume stehen an verschiedenen Standorten in Freudenstadt-Dietersweiler, zwischen 610 und 660 Höhenmeter. Zwei Boskoop haben bereits gestern ihre ersten Blüten geöffnet, der Dritte wird morgen auch so weit sein. Mit einem Höhenzuwachs von 54 Meter pro Tag hat die diesjährige Apfelblüte beinahe die Rekordgeschwindigkeit des ersten Beobachtungsjahres erreicht. 2007 lag der Wert für diesen Standort bei 60 Meter pro Tag. Ich bin gespannt, ob sich der Höhenverlauf der Apfelblüte weiterhin so rasant entwickelt. Es geht wieder talabwärts, erwartungsgemäß treffe ich auch an den Beobachtungsbäumen bis nach Baiersbronn-Röt auf „Erste Blüten“ an den Beobachtungsbäumen. Eine gewohnte Ausnahme bildet nach wie vor Baiersbronn-Schönegründ, auf 480 Höhenmeter ist noch keine offene Blüte zu finden.

Grafik mit dem Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 23. April

Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 23. April

Freitag 20.04.2018

Heute Morgen starte ich meine Tour etwas früher als gewohnt. In Bietigheim, auf 120 Höhenmeter, ist es trotz strahlendem Sonnenschein noch angenehm kühl. Während am Erstblüher, einem Gravensteiner, schon die ersten Blütenblätter zu Boden fallen und das Ende der Blüte einläuten, beginnt der Klarapfel heute mit der „Ersten Blüte“. In Gernsbach, auf 175 Höhenmeter, verhält es sich ähnlich. Unter Boskoop und Jakob Fischer ist das Gras mit weißen Blütenblättern bedeckt, spätestens am Samstag werden diese beiden verblüht sein. Am Ortseingang in Loffenau halte ich kurz an, um nochmal einen Blick über die schönen Streuobstwiesen zwischen Gernsbach und Loffenau zurück zu werfen.

Streuobstwiese im Frühling

Wiese in Frühlingsfarben

Die Vollblüte ist bis auf 420 Höhenmeter, in Forbach-Gausbach, geklettert. Die Ausnahme bildet auch hier ein Klarapfel, er wird erst morgen das Stadium der „Ersten Blüte“ erreichen. Gegen Mittag erreiche ich die Stationen in Baiersbronn-Schönegrund und -Röt, auf über 500 Höhenmeter. In Röt stehen die Apfelbäume in der prallen Mittagssonne, dennoch sind die Blüten noch nicht so weit geöffnet, um den Beginn der Apfelblüte für diese Höhenstufe zu dokumentieren. Gravierende Änderungen im Verlauf der Höhenwanderung sind wohl erst nach dem „hochsommerlichen“ Wochenende mit Tageshöchsttemperaturen bis 28°C zu erwarten.

Grafik mit dem Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 20. April

Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 20. April

Mittwoch 18.04.2018

Der Wetterbericht verspricht frühsommerliche Temperaturen und strahlend blauen Himmel bis zum Abend. An den ersten Standorten von Bietigheim, auf 120 Höhenmeter, bis nach Gernsbach-Lautenbach, auf 350 Höhenmeter, brauche ich morgens noch die Gummistiefel, um durch die taunassen Wiesen zu laufen. Dennoch hat die Sonne jetzt schon so viel Kraft, dass die Vollblüte in Gernsbach-Lautenbach bis auf 350 Höhenmeter geklettert ist. In Gausbach-Forbach zeigen der Jakob Fischer, auf 360 Meter und auch der Boskoop auf 420 Höhenmeter, ihre „Ersten Blüten“. Bei den vorhergesagten Temperaturen und der Sonneneinstrahlung wird die Vollblüte in zwei Tagen sicher auch diese Höhenstufe erreicht haben. Heute muss ich die gesamte Murgtal-Tour fahren, um den Blühbeginn an den höher gelegenen Standorten besser einschätzen zu können. In Baiersbronn-Röt zwischen 515 und 530 Höhenmeter, schätze ich, dass der Blühbeginn des Boskoops am kommenden Wochenende einsetzen wird.

Apfelbaum in voller Blüte.

Baiersbronn-Röt in den Startlöchern

Auf 580 Höhenmeter, in Baiersbronn-Surrbach, bleibt die Suche nach roten Blühknospen erfolglos. Dasselbe auch in Freudenstadt-Dietersweiler, zwischen 610 und 660 Höhenmeter. Ab 740 Höhenmeter werden auch die grünen Blattknospen immer kleiner und weniger. Die Tour führt über Kniebis-Dorf zur Schwarzwaldhochstraße vorbei am höchstgelegen Apfelbaum des Projekts, am Schliffkopf auf 1043 Höhenmeter. Am Ruhestein steht der letzte Apfelbaum der heutigen Tour, ein Sonnenwirtsapfel auf 910 Höhenmeter.Ihn kann ich vorerst auch links liegen lassen. Hier tut sich in Sachen Blühbeginn noch lange nichts.

Grafik mit dem Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 18. April

Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 18. April

Montag 16.04.2018

Vier Tage nach Einsetzen der ersten Blüte an den Standorten in Bietigheim und Gernsbach bin ich gespannt, wie hoch die Apfelblüte im Murgtal angestiegen ist. Der Gravensteiner in Bietigheim, auf 120 Höhenmeter, hat, wie erwartet, das Stadium der Vollblüte erreicht. Sein Nachbar der Boskoop hat mächtig aufgeholt und heute erste offene Blüten gezeigt. Ende der Woche wird es wohl auch beim Klarapfel soweit sein. In Gernsbach, auf 175 Höhenmeter, blühen die beiden Erstblüher, Jakob Fischer und Boskoop, um die Wette. Beide haben zum Wochenende die notwendigen 50 Prozent für den Wechsel von der „Ersten Blüte“ zur „Vollblüte“ weit überschritten.

Apfelbaum in voller Blüte

Boskoop im Blütenrausch

Auf den nächst höhergelegenen Standorten hat sich die Apfelblüte ebenso über das Wochenende rasant weiterentwickelt. In Gaggenau-Sulzbach und -Selbach, beide auf 220 Höhenmeter, haben die beobachteten Jakob Fischer und Boskoop das Stadium der „Ersten Blüte“ erreicht. Bis auf 350 Höhenmeter hinauf, in Gernsbach-Lautenbach, sind blühende Apfelbäume zu sehen. Hier setzt der beobachtete Jakob Fischer für heute die vorerst letzte Markierung für den Blühbeginn im Murgtal.

Grafik mit dem Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 16. April

Höhenwanderung der Apfelblüte 2018 am 16. April

Donnerstag 12. April 2018

Die LUBW beobachtet nunmehr schon im zwölften Jahr den Verlauf der Apfelblüte in verschiedenen Höhenstufen, von der Oberrheinebene bis in die Höhenlagen des Schwarzwaldes. Im Gegensatz zu der bundesweiten Aktion werden in unserem Projekt immer dieselben Apfelbäume beobachtet. Die erste Blühmeldung der bundesweiten SWR- Apfelblütenaktion für den Freiburger Raum war wieder zwei Tage früher als unsere im Murgtal, obwohl unsere Apfelbäume zu den Frühblühern zählen.

Grafik mit dem Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 12. April

Höhenverlauf der Apfelblüte 2018 am 12. April

Die kalten Frühlingsmonate Februar und März ließen bereits auf einen späteren Blühbeginn als im Rekordjahr 2017 schließen. Anfang April hat der Frühling dann aber rasant mit hohen Temperaturen und viel Sonnenschein aufgeholt und heute mit den ersten Apfelblüten den Vollfrühling auch ins Murgtal gebracht. Somit liegt der Beginn der Apfelblüte, wie in den letzten elf Beobachtungsjahren, im Mittel um den 11. April.

erste Apfelblüten im April

Bietigheim startet mit Gravensteiner in den Frühling

Am Gravensteiner in Bietigheim, auf 120 Höhenmeter, zeigten sich zahlreiche offene Blüten und es sieht ganz so aus als würde er schon am Wochenende das Stadium der Vollblüte erreichen. Seine Nachbarn Boskoop und Klarapfel, auch Frühblüher, sind aber noch nicht soweit. In Gernsbach, auf 175 Höhenmeter, hingegen sind der beobachtete Boskoop und Jakob Fischer in der Entwicklung genausoweit wie der Gravensteiner.

Sandra Dezenter betrachtet die Blütenknopsen an einem blattlosen Apfelbaum.

Vor Ort im Murgtal: Sandra Dezenter

Seit 2015 untersucht Sandra Dezenter regelmäßig die Apfelbäume entlang des Murgtales. Sie ist seit vielen Jahren Mitarbeiterin der LUBW, der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Ihr Aufgabenbereich umfasst neben dem Flächenmanagement der Dauerbeobachtungsflächen Wald, Grünland und Fließgewässer unter anderem auch die Apfelblütenbeobachtung.

Bevor sie wieder zurück nach Karlsruhe gekehrt ist, hat sie jahrelang am Rande des Schwarzwaldes gelebt. Ihre Leidenschaft für das Rad fahren hat sie schon damals in die höchstgelegenen Regionen des Apfelblütenprojektes geführt. Für die Zeit nach der Apfelblüte hat sie jede Menge Etappenziele. Sie möchte gerne an allen Beobachtungsbäumen die reifen Früchte hängen sehen.

Autorin: Sandra Dezenter

Stand: 12.04.2018, 17:00

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