Interview: Karl Stiefenhofer

Gast Karl Stiefenhofer

Allgäu

Interview: Karl Stiefenhofer

Von Interview: Ana Rios

Karl Stiefenhofer ist ein waschechter Allgäuer. Als Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu und Autor von historischen Theaterstücken für das Ensemble des Geschichts- und Heimatvereins Eglofs kennt er sich nicht nur mit der Sozial- und Kulturgeschichte seiner Heimatregion bestens aus, sondern ist mit dem Heimatbund auch aktiv an der Gestaltung von zukunftsweisenden Tourismus-Projekten wie den "Allgäuer Wandertagen", die zum "Wandern mit Kultur" einladen, beteiligt.

Planet Wissen: Herr Stiefenhofer, Sie sind Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu. Das ist der Dachverband von 35 Heimat- und Geschichtsvereinen aus dem Allgäu. Wie entstand der Heimatbund Allgäu?

Karl Stiefenhofer: Der Heimatbund Allgäu wurde im Jahr 1884 in Kempten als "Allgäuer Altertumsverein" gegründet. Zunächst sammelte er vor allem Kunstgegenstände, alte Urkunden, Münzen, Bräuche aus dem Allgäu.

Später wurde er mehrmals umbenannt, zuerst in "Historischer Verein Allgäu", dann in "Heimatdienst Allgäu" und zuletzt in "Heimatbund Allgäu". Seine Arbeit erweiterte sich vom Sammeln und Beschreiben immer mehr auf das Bewahren, Pflegen und Weiterentwickeln; alles, was charakteristisch für das Allgäu ist, soll lebendig bleiben und den Menschen zugänglich gemacht werden.

Was gehört heute zu Ihren wichtigsten Aufgaben?

Mit dem Projekt "Wandern mit Kultur" will der Heimatbund Allgäu in eine neue Zukunft gehen und auch jüngere Menschen ansprechen. Immer mehr Jugendliche oder auch Kinder begeistern sich für das Wandern. In Verbindung mit Kultur wird das Naturerleben für viele Wanderer noch attraktiver.

Das Allgäu bietet zahlreiche Schätze und Sehenswürdigkeiten: von den Königsschlössern über das Kneippland in Bad Wörrishofen bis hin zum Allgäuer Seenland. Mit dem Bodensee und den Allgäuer Alpen besitzt das Allgäu eine fast unüberschaubare Fülle an Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Höhepunkten.

Landschaft im Allgäu mit See und Gebirgskulisse

Seen und Berge – das Allgäu hat viel zu bieten

Warum engagieren Sie sich im Heimatbund?

Ich finde, der Mensch braucht eine Heimat. Ich bin Urallgäuer. Mir ist im Allgäu alles vertraut, ich kenne alles. Ich verstehe alles, denn ich spreche allgäuisch.

Heimat ist wichtig, damit man eine Identität hat. Ich interessiere mich für meine Geschichte, meine Traditionen, meine Umgebung. Aber es ist auch so, dass jeder Mensch, der neu ins Allgäu kommt, dieses Heimatgefühl für das Allgäu entwickeln kann und Allgäuer werden kann.

Sich als Allgäuer zu fühlen, ist ja eine sehr subjektive Sache. Es gibt ja keinen Pass für den Allgäuer und keine politischen Grenzen.

Ja natürlich, das ist jedem selber überlassen, ob er sich als Allgäuer fühlt.

Dass das Allgäu heute in Baden-Württemberg und in Bayern liegt, hatte in den 1960er Jahren zum sogenannten "Trachten-Krieg" geführt. Was war da passiert?

Es gibt im Allgäu zwei Grundtypen, die bayerische Tracht und die schwäbische Tracht. Früher war im Allgäu die bayerische die dominante. Die war in Mode, weil Prinz Luitpold von Bayern sie immer trug, wenn er ins Allgäu zum Jagen ging.

Die schwäbische Tracht war im Allgäu fast ausgestorben. In den 1960er Jahren hat der Heimatpfleger Alfred Weitnauer die schwäbische Variante wieder eingeführt.

Weil Trachten ja den Menschen heilig sind, gab es damals große Auseinandersetzungen, welche nun die wahre Allgäuer Tracht sei. Man hat sich geeinigt, und heute sind beide anerkannt. Die Musikkapellen im Allgäu tragen meist die schwäbische. Das liegt daran, dass der Heimatpfleger Alfred Weitnauer dort am meisten Überzeugungsarbeit geleistet hat.

Junge Frau in Tracht, daneben eine mit einem Blumenkranz geschmückte Kuh

Zur Viehscheid kommt selbstverständlich die Tracht zum Vorschein

Das Allgäu umfasst nicht nur zwei Bundesländer, sondern auch das Ausland. Teile Österreichs wie das Kleinwalsertal gehören auch zum Allgäu?

Ja, wie in der Sendung ja gesagt wurde, ist das Allgäu eine Landschaft, die fließend in andere Landschaften übergeht. Ein Kleinwalser würde nie sagen, er wäre Allgäuer. Die Siedler des Kleinwalsertals kamen aus dem Wallis, das heute in der Schweiz liegt. Aber landschaftlich liegt das Tal eben in den Allgäuer Alpen.

Herr Stiefenhofer, wenn man ein Allgäuer Wappen erfinden würde, was müsste Ihrer Meinung nach darauf abgebildet sein?

Na, mit den Wappen ist das so 'ne Sache, das steht ja normalerweise für Herrschaftsgeschlechter. Da wir im Allgäu ein kunterbunter Flickenteppich sind, müssten wir uns etwas ganz Neues überlegen. Ich habe auch schon darüber nachgedacht und ich finde, es müssten im Allgäuer Wappen Berge, Wasser, Sonne und Löwenzahn abgebildet sein.

Planet Wissen: Herr Stiefenhofer, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.

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Stand: 20.12.2014, 12:00

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