Muren – gefährlicher Schlamm

Mure

Alpen

Muren – gefährlicher Schlamm

Von Yvonne Maier

Die Mischung aus Wasser, Schlamm, Gestein und Holz kann tödliche Folgen haben. Jedes Jahr gehen Tausende Schlammlawinen, sogenannte Muren, in den Alpen ab.

Gefahr mit hohem Tempo

Im Winter Gefahr durch Schnee, im Sommer durch Schlammlawinen: In den Alpen gehen jedes Jahr Tausende Schlammlawinen ab, sogenannte Muren. Durch die meisten Muren droht keine Gefahr, aber immer wieder verursachen Schlammlawinen große Schäden, immer wieder sterben Menschen.

Bei Schlammlawinen oder Muren schießen Wassermassen ins Tal, die mit Sand, Erde, Geröll und Hölzern vermischt sind. Sie begraben Häuser, zerstören Wege und sind mindestens so gefährlich wie Schneelawinen.

Schlammlawinen oder Muren kommen in der Regel in hügeligem Gelände und im Gebirge vor – überall auf der Welt. Doch nicht überall entstehen Muren durch dieselbe Ursache. Muren können sich mit bis zu sechzig Kilometern pro Stunde fortbewegen.

Auslöser im Alpenraum ist in der Regel Wasser, infolge starken Regens oder während der Schneeschmelze. Das Wasser weicht den Boden auf und löst ihn vom Untergrund.

Gerölllawine

Bei Starkregen löst sich Geröll

Hangmuren – gefährliches Geröll

Die Hangmure entsteht oberhalb der Vegetationszone, wo keine Bäume mehr wachsen. Ist der Hang steil genug, kann sich das Geröll bei starkem Regen oder Schneeschmelze lösen und ins Tal abgehen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob der Bergwald gesund ist oder nicht, da die Mure unabhängig von ihm entsteht.

Helfen kann der Wald in Ausnahmefällen: Sollte die Schlammlawine noch nicht genug Tempo aufgenommen haben, wenn sie auf den Bergwald trifft, kann das Geröll zwischen den Bäumen hängen bleiben und schießt nicht bis ins Tal hinab.

Talmure – Gefahr aus dem Flussbett

Hier entsteht die Mure in einem steilen Bergbach, ebenfalls bei starkem Regen oder Schneeschmelze. Die Uferkanten brechen ab und die Mure nimmt Geröll, Schlamm und Bäume mit ins Tal hinab.

Hier könnte ein gesunder Bergwald helfen: Die Bäume sorgen dafür, dass das Wasser langsam versickert und nicht sofort in kleine Bäche fließt. Die Wurzeln halten darüber hinaus den Boden stabil, so dass er an den Uferkanten nicht so leicht abrutschen kann.

Kreative Schutzmaßnahmen Planet Wissen 22.05.2019 04:58 Min. Verfügbar bis 22.05.2024 ARD-alpha

Muren in den Alpen

Damit eine Mure entsteht, braucht sie "Material", also ausreichend Geröll, um loszubrechen. In vielen Gegenden der Welt kann es dauern, bis sich genügend Schutt für eine Mure an einem Hang angesammelt hat.

Der Vorteil: Wenn die Mure erst einmal abgegangen ist, ist das Gebiet darunter für die nächste Zeit relativ sicher. Es dauert, bis wieder ausreichend Material zusammengekommen ist.

In den Alpen dagegen haben sich durch die Eiszeit und die Gletscher ausreichend Geröll und Schutt angesammelt, theoretisch ist fast überall genügend "Material" für einen Murenabgang vorhanden.

Doch es gibt nicht ausreichend Wasser, um das Material zu transportieren. Darum werden Schlammlawinen hierzulande immer durch starken Niederschlag oder eine extreme Schneeschmelze ausgelöst.

Weil es so viel loses Gestein in den Alpen gibt, ist nach einem Murenabgang das Risiko, dass danach eine weitere Mure abgeht, hoch.

Mure im Glemmtal

Mure im Glemmtal

Mehr Muren wegen Klimawandel?

Der Klimawandel hat wahrscheinlich eine Auswirkung darauf, wie häufig Muren entstehen. Denn man geht davon aus, dass es in Zukunft häufiger zu Gewittern mit Starkregen kommen wird, die dann Schlammlawinen auslösen können.

Genaue Daten dazu gibt es aber noch nicht. Muren im Alpenraum vorherzusagen ist insgesamt schwierig. Je nach Gebiet ist unterschiedlich viel Regen für eine Mure nötig. Das ist abhängig vom angesammelten Material und der Bodenbeschaffenheit.

Mauern gegen Schlammlawinen Planet Wissen 22.05.2019 03:32 Min. Verfügbar bis 22.05.2024 ARD-alpha

Die Gefahr vorhersagen

Die Wissenschaft versucht, Muren vorherzusagen. Dazu werden Frühwarnsysteme entwickelt und Gefährdungskarten erstellt.

Auf der Schwäbischen Alb haben Forscher der Universität Bonn zum Beispiel Messgeräte in die Erde eingesetzt, die die Bodenfeuchtigkeit messen und rechtzeitig vor einem Murenabgang Alarm schlagen sollen.

Stand: 21.05.2019, 20:00

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