Landwirtschaft in den Alpen

Bauernhöfe in den Dolomiten.

Der Mensch in den Alpen

Landwirtschaft in den Alpen

Im 11. Jahrhundert erlebt der Alpenraum eine agrarische und damit verbunden auch eine kulturelle Blütezeit, die die Landwirtschaft der Alpen bis ins 20. Jahrhundert prägt. Im Mittelalter setzt politisch eine Phase der Stabilität ein. Parallel kommt es zu einer deutlichen Erwärmung des Klimas, mit der Folge, dass zuerst in den West-, dann in den Ostalpen die Wälder gerodet und die landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgeweitet werden. Gewerbe und Handwerk kommen in Schwung, und auf den neuen Märkten werden Käse, Gemüse und Fleisch gehandelt.

Die romanische Bergbauernwirtschaft

Die Landwirtschaft perfektioniert sich im Hochmittelalter in Form der Staffelwirtschaft. Die Alpenflächen werden vertikal in unterschiedliche Höhenstufen eingeteilt, was es den Bauern ermöglicht, die Terrassen im Lauf des Jahres unterschiedlich zu nutzen. Die Erträge der einzelnen Ebenen müssen so miteinander kombiniert werden, dass eine Familie davon leben kann. Die Täler dienen vorzugsweise dem Getreideanbau, während man auf den höheren Lagen das Vieh grasen lässt.

Streng genommen muss man die alpine Landwirtschaft in romanische und germanische Regionen unterteilen. In der romanischen Bergbauernwirtschaft, die überwiegend im Raum der Südalpen anzutreffen ist, haben Ackerbau und Milchwirtschaft den gleichen Stellenwert. Die Bauern nutzen die sonnigen Flächen als Äcker, während die Wiesen auf die schattigen Standorte der höheren Lagen verdrängt werden. Die Ackerflächen und gedüngten Wiesen befinden sich im Privatbesitz, die Almweiden und der Wald sind für alle da.

Die agrarische Nutzung der Flächen ist dreigeteilt und entsprechend besiedelt. So spricht man von einer Winter-, Sommer- und Almsiedlung, die von mehreren Familienmitgliedern entsprechend der Jahreszeit bewohnt und bewirtschaftet wird.

Architektonisch spiegelt sich die romanische Besiedlung, die noch durch die Realerbteilung begünstigt wird, in kleinen, meist verwinkelten Steinhäusern, die zu "Haufendörfern" zusammengewürfelt sind, wider. Ökonomisch sind die romanischen Bergbauern autark. Allein Salz muss zur Konservierung von Lebensmitteln eingeführt werden.

Die germanische Berglandwirtschaft

Am feuchten Alpennordrand und in den Ostalpen ist der Getreideanbau so ungünstig, dass in der germanischen Berglandwirtschaft die Viehwirtschaft dominiert. Im Landschaftsbild der Nordalpen fehlen daher die Ackerterrassen. Die Bauern nutzen die Äcker nur zwei bis drei Jahre zum Getreideanbau, danach sind sie wieder Grünfläche.

Im germanischen Raum gehören jede Weide und der Wald fest zum Hof, der das ganze Jahr über Lebens- und Arbeitsmittelpunkt einer Familie ist. Die Almen dienen nur wenige Wochen im Jahr als Weidegrund.

Bauernhof in Tirol.

Typisch für den germanischen Raum: verstreut liegende Einzelhöfe

Die bäuerliche Arbeit beschränkt sich nicht nur darauf, Lebensmittel zu produzieren, sondern sie muss auch den Erhalt des Boden und der Natur garantieren. So lautet die Devise der Alpenbauern: "Gibt den Hof so an deinen Sohn weiter, wie du ihn vom Vater erhalten hast."

Im germanischen Raum, wo meist nur ein Sohn erbberechtigt war, prägen daher verstreut liegende, stattliche Holzbauernhöfe das Landschaftsbild.

Da der Ackerbau wesentlich arbeitsintensiver ist, gleichzeitig aber auch mehr Menschen ernähren kann als die Viehwirtschaft, ist die Bevölkerungsdichte in den romanischen Alpentälern drei- bis viermal so hoch wie in den germanischen Regionen.

Durch Arbeitskraft und kulturelle Wertschöpfung verwandeln Generationen von Bewohnern die Alpen in einen Lebens- und Wirtschaftsraum – in eine Kulturlandschaft, wie wir sie heute kennen.

Autorin: Sabine Kaufmann

Stand: 31.08.2017, 16:00

Darstellung: