Zeitdokumente zeigen den Wandel in den Alpen

Alpen

Zeitdokumente zeigen den Wandel in den Alpen

Von Cordula Weinzierl

Der österreichische Landschaftsfotograf Dr. Adalbert Defner fotografierte zwischen 1925 und 1935 verschiedene Orten in den Alpen. Sein Enkel Thomas Defner begab sich 2016 und 2017 an dieselben Orte, um sie erneut zu fotografieren. Die Fotos stammen aus dem Buch "Zeitblende", erschienen im Tyrolia Verlag.

Kühtai

Historische Aufnahme Kühtai, schwarz-weiß.

Der Hamburger Skipionier und Reedereibesitzer Willy R. Rickmers wurde Anfang des 20. Jahrhunderts beauftragt, in Tirol und Vorarlberg Regionen für den Ausbau zu Wintersportorten zu suchen. 1909 inspizierte Rickmers Kühtai und war begeistert. Kurz darauf wurde der Ort zu einem Skigebiet erschlossen. Zunächst gab es dort nur das Jagdschloss, von dem aus Sisis Ehemann und Kaiser Franz-Josef I. gerne auf Murmeltierjagd ging.

Aktuelle Aufnahme Kühtai.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Kühtai rasch zu einem Hoteldorf heran. Investoren haben in den letzten Jahren den Ausbau von Appartementhäusern vorangetrieben. Heute ist Kühtai ein beliebtes Ski- und Wandergebiet mit mit mehr als 80 Pistenkilometern und nur noch 7 Einwohnern, aber 46.000 Besuchern und 220.000 Übernachtungen im Jahr (2018).

Steinach am Brenner

Historische Aufnahme Steinach.

Das Gschnitztal ist ein Seitental des Tiroler Wipptals in Österreich. Es zweigt bei Steinach am Brenner ab. Als Adalbert Defner Ende der 1920er Jahre dieses Foto schoss, herrschte hier noch Idylle pur. Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Ort Steinach an der wichtigen Nord-Süd-Achse über die Alpen. Besonders ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dieser Ort schwer vom Durchgangsverkehr belastet.

 Aktuelle Aufnahme Steinach

Mit dem Bau der Brennerautobahn wurde 1971 die Gschnitztalbrücke mit ihren 674 Metern Länge über das Tiroler Wipptal geführt. Für Millionen Menschen, Autos und LKW ist die Brennerautobahn heute eine der Hauptrouten über die Alpen.
Seit 1971 donnert der Verkehr über die Brücke. In den 1970er Jahren waren es nur rund 1000 LKW pro Jahr, heute fahren hier jeden Tag mehr als 35 000 Fahrzeuge.

Mittelbergferner in den Ötztaler Alpen

Schwarzweißbild des Mittelbergferner in den Ötztaler Alpen.

Der Mittelbergferner ist nach dem Gepatschferner der zweitgrößte Gletscher Tirols und liegt in den Ötztaler Alpen. Als der Fotograf Alfred Defner zwischen 1925 und 1935 dieses Bild vom Mittelbergferner machte, war der Begriff "Klimawandel" noch unbekannt. Zur Zeit des weitesten Vorstoßes des Gletschers um 1855 endete die Gletscherzunge noch in einer Höhe von 1795 Metern.

Blick auf den Mittelbergferner in den Ötzzaler Alpen 2015.

Und so sieht es heute an der gleichen Stelle am Mittelbergferner Gletscher heute aus. Solche Bildvergleiche gehören zu den beeindruckendsten im Alpengebiet: Die Alpen vor und während des Klimawandels. Vor allem der heiße Sommer 2018 war für die Eisriesen Gift: Fast alle Gletscher gingen massiv zurück, einige verloren sogar rund 100 Meter an Länge.
Noch ist der Mittelbergferner der zweitgrößte Gletscher Tirols – noch.

Obergurgl

Historische Aufnahme Obergurgl

Obergurgl ist ein Dorf im Hinteren Ötztal auf 1927 Metern Höhe. Schon um 4500 v. Chr soll es hier Brandrodung und Weidewirtschaft gegebene haben. Die Menschen, die sich in Obergurgl niederließen, betrieben vor allem Landwirtschaft und Viehzucht. Im Winter verdiente man Geld mit Weben. Doch im 19. Jahrhundert kam es zu einem starken Bevölkerungsrückgang, als die Bauern kaum noch Absatz für ihre Produkte fanden. 1910 lebten in Obergurgl nur noch 39 Menschen.

 Aktuelle Aufnahme Obergurgl.

Als Obergurgl im 20. Jahrhundert zu einem Wintersportort wurde, stieg die Einwohnerzahl wieder an. Bereits 1949 wurde der erste Schlepplift in Obergurgl errichtet, gefolgt vom Sessellift auf die Hohe Mut im Jahr 1953. 1960 wurde die Timmelsjoch-Hochalpenstraße, die das Ötztal mit Südtirol verbindet, fertiggestellt. Und es wurde noch bequemer, Obergurgl zu erreichen.

SWR | Stand: 14.05.2019, 17:30

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