Die Huberbuam

Thomas und Alexander Huber an der Nose im Yosemite Nationalpark

Klettern

Die Huberbuam

Von Mona Geier

"Thomas und Alexander haben das Klettern neu erfunden!" Diese Worte sagte Berglegende Reinhold Messner über die beiden Brüder. Die "Huberbuam" haben neue Standards für Kletterer gesetzt: Kreativ, schnell und mutig sind sie, aber auch gewissenhaft und realistisch.

Thomas, der Idealist

Thomas ist der Ältere der Huber-Brüder. Er wurde 1966 in Palling/Oberbayern geboren. Schon Vater und Großvater mütterlicherseits waren Bergsteiger und trugen die Leidenschaft fürs Klettern in die Familie. Aber dass Thomas mal zu den besten Bergsteigern und Kletterern der Welt gehören würde, das war damals noch nicht abzusehen.

Als Kind fand er noch Fischen spannender als Bergsteigen. Bis er im Alter von zehn Jahren zum ersten Mal mit dem Vater in die Berge ging. Da war die Begeisterung erwacht.

Als kurze Zeit später auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder Alexander mitkommen durfte, waren die Rollen in den ersten Touren klar verteilt: Thomas als der Ältere musste auf seinen kleinen Bruder aufpassen. Aber schon im Teenageralter zeigte sich, dass Thomas und Alexander ein perfektes Team im Berg bildeten. Sie machten sich schon früh selbstständig.

Ihnen gelangen jeweils alleine und zusammen verschiedene Begehungen in Felsen mit den höchsten Schwierigkeitsgraden 10 und 11, zum Teil sogar in Rekordzeiten. 2003 gelang den "Huberbuam" zum Beispiel die schnellste Durchsteigung des sogenannten Zodiac (Yosemite Valley/USA). Der Kletterfotograf Simon Carter sagte dazu: "Es war mit Abstand die beeindruckendste Kletterleistung, die ich je gesehen habe."

Porträt von Thomas Huber

Der Ältere hat auf den jüngeren Bruder aufgepasst

Alexander, der Pragmatiker

Alexander Huber erkletterte mit 13 Jahren seine ersten Viertausender. Seit seinem 15. Lebensjahr klettert er gemeinsam mit seinem Bruder Thomas. Mit 30 machte er Klettern zum Beruf.

"Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, dann reden wir nicht über Schwächen des anderen, wir kompensieren ungesagt unsere Schwächen. Da wird nicht diskutiert, wer den schwereren oder leichteren Rucksack hat – da gibt es kein älter oder jünger", so Thomas.

Während Alexander Huber eher der analytische Planer und Pragmatiker von den beiden ist, charakterisiert sich Thomas eher als "begeisternder Träumer, idealistisch und voller Neugier": Eigenschaften, die Bruder Alexander wiederum sehr schätzt. Ihm gefällt die Begeisterungsfähigkeit des Älteren.

Über sich selbst sagt Alexander: "Die Eigenschaft, mich zu quälen, habe ich immer besessen." Und: "Während Thomas sich besser in Höhen akklimatisiert, bin ich besonders mental stark, wenn es um das 'free solo' geht. Im steilen Terrain habe ich besondere Coolness, um heikle Situationen durchzustehen."

"Free solo" ist der Verzicht auf jegliche technische Hilfsmittel. Es gibt keine Sicherung, kein Seil, das den Kletterer auf seinem Weg durch die Steilwand bei einem Sturz abfangen würde. Doch Alexander legt Wert darauf, dass er nicht verrückt sei: "Ich präge mir sämtliche Griffe vorher ein. Es ist wie eine einstudierte Choreografie."

Bekannt wurde Alexander durch Erfolge im Sportklettern, vor allem die "Solos". Als Erster überhaupt kletterte er Mitte der 1990er Jahre Routen im oberen elften Grad. 1992 bezwang er den OM in Berchtesgaden. Das war zu dem Zeitpunkt erst die zweite Route mit elftem Schwierigkeitsrad weltweit.

"Mir war schon Anfang der 1990er bewusst, dass ich zu denen gehören könnte, die eine neue Generation verkörpern", so Alexander dazu später.

Portraitbild: Alexander Huber

Alexander ist der Pragmatiker

Angst: Freund und Feind

Die erste Angst, an die er sich erinnern kann, war die als kleiner Junge beim Einschlafen. Aber auch beim Klettern ist Angst ein ständiger Begleiter. "Man braucht Angst. Sie sichert einem das Leben. Angst macht mich sensibel für Gefahren", sagte er 2013 in einem Interview mit der Welt am Sonntag.

Im Jahr 2000 erlebte Alexander dann aber eine massive Angststörung. Dazu sagte er in einem Zeitungsinterview 2013: "Anders als im Berg bin ich damals der Angst im Alltag immer davongelaufen... Ich war gerade ins professionelle Bergsteigen gestartet, musste damit Geld verdienen. Vorträge wurden nach meinen Erfolgen gebucht. Dann kam plötzlich ein Jahr ohne Erfolg, die Vortragsbuchungen blieben aus. Beizeiten stand ich mit dem Rücken zur Wand. Dazu kam eine Fingerverletzung, Kritik von Kollegen, der ganze Stress, und das Kartenhaus stürzte ein."

Alexander machte eine dreimonatige Gesprächstherapie und trieb viel Sport: "Ich hätte nicht gedacht, dass meine Psyche so eskalieren kann. Das Selbstvertrauen im Leben gewinnt man nicht automatisch zurück, man muss die Aufarbeitung willentlich einleiten, das kostet viel Kraft."

Fünf Jahre dauerte es, bis er die Krise vollkommen überwunden hatte. Auch heute kennt er noch Angst, aber er weiß, wie er damit umgeht.

Auch Bruder Thomas musste erfahren, was Verwundbarkeit heißt und dass Angst auch aus Hilflosigkeit geboren werden kann: 2011 wurde bei ihm ein Nierentumor diagnostiziert. Er war gutartig und konnte erfolgreich entfernt werden. Für einen Extremsportler wie ihn, der sich immer auf seinen durchtrainierten und gestählten Körper verlassen konnte, war diese Erfahrung dennoch ein wahrhaft einschneidendes Erlebnis.

Klettern bei Aufnahmen zum Film "Am Limit"

Angst ist ein ständiger Begleiter der Kletterer

Eine Seilschaft fürs Leben

Auch heute noch sind die Huber-Brüder gemeinsam in den Bergen unterwegs. Aber einiges hat sich verändert: Beide haben heute Familien und Kinder. Das Klettern bleibt ihre Passion, auch wenn sie viel Zeit auf Vortragsreisen verbringen und weniger in den Bergen unterwegs sind als früher.

Mittlerweile haben sie schon mehr als 1000 Vorträge weltweit gehalten, ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden. Auch wenn neue Generationen an Kletterern nachrücken und ihnen so manchen Rekord streitig machen – Thomas und Alexander Huber haben in der Szene über Jahrzehnte Maßstäbe gesetzt. Durch ihre Leistungen sowie unzählige Artikel zählen die Brüder zu den erfolgreichsten Bergsteigern unserer Zeit.

Thomas und Alexander Huber Arm in Arm

Sie zählen zu den erfolgreichsten Bergsteigern

Stand: 04.11.2014, 14:23

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