Die Besiedlungsgeschichte der Rocky Mountains

Oklahoma, 1889, Zeichnung

Rocky Mountains

Die Besiedlungsgeschichte der Rocky Mountains

Jahrtausende lang lebten die Ureinwohner der Rocky Mountains in enger Verbindung und im Einklang mit der Natur der rauen Bergwelt. Mit dem Erscheinen des "Weißen Mannes" begann prompt die Ausbeutung der Natur – erst durch Pelzjäger, dann durch die ersten Siedler und schließlich durch die zahlreichen Glücksritter während des Goldrauschs.

Darum geht's:

  • Jahrhundertelang durchzogen Indianerstämme das Gebiet der Rocky Mountains, immer auf der Suche nach Nahrung und Weideflächen.
  • Das nahm ein jähes Ende, als die weißen Siedler das Gebiet für sich beanspruchen wollten.
  • Der Oregon Trail eröffnete später den Weg gen Westen.

Die Ureinwohner der Rocky Mountains

In den Rocky Mountains liegen die Wurzeln der Inuit und zahlreicher Indianerstämme Nordamerikas. Eng verbunden mit der Natur lebten in der rauen Bergwelt unzählige Stammesgruppen wie die Arapaho, Bannock, Blackfoot, Cayuse, Flathead, Shoshonen und Ute-Indianer.

"Buffalo Hunt No.26", Gemälde, von Charles Marion Russell, 1899, Amon Carter Museum, Fort Worth.

Die Büffeljagd war Lebensgrundlage vieler Indianerstämme

Lange bevor die Weißen die Rocky Mountains entdeckten, durchzogen die Indianerstämme das unzugängliche Gebiet auf der Suche nach Weidegründen und Nahrung.

Die Bannock-Indianer, die zur uto-aztekischen Sprachfamilie zählen, lebten in Tipis (Zelten) auf den rauen Hochebenen der amerikanischen Rockies. Im Sommer ernährten sie sich vom Lachsfang, von der Jagd auf Großwild und von Beeren.

Im Herbst zog der Stamm der Bannock in die tiefer gelegenen Regionen wie das Yellowstonegebiet und die Prärien von Montana. Dort konnten sie den eisigen Wintern mit Hilfe der Büffeljagd trotzen.

Doch als die Bannock-Indianer 1867 von der US-Armee geschlagen wurden, mussten sie in das Reservat Fort Hall im heutigen US-Bundesstaat Idaho umsiedeln. Ein Schicksal, das fast alle in den Rocky Mountains lebenden Indianerstämme in der Mitte des 19. Jahrhunderts teilten.

Die junge, nach Westen expandierende Nation Amerika nahm die Gebiete der Indianer in Besitz und pferchte die Ureinwohner in rund 300 Reservaten zusammen. Das war auch das Schicksal der Blackfoot-Indianer.

Einst siedelten sie im Nordwesten der Prärien östlich der Rocky Mountains in der kanadischen Provinz Alberta. Die Schwarzfuß-Indianer lebten vor allem von der Pferdezucht und von der Jagd auf Bisons.

Noch heute kann man die steile Felskante bewundern, über die sie die Bisonherden schon vor über 6000 Jahren in den Tod trieben. Dieser Abgrund, der "Head-Smashed-In Buffalo Jump", gehört seit 1981 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Trapper und Handelskompanien

Der erste Weiße, der sich in die Rocky Mountains vorwagte, war der Spanier Francisco Vásquez de Coronado. Er entdeckte um 1540 die Ausläufer der südlichen Rockies in den heutigen US-Bundesstaaten New Mexico und Arizona.

Für lange Zeit blieb er der einzige Pionier – zu unwegsam waren die Gipfel und Täler der rund 4500 Kilometer langen Gebirgskette.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zog es die ersten französischen Trapper und "Mountain-Men" auf der Jagd nach Pelzen in die unberührte Wildnis des heutigen Kanadas. Bald hatte sich der Pelzreichtum dort herumgesprochen. In Europa waren Biberfelle und andere Luxuspelze sehr begehrt.

Eingangsbereich der Hudson's Bay Company in Winnipeg,Kanada.

Die Hudson's Bay Company exisitiert bis heute

Aus diesem Grund gründete das damals britisch beherrschte Kanada schon bald die legendäre "Hudson’s Bay Company", die später mit der "North West Company" vereint wurde. Dem Direktor dieser Pelzhandelsgesellschaft, dem Schotten Alexander MacKenzie, gelang 1793 die erste Überquerung der Rockies.

Die Amerikaner William Clark und Meriwether Lewis folgten knapp zehn Jahre später. Nach dem Landkauf von Louisiana im Jahr 1803 begann sich das junge Amerika langsam auch für den Westen seines Landes zu interessieren.

Lewis und Clark wurden mit einer wissenschaftlichen Expedition über die Rocky Mountains bis zur Pazifikküste beauftragt. Sie benötigten für ihre Reise mehr als zwei Jahre.

Über den Oregon Trail in den Westen der USA

Nach der Verkündung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 verdoppelte sich das Territorium der USA. Napoleon verkaufte 1803 das Gebiet zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains für nur 22,5 Millionen Dollar an die aufstrebende amerikanische Nation. Viele Amerikaner suchten im Westen eine neue Heimat, eröffnete sich doch hier die Chance, kostenlos Land zu erwerben.

Ihr Weg führte die Landsuchenden über den sogenannten Oregon Trail. Der erste organisierte Siedlertreck erreichte Oregon um 1842. Mehr als 3500 Kilometer mussten die Siedler mit ihren Planwagen und Viehherden in den Westen der USA zurücklegen. Der Weg führte durch endlose Steppen, Wüsten und durch die unwegsamen Rocky Mountains. Die einzige mit Planwagen befahrbare Route war die über den South Pass zum Snake oder Columbia River. Hunderttausende reisten auf dieser Siedlerroute.

Noch mehr Betrieb herrschte auf dem "Oregon Trail", als in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Goldfieber in Amerika ausbrach. 1858 hatten Goldsucher die ersten Goldstücke in den Rocky Mountains, im Bundesstaat Colorado, gefunden.

Schwarzweiß-Aufnahme dreier Goldgräber mit Waschpfanne auf der Suche nach Gold.

1858 machten Goldsucher den ersten Fund in den Rockies

Damit begann der größte "Goldrausch" in der Geschichte der USA. Mehr als 32 Millionen Goldsucher suchten ihr Glück in den Bergen der Rockies.

Kurze Zeit später begann der "Silverboom" in Colorado und es kamen noch mehr Menschen. Der legendäre Oregon Trail verlor erst seine Bedeutung, als 1869 die transkontinentale Eisenbahn fertiggestellt wurde. Sie erleicherte die Besiedlung des Westens erheblich.

Goldrausch am Yukon und Klondike River

Der sagenhafte Goldrausch setzte in Kanada erst ein halbes Jahrhundert später ein als in den USA. "Gold, Gold" titelten die Zeitungen 1897/98, als die ersten größeren Funde im Nordwesten Kanadas am Yukon und Klondike River gemacht wurden.

Auf der Suche nach dem schnellen Glück verließen auch hier tausende Menschen ihre Heimat. Doch der Weg zum Gold war lang und beschwerlich: Mit dem Dampfschiff ging die Reise zunächst nach Alaska und von dort stand den Goldsuchern eine lange und beschwerliche Wanderung durch die Rockies bevor.

Bergsteigergruppe beim Abstieg zum Lindeman See, Chilkoot Pass/Trail in British Columbia, Kanada.

Bei Bergwanderern beliebt: der Chilkoot-Pass

Viele scheiterten bereits an dem berüchtigten Chilkoot-Pass. Stück für Stück musste die mitgebrachte Ausrüstung über den Pass getragen werden. Für viele Goldsucher, insbesondere in den eisigen Wintern, eine Todesfalle.

Wer die restliche Strecke über den Yukon River bis zur Goldgräberstadt Dawson dennoch heil hinter sich brachte, dem war das Glück nicht gewiss. Die ersten Goldsucher hatten ihre Claims schon abgesteckt, sodass viele sich nur noch in den Saloons und Spielhöllen der Stadt trösten konnten.

Autorin: Sandra Kampmann

Stand: 09.06.2017, 12:50

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