Die Zugspitze schlägt zurück

Eine Schlechtwetterfront zieht über den Gipfel der Zugspitze hinweg

Zugspitze

Die Zugspitze schlägt zurück

Von Lothar Nickels

Die Zugspitze lockt jährlich eine halbe Million Besucher, die in der Region wandern, bergsteigen oder Ski fahren. Einigen von ihnen kann es nicht extrem genug sein. Dabei vergessen besonders Wintersportler und Kletterer manchmal, dass die Zugspitze ein gefährlicher Berg ist. Warnungen schlagen sie aus und überschätzen sich selbst. Wie beim Zugspitzlauf 2008, an dem etwa 600 Extremsportler teilnahmen. Zwei der Teilnehmer starben im Schneetreiben an Herz-Kreislauf-Versagen und Unterkühlung.

Gefahr durch Wetterumschwünge

Bei schöner Wetterlage mag man nicht glauben, dass der idyllische Berg zwischen Deutschland und Österreich durchaus ernst zu nehmende Gefahren birgt. Nicht selten ändert sich das Wetter von einer Minute auf die andere.

Der Grund dafür sind die Wetterfronten, die von Westen heranrücken. Denn die Zugspitze ist das erste Bollwerk, gegen das sie anrennen. Das Ergebnis sind heftige Wetterumschwünge. Wer davon überrascht wird, sollte gut vorbereitet sein und seine Grenzen kennen.

Beides war bei manchen Teilnehmern des Zugspitzlaufs im Sommer 2008 nicht der Fall. Auf 2052 Höhenmetern fiel die Temperatur schlagartig auf minus zwei Grad Celsius ab. Zusätzlich setzten Regen und Schnee ein, begleitet von einem eisigen Wind.

Die Läufer, nur bekleidet mit kurzen Trainingshosen und Trägerhemden, verloren schnell an Körpertemperatur. Sechs von ihnen erlitten schwere Unterkühlungen und hatten Glück, dass sie nicht umkamen. Für zwei Männer allerdings waren die Strapazen zu groß. Sie überlebten den Extremlauf bis zum 2962 Meter hohen Gipfel der Zugspitze nicht.

Experten wissen, dass Extremsportler häufig unbelehrbar sind. Die Jagd nach dem Adrenalinkick lässt sie übermütig und unvorsichtig werden. So waren auch die Teilnehmer beim Zugspitzlauf 2008 eigentlich vorgewarnt: Dass sich das Wetter verschlechtern könnte, wurde ihnen vor dem Start mitgeteilt – mit dem Hinweis, sich wärmere Kleidung anzuziehen.

Das kümmerte die wenigsten. Zu sehr waren sie von dem Ehrgeiz gepackt, den Weg zum Gipfel in möglichst kurzer Zeit hinaufzulaufen. Letztendlich dehydrierten sie und brachen erschöpft und unterkühlt zusammen. Der Lauf war ein trauriges Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.

Vier Läufer im Nebel an der Zugspitze

Teilnehmer beim Zugspitzlauf 2008

Gefahr durch Lawinen

Ein anderes verheerendes Beispiel für die Brutalität, mit der die Natur unerwartet an der Zugspitze zuschlagen kann, ist das Lawinenunglück von 1965. Schneemassen überrollten am 15. Mai das Schneefernerhaus und die Liftanlage am Zugspitzblatt.

Viele Helfer suchten damals nach den Verschütteten. Zehn Menschen starben, 21 wurden verletzt. Das Tragische daran: Die Opfer hatten sich nicht leichtsinnig in Gefahr begeben oder waren abseitige Pisten gefahren. Die Lawine begrub sie vielmehr unter sich, während sie auf der Hotelterrasse ihren Urlaub genossen.

Durch kontrollierte Sprengungen hätte diese Katastrophe vielleicht abgewehrt werden können. Zumindest ist das heute ein probates Mittel, mit dem man versucht, solche Unglücke zu verhindern. Die entstehende Druckwelle löst den Neuschnee aus der Felswand, der dann gefahrlos abrutschen kann. Damit ist der Hang gesichert.

Als Konsequenz aus dem damaligen Unglück führte das Land Bayern 1967 einen zentralen Lawinen-Warndienst ein. Er verzeichnet sämtliche Lawinenabgänge und trifft Vorhersagen über mögliche Gefahren. Seitdem gab es in den überwachten Gebieten keinen tödlichen Lawinenunfall mehr.

Abseits der Pisten kommen jedoch immer wieder Menschen ums Leben. Meistens sind es unerfahrene Skiläufer, die sich nichts dabei denken, wenn sie eine abgesperrte Piste verlassen. Oder aber verantwortungslose Menschen, die einen fragwürdigen Nervenkitzel suchen.

Männer der Bergwacht suchen im Pistenbereich des Schneeferners auf der Zugspitze mit Sonden nach Verschütteten.

Lawinenabgänge fordern immer wieder Opfer

Diese Spezies findet sich auch gerne unter Kletterern. Ohne entsprechende Ausrüstung und Berg-Erfahrung begeben sie sich auf Touren, denen sie nicht gewachsen sind. Manchmal führt das zu tödlichen Unfällen.

Besonders der Weg durch das Höllental ist gefährlich: Hier hat der Gletscher sehr viele Spalten, die bis zu 50 Meter tief sind. Größte Umsicht ist geboten. Insgesamt dauert es sieben Stunden, bis der Gipfel erreicht ist. Eine Anstrengung, die höchste körperliche und psychische Präsenz erfordert.

Stand: 14.05.2018, 14:28

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