Exotische Nutztiere – Die Spezialisten kommen

Haustiere

Exotische Nutztiere – Die Spezialisten kommen

In Deutschland kann man kaum seinen Augen trauen, wenn man plötzlich Wasserbüffel und Straußenvögel sieht. Warum sie hier sind und wie sie mit unserem Klima klarkommen…

Exotische Nutztiere können nicht mehr als unsere heimischen Tiere, aber sie haben spezielle Eigenschaften, weshalb sich ihr Einsatz hierzulande lohnt: Der Wasserbüffel zum Beispiel suhlt sich im Gegensatz zu Rindern gerne in schlammigem Gelände und erzeugt damit Tümpel, die wiederum andere Tierarten als Biotop nutzen. In einem sumpfigen Naturschutzgebiet in Oberneukirchen bei Mühldorf am Inn, Bayern, erhält er damit zum Beispiel den Lebensraum der stark gefährdeten Gelbbauchunke.

Gelbbauchunke

Der Wasserbüffel hilft der Gelbbauchunke zu überleben

Wasserbüffel und Yaks sind tierische Rasenmäher in schwer zugänglichem Gelände, wie Almen. Yaks, Bisons und Vogel Strauße macht ihr mageres Fleisch interessant. Lamas eignen sich als Therapie-Tiere, weil sie zurückhaltender sind als Hunde und nicht so groß wie Pferde.

Verdrängen Exoten einheimische Tiere?

Nicht die Exoten verdrängen einheimische Tierarten. Das haben schon moderne Züchtungen von Rind, Schwein und Hühnchen erledigt, die allein auf Höchstleistungen getrimmt wurden. Auf der Strecke geblieben sind dabei alte heimische Rassen wie das Schleswiger Kaltblutpferd, das Angler Sattelschwein oder das Rote (Mangalitza) Wollschwein. Viele der bedrohten Nutztierrassen werden im Tierpark "Arche Warder" in Schleswig-Holstein gehalten. Einem europaweit einzigartigen Hort alter Nutztierrassen.

Spezialisten statt Generalisten

Exotische Nutztiere können auch in Deutschland artgerecht gehalten werden, wenn sich Landwirte über deren Bedürfnisse informieren. Studiogast Uschi Braun, Besitzerin einer Straußenvogel-Farm, reiste mehrfach für mehrere Wochen nach Simbabwe, um sich über die Straußen-Zucht zu informieren.

"30 bis 40 Jahre der Haltung hier bei uns haben bewiesen, dass es möglich ist, hier exotische Tiere zu halten. Man muss sehr darauf achten, bei der Haltung, bei der Ernährung, dass man das artgerecht macht und dass man den Bedürfnissen der Tiere entgegenkommt. Man muss Schutzhütten bauen. Man muss entsprechendes Futter haben, aber es geht durchaus."

Professor Hans-Hinrich Sambraus, Zoologe, Verhaltensforscher und Tierarzt

Professor Hans-Hinrich Sambraus auf der Pirsch

Der Zoologe, Verhaltensforscher und Tierarzt Professor Hans-Hinrich Sambraus ist weit herumgekommen in der Welt: Mongolei, Kenia, Namibia, Israel, Brasilien. Dabei hat er viele exotische Nutztiere kennengelernt. In Deutschland setzt er sich für alte und gefährdete Haustierrassen ein.

Professor Hans-Hinrich Sambraus auf der Pirsch

Professor Hans-Hinrich Sambraus in der Mongolei. Der Zoologe bekam ein eigenes Zelt.

Professor Hans-Hinrich Sambraus in der Mongolei. Der Zoologe bekam ein eigenes Zelt.

Sambraus auf dem Rücken eines Wasserbüffels. Die Tiere sind nicht immer so friedlich, wie sie aussehen. Einmal wurde der Verhaltensforscher von einem Wasserbüffel-Bullen gejagt.

Der Zoologe reitet auf einem Kamel, erkennbar an den zwei Höckern. Hat's nur eins, nennt man das Tier Dromedar oder Trampeltier.

Professor Hans-Hinrich Sambraus beobachtet Straußenvögel in Israel.

Und manchmal fotografiert er auch Ziegen.

Fazit

Exoten bedrohen heimische Arten nicht - auch nicht durch ihre einzigartigen Eigenschaften . Die heimische Artenvielfalt ist vielmehr durch Hybrid-Züchtungen gefährdet. Nur wenn Landwirte und Verbraucher auf Qualität statt Quantität setzen, können vom Aussterben bedrohte alte heimische Nutztierrassen überleben - wertvolle Spezialisten, die auch an schwierige Lebensbedingungen optimal angepasst sind.

Autorinnen: Tanja Fieber, Iris Rietdorf

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Stand: 08.11.2016, 12:25

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