Interview mit der Wanderschäferin Ruth Häckh

Schäferei

Interview mit der Wanderschäferin Ruth Häckh

Mit der Wirtschaftlichkeit der heutigen Schäferei hat sich auch unser Gast, die Wanderschäferin Ruth Häckh, beschäftigt. Im Interview zeigt sie anhand von ein paar Beispielen auf, was sie als Wanderschäferin dabei bewegt.

Planet Wissen: Frau Häckh, es gibt immer weniger Wanderschäfer. Einer der Hauptgründe ist die fehlende Wirtschaftlichkeit. Wie hat sich Ihr Betrieb entwickelt?

Ruth Häckh: Als mein Betrieb noch in der Aufbauphase war, habe ich als Schwäbin meinen Haushalt immer sehr sparsam geführt. Dennoch war das Geld immer knapp. Wie konnte das sein? Also habe ich angefangen, alles penibel aufzuschreiben. Alle Einnahmen und Ausgaben, privat und für den Betrieb.

So habe ich im Laufe der Zeit meinen Betrieb immer optimaler organisiert, doch irgendwann war auch hier alles ausgereizt. Wenn zum Beispiel pro verkauftem Lamm abzüglich der Unkosten nur zehn Euro übrig bleiben, können durch eine weitere Steigerung der Lämmerproduktion, vor allem angesichts des immensen Arbeitsaufwandes und der hohen Unkosten, auch keine großen Sprünge gemacht werden. Zugleich sind die Fördergelder gesunken.

Was für Fördermöglichkeiten gibt es für Schäfer?

Ruth Häckh mit Schäferstab und ihren Schafen auf einer Weide.

Ruth Häckh unterwegs mit ihrer Schafherde

1994, also vor 20 Jahren, gab es in Baden-Württemberg auch schon ein Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleichsprogramm (Meka). Pro Hektar habe ich damals 200 Mark bekommen, heute sind es noch 150 Euro. Zudem gab es einen Einkommensausgleich nach dem Gesetz zur Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft mit 90 Euro für´s Hektar.

Heute gibt es ein Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien. Überall sieht man Photovoltaikanlagen, und die Biogasanlagen schießen wie Pilze aus dem Boden. Schafherden verschwinden jedoch zunehmend aus der Landschaft. Mit der Mutterschafprämie wurden sie gezielt gefördert. Umgerechnet über den Viehbesatz waren das über hundert Euro pro Hektar. Sie wurde in Raten ausbezahlt, sodass es weniger finanzielle Engpässe gab.

Zudem gab es eine Förderung der extensiven Weidenutzung mit hundertfünfzig Euro pro Hektar. Heute gibt es eine Betriebsprämie, mit der intensive Maismonokulturen zum Füttern von Biogasanlagen genauso gefördert werden wie eine nachhaltige Viehwirtschaft auf extensiven Standorten.

Wie viel verdient denn man denn heute als Schäfer noch?

Ruth Häckh steht im Eingang eibnes Schäferwagens, der auf einer Wiese steht.

Der Schäferwagen als fahrbares Heim des Schäfers

Die Arbeitszeit ist ein weiterer wichtiger Punkt. Jeder von uns weiß ja selber, wie viel er arbeitet. Seit dem Schafreport gibt es offizielle Zahlen. Es wurden durchschnittlich 3500 Stunden pro Jahr ermittelt, das sind fast zehn Stunden am Tag, bei sieben Tagen die Woche. Jemand, der eine 40-Stunden-Woche hat, kann sich das kaum vorstellen, dass wir am Donnerstagmorgen zur zweiten 40-Stunden-Runde ansetzen.

Der durchschnittliche Stundenlohn beträgt 4,85 Euro. Dabei ist die Hütearbeit nur der sichtbare Teil der Arbeit, um einen Schäfereibetrieb zu führen. Für Außenstehende scheint der Schäfer nur rumzustehen, auf seine Schippe gelehnt. Es wird nicht bedacht, dass er das auch muss, wenn das Wetter schlecht ist, und sonst niemand freiwillig vor die Türe geht, ebenso an Sonn- und Feiertagen, wenn andere Zeit mit ihrer Familie verbringen. Und auch dann, wenn ihm vielleicht gar nicht gut ist, und ein jeder Arbeitnehmer schon längst einen gelben Schein vom Arzt geholt hätte.

Dass Hüten Arbeit ist, kann man sich vielleicht am ehesten vorstellen, indem man bedenkt, wie schwierig es oft für einen Hundehalter ist, einen Hund bei Fuß und unter Kontrolle zu halten. Der Schäfer dirigiert zwei Hunde, oft auf mehrere hundert Meter Entfernung sehr präzise und hat dabei noch alle seine Schafe im Auge. Das ist wie beim Seiltänzer: Nicht alles ist einfach, was einfach aussieht.

Bei einem geforderten Mindestlohn von 8,50 € Euro ist es auch fast nicht mehr möglich jemand anzustellen. Soll ich als Betriebsleiter und Meister mit langjähriger Erfahrung für 4,85 Euro arbeiten, und meiner Aushilfe gebe ich 8,50 € Euro?

Interview: Catharina Clausen

Stand: 21.02.2015, 11:30

Darstellung: