"Hobos" – Bienenforschung für alle

Ein Honigbienen-Drohn schlüpft aus seiner Zelle.

Bienen

"Hobos" – Bienenforschung für alle

Von Sebastian Rams und Inka Reichert

Der Mensch kann von der Honigbiene noch allerhand lernen. Als Vorbild dienen nicht nur ihr Fleiß und perfekt organisierte Staatenbildung, sondern auch das altruistische Verhalten der Bienen. Um ihre Faszination der Bienenwelt mit anderen zu teilen, haben Forscher der Würzburger BEEgroup das weltweite Internet-Projekt "Hobos" für Schulen entwickelt.

Die Nutzer erforschen die Bienen

Damit Wissen haften bleibt, müssen Erkenntnisse selbst gewonnen werden. Da ist sich der Bienenforscher Jürgen Tautz von der Universität Würzburg sicher. "Die Menschen werden täglich mit neuen Informationen bombardiert, so dass man sich bemühen muss, Wissen nicht nur verständlich zu vermitteln, sondern auch echtes Interesse zu wecken."

Tautz entwickelte die Idee einer internetbasierten Lehr- und Lernplattform und gründete "Hobos" (Honey Bee Online Studies). Wer hier etwas über Bienen erfahren will, muss erst selbst zum Forscher werden.

Bienen auf Honigwaben.

Forschungsobjekt Honigbiene

Vom Schüler über den Wissenschaftler bis zum Imker können Interessierte den Bienenstock an der Universität Würzburg per Webcam selbst beobachten, Messdaten aufzeichnen und in einem Lexikon Erklärungen für das Verhalten der Bienen nachschlagen.

Auf dem Forschungsgelände der Universität befindet sich dafür ein fest installierter Bienenstock, der rund um die Uhr von Webcams überwacht wird – unter anderem von einer Wärmebildkamera.

Zusätzlich ist die Bienenbehausung mit moderner Technik ausgestattet, die permanent Informationen über Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Kohlendioxidgehalt und vieles mehr misst. Die ermittelten Daten können übers Internet in Diagrammen betrachtet und für den Unterricht verwendet werden.

Lernen weltweit

An den Versuchsreihen nehmen mittlerweile Schulen aus Europa, Südafrika und China teil. Das Projekt will Menschen weltweit für die biologische und ökonomische Bedeutung der Honigbiene sensibilisieren. So ist etwa in manchen Regionen Chinas die Biene bereits ausgestorben.

Die Folge: Mittlerweile sitzen dort ganze Familien in den Obstbäumen, um die Blüten von Hand zu bestäuben. Das ist allerdings kaum möglich – ein einziges Bienenvolk fliegt an einem gewöhnlichen Arbeitstag mehrere Millionen Blüten an.

Bienenforscher Jürgen Tautz hält Bienenwabe in der Hand.

Die Biene: ein ideales Lernobjekt in Schulen

Den Projektgründern geht es nicht nur darum, dass Wissen nachhaltig haften bleibt, auch die Inhalte seien entscheidend. "Die Welt häuft immer mehr Erkenntnisse an, aber die Probleme werden eher mehr statt weniger", kritisiert Tautz. Schuld daran sei vor allem das Bildungssystem. "Schon in der Schule lernen die Kinder, dass Mathematik zu Mathematik gehört und Physik in die Physik".

Durch dieses Schubladendenken fehle an vielen Stellen das Heranführen an komplexe Systeme und damit die Einsicht, dass alles in der Welt miteinander zusammenhängt. Jeder Mensch sei, wie eine Biene im Bienenstaat, Teil eines Ganzen, betont der Wissenschaftler.

Um dieser Forderung gerecht zu werden und die Integration unterschiedlicher Wissensbereiche auch praktisch umzusetzen, bietet die Internetplattform Hobos nicht nur Lerninhalte über die Biologie der Honigbiene. Anhand des gestreiften Insekts wird zugleich auch physikalisches, chemisches und sogar mathematisches Wissen vermittelt, etwa warum die Waben im Bienenstock sechseckig sind.

Demnach vereint eine sechseckige Wabe zwei mathematische Eigenschaften in Perfektion: Sie ergibt ein lückenloses Muster und kann gleichzeitig eine Menge Honig speichern. "Die Biene ist perfekt geeignet für fachübergreifende Projekte, weil sie als Schlüsselorganismus in der Natur viele Bereiche des Lebens verknüpft", betont Tautz.

Im Sinne der Honigbienen

Letztendlich soll das Hobos-Projekt natürlich auch der Honigbiene selbst zugute kommen. Das Bienensterben bedroht weltweit ihren Fortbestand. Zudem sinkt die Zahl der Imkereien, die Honig produzieren.

Auch die Bestäubungsleistung der Bienenvölker nimmt ab, die weder durch den Menschen noch durch technische Anlagen ersetzt werden kann. Die Kosten, die dadurch entstehen, betragen mehrere Milliarden Euro. Die Mitglieder der BEEgroup hoffen daher, dass Hobos die Menschen für die Honigbiene sensibilisiert.

Stand: 03.11.2017, 10:00

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