Palmöl-Alternativen – Warum sie auch nicht besser sind

Acrocomia – Öl der Zukunft? Planet Wissen 02.09.2019 03:32 Min. Verfügbar bis 02.09.2024 ARD-alpha

Regenwald

Palmöl-Alternativen – Warum sie auch nicht besser sind

Palmöl ersetzen, Problem gelöst? So leicht ist es leider nicht. Sofort und ganz auf Palmöl zu verzichten, wird schwierig. Auch die Alternativen verursachen Probleme. Was tun?

Alternative zum Palmöl könnte Öl aus Soja oder aus Kokospalmen sein. Der größte Nachteil dieser Alternativen ist jedoch, dass Soja und Kokosnuss längst nicht so ertragreich sind. Würden mehr Soja oder mehr Kokospalmen angebaut, würde also noch mehr Fläche verbraucht als durch die Ölpalm-Plantagen. Zudem würden die CO2-Emissionen steigen.

Auch die Lage der Arbeiter würde sich nicht unbedingt verbessern. Auf Soja- oder Kokosnussöl umzusteigen, löst das Problem also nicht, sondern verlagert es nur. Den Teufelskreis aus Lebensraumverlust für Mensch und Tier sowie Umweltverschmutzung hält das nicht auf.

Vergleich: Ertrag der unterschiedlichen Öle

Wofür in Deutschland am meisten Palmöl verbraucht wird

  • 41 Prozent des Palmöls in Deutschland fließen in die Energieerzeugung (Stromerzeugung, Zusatz im "Bio"-Diesel).
  • 40 Prozent werden in Lebensmitteln wie Margarine, Schokolade und Fertiggerichten verwendet.
  • 17 Prozent gehen in die industrielle Verwendung (Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetika, Weiterverarbeitung in Chemie- und Pharma-Industrie).

Quelle: WWF, https://blog.wwf.de/palmoel-studie/

Was die Lage verbessern könnte

  • Wenn schon Palmöl, dann wenigstens Bio-Palmöl! Der Preis ist etwa dreimal so hoch, aber auch die Umweltzerstörung hat ihren Preis - und der ist noch gar nicht absehbar.
  • Weniger Palmöl! Für uns Verbraucher heißt das: Weniger Fertiggerichte kaufen, besser frisch kochen. Weniger Produkte mit Palmöl kaufen: Schoko-Creme und viele Schokoladensorten bekannter Marken enthalten zum Beispiel besonders viel Palmöl. Weniger Fleisch essen, da Palmöl auch im konventionellen Viehfutter steckt. Weniger Autofahren: Stattdessen den Nahverkehr, umweltfreundliche Transportsysteme oder das Fahrrad nutzen.
  • Unternehmen sollten sich wenigstens an den Mindeststandard des RSPO-Siegels halten und ihre Produkte überprüfen: Wo muss Palmöl zwingend enthalten sein und wo kann man darauf verzichten?
  • Ein großer Teil des Palmöls wird in der "Bio"-Sprit-Produktion verbraucht. Ein Problem, das nur gesamtgesellschaftlich und international gelöst werden kann. Die Umweltorganisationen WWF plädiert dafür, statt Palmöl altes Fett zu verwenden. Nachhaltig wäre es, in die Entwicklung von umweltfreundlichen (Nah-)Verkehrssystemen und umweltfreundlichen Autos/Fahrzeugen zu investieren. Das EU-Parlament fordert die EU-Kommission im April 2017 mit einer Resolution auf, bis zum Jahr 2020 die Beimischung von Palmöl in Kraftstoffe zu verbieten.

Acrocomia: Öl der Zukunft?

Herkömmliche Öle sind bisher kein gleichwertiger Ersatz für Palmöl. Das Öl der Acrocomia-Palme könnte es vielleicht einmal sein. Die Acrocomia Palme hat ganz ähnliche Früchte wie die afrikanische Ölpalme.

Ihr großer Vorteil: Sie wächst nicht nur in feuchten, tropischen Gebieten entlang des Äquators, sondern auch in den trockeneren, subtropischen Regionen von Florida bis Argentinien. Deswegen könnte sie helfen, den weltweiten Hunger nach Pflanzenöl zu stillen, ohne dass tropischer Regenwald vernichtet werden muss. Bislang ist die Acrocomia jedoch noch nicht so ertragreich wie die Ölpalme.

Tenside aus europäischen Ölen?

Einen anderen Weg geht die Firma Werner und Mertz. Sie versucht, Tenside aus europäischen Ölen - Raps und Sonnenblume - statt aus Palmkernöl herzustellen. Ein sehr aufwändiges, aber nachhaltiges Unterfangen:

"Es ist einfach etwas anderes. Man kann ein Palmkernöltensid nicht vergleichen mit einem Tensid, das aus einem europäischen Pflanzenöl basiert. Das heißt, sie müssen sich jede Rezeptur einzeln anschauen und müssen gewisse Stabilisierungsmaßnahmen ergreifen."

Dr. Edgar Endlein, Werner und Mertz GmBH, Mainz

Autorinnen: Tanja Fieber/Jutta Henkel

Stand: 22.01.2018, 12:24

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