Hoher Palmölverbrauch – Warum das schlecht ist

Palmöl-Produktion – Ausbeutung und Umweltzerstörung Planet Wissen 02.09.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 02.09.2024 ARD-alpha

Regenwald

Hoher Palmölverbrauch – Warum das schlecht ist

Der Anbau und die Produktion von konventionellem Palmöl erfolgen unter umweltschädlichen und meist unsozialen Bedingungen. Was das Öl trotzdem so beliebt macht …

Palmöl wird aus der Ölpalme gewonnen. Die Pflanze wird seit mehr als 100 Jahren systematisch auf höhere Erträge gezüchtet und ist heute die wichtigste und ertragreichste Ölpflanze der Erde.

Inzwischen wird sie fast überall in den Tropen entlang des Äquators angebaut – dort, wo sich die für das Klima wichtigen Regenwälder befinden. Riesige Flächen davon werden für die Ölpalm-Plantagen gerodet.

Warum Palmöl so begehrt ist

Die Vorzüge des Palmöls sind der Grund für den Boom: Palmöl ist vielseitig einsetzbar, geschmacksneutral, schmilzt erst bei hohen Temperaturen und wird nicht so schnell ranzig wie andere Öle.

Dazu ist es billig, weil die tropische Ölpalme schnell wächst und im Vergleich zu Soja – der weltweit zweitwichtigsten Ölfrucht – bezogen auf die Anbaufläche zehnmal so viel Ertrag liefert.

Wo steckt Palmöl drin?

Das rötliche Öl aus dem Fruchtfleisch lässt sich sehr gut verarbeiten, bei Zimmertemperatur hat es eine cremige Konsistenz. Daher muss es nicht künstlich gehärtet werden. So ist es ideal für die Lebensmittelindustrie und wird zum Beispiel in vielen Fertigprodukten eingesetzt. Aber auch Biodiesel enthält Palmöl.

Das helle Öl aus dem Kern, das Palmkernöl, dagegen nutzt vor allem die chemische Industrie: Palmkernöl findet sich in vielen Reinigungsmitteln und in Kosmetikprodukten wie Lippenstift und Hautcreme. Seit 2014 muss Palmöl in Lebensmitteln deklariert werden, Palmkernöl in Waschmitteln und Kosmetika jedoch nicht. Dort ist es unter etwa 80 verschiedenen Namen zu finden.

Waldvernichtung mit dramatischem Ausmaß

Laut der Umweltorganisation Greenpeace wird jede Stunde eine Urwaldfläche in der Größe von 100 Fußballfeldern abgebrannt und gerodet, um darauf Ölpalmen anzubauen. Seit 1975 sind die Anbauflächen für Palmöl-Plantagen um das Fünffache gestiegen. Über 80 Prozent davon liegen in Indonesien und Malaysia.

Noch vor 40 Jahren war Indonesien fast vollständig mit Regenwald bedeckt. Heute ist bereits die Hälfte der Waldfläche gerodet. Wertvoller Lebensräum ist damit für immer verloren gegangen – für Sprit, Brotaufstriche, Schokolade, Putzmittel und Hautpflegeprodukte.

Ausbeutung und Umweltzerstörung

Die Fruchtbüschel der Ölpalme sind etwa 50 Kilogramm schwer. Sie zu ernten, ist Knochenarbeit! Bezahlt wird meist nicht nach Stunden, sondern nach Quoten. Bis zu 1.500 Kilogramm am Tag müssen die schlecht bezahlten Arbeiter tragen. Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von schweren Vergiftungen durch Pestizide.

Auch die weitere Verarbeitung in der Ölmühle ist oft umweltschädlich. Abwässer und Abfälle gelangen meist ungeklärt in die Umwelt. Obwohl es weltweit Proteste gegen den Raubbau gibt, geht der Plantagenausbau ungebremst weiter – besonders in Indonesien.

Das RSPO-Siegel

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Qualitätssiegeln für Palmöl. Das in Deutschland bekannteste Siegel ist das RSPO. Dieses Zertifikat soll belegen, dass die in den Anbauländern geltenden Gesetze für Umwelt- und Arbeitsschutz eingehalten werden. Ein freiwilliger Mindeststandard, an den sich bisher nicht viele Unternehmen halten.

Autorinnen: Tanja Fieber/Jutta Henkel

Stand: 22.01.2018, 12:30

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