Methanhydrat

Plankton unter dem Mikroskop

Energie aus dem Meer

Methanhydrat

Von Michael Ringelsiep

Leser von Frank Schätzings Roman "Der Schwarm" kennen es, denn dort spielt Methanhydrat eine wichtige Rolle. Methanhydrat ist brennbares Eis, das in mehr als 500 Metern Tiefe auf dem Meeresboden lagert. Dort bildet es sich bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck durch Verwesung von Plankton und Algen aus Methangas und Wasser. Schmilzt Methanhydrat, werden aus einem Liter Eis bis zu 163 Liter Gas freigesetzt.

Energie der Zukunft?

Bei geschätzten zwölf Trillionen Tonnen Methanhydrat ist dort mehr als doppelt so viel Kohlenstoff gebunden wie in allen Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorräten der Welt. Optimisten sehen in dem brennbaren Eis daher schon die Energiequelle der Zukunft.

Da Methangas sauberer verbrennt als Erdöl und Kohle, könnte ein Umstieg den Treibhauseffekt verlangsamen. Länder wie Indien, Japan und China entwickeln darum auch schon Pläne zum Abbau von Methanhydrat.

Technisch allerdings ist das gar nicht so einfach. Denn wenn man versucht, Methanhydrat an die Meeresoberfläche zu bringen, zersetzt es sich mit abnehmendem Druck und steigender Temperatur. Am aussichtsreichsten scheint es daher, das Eis bereits am Meeresboden zu schmelzen und das frei werdende Methan direkt aufzufangen.

Bodenschätze am Meeresboden 03:04 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Gefährliche Kettenreaktion?

Andere Experten stehen dem Abbau von Methanhydrat skeptisch gegenüber. Es sei unklar, wie groß die Mengen an förderbarem Methanhydrat weltweit sind. Und es sei schwierig, die Gasreservoire zu erkunden und so herauszufinden, ob ein Gebiet eine lohnenswerte Lagerstätte ist.

Klimaforscher befürchten zudem, mit dem Abbau von Methanhydrat werde die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen auf lange Zeit fortgesetzt. Zudem, so ihre Sorge, könnte der Abbau eine Kettenreaktion in Gang setzen, die geradewegs in den Klimakollaps führt.

Denn beim Abbau der Methanhydratfelder werden zwangsläufig erhebliche Mengen von Methan direkt in die Atmosphäre gelangen und dort als Treibhausgas gut 20-mal stärker wirken als CO2. Das könnte den Wärmehaushalt der Weltmeere verändern, so dass das restliche Methanhydrat am Meeresboden instabil wird. Weiteres Methan würde folglich in die Atmosphäre gelangen – eine sich selbst beschleunigende Spirale.

Hinweise aus ferner Vergangenheit

Befürworter des Abbaus beruhigen: Bisher betreffe eine Erwärmung der Meere nur die obersten Wasserschichten. Zudem würden im Ernstfall zunächst die Polkappen schmelzen. Dadurch aber würde der Meeresspiegel steigen und damit auch der hydrostatische Druck auf das Hydrat in der Tiefe zunehmen, so dass sich das System selbst stabilisieren werde.

So ganz beruhigen kann diese Perspektive jedoch nicht. Denn was geschieht, so die Skeptiker, wenn sich durch die Erwärmung der oberen Wasserschichten warme Meeresströmungen wie der Golfstrom verlagern und dabei die Methanhydratfelder berühren?

Genau dies scheint vor 55 Millionen Jahren schon einmal geschehen zu sein. Damals kam es zu einer weltweiten Erwärmung der Atmosphäre. In den gleichen Gesteinen finden Geologen heute Belege für einen schnellen Anstieg des Methangehaltes der Luft.

Eisberge

Konsequenzen für die Polkappen?

Stand: 04.10.2018, 10:30

Darstellung: