Fisch-Siegel

Grafik mit den jeweiligen Siegeln von Bioland, MSC, ASC und Naturland.

Überfischung der Meere

Fisch-Siegel

Von Joachim Meißner/Inka Reichert/Vladimir Rydl

Frischer Fisch ist lecker!  Doch welchen kann ich heute kaufen und auch mit guten Gewissen essen? Bevorzugen sollte man auf jeden Fall nachhaltig gefangenen Fisch. Orientierung für den Einkauf sollen Siegel geben – doch wie verlässlich sind sie?

Das MSC-Siegel

Der Marine Stewardship Council (MSC) zertifiziert über sein Expertengremium Meeresprodukte aus nachhaltiger Fischerei. Das Logo findet sich mittlerweile auf vielen Produkten im Supermarkt, etwa auf den Packungen von Räucherlachs und Fischstäbchen.

Das Siegel ist auf Initiative des Lebensmittelkonzerns Unilever und der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) entstanden. Das Logo dürfen dem MSC zufolge nur jene Betriebe auf die Verpackung drucken, die drei Standards erfüllen: Der Fischbestand darf nicht überfischt werden, es muss ein gutes Nachhaltigkeitsmanagement geben und das Ökosystem des Meeres soll nicht beschädigt werden.

Allerdings ist das Siegel in letzter Zeit in die Kritik geraten. 66 Organisationen und Wissenschaftler mahnten im Januar 2018 in einem offenen Brief an, die Vorgaben für eine Zertifizierung seien nicht streng genug. Der MSC müsse seinen Zertifizierungsprozess und die Standards dringend überarbeiten und verbessern, um noch ein verlässliches Siegel zu sein.

Rainer Froese, Fischbiologe am Kieler Geomar-Institut, kritisiert, dass Fischereien das MSC-Siegel bekämen, die mit der schon lange in der Kritik stehenden Fangmethode "Grundschleppnetz"  arbeiteten. Eine Methode, die, so der Wissenschaftler, "den Meeresboden in eine Schlammwüste verwandelt und dabei auch die Kinderstube der Fische zerstört."

Der MSC zeigt sich offen für diese Diskussion, es bleibt abzuwarten, ob und wann die Forderung der Kritiker auf Nachbesserung erfüllt werden.

Scholle mit ihren typisch orangen Punkten

Der Fang von Plattfischen verursacht viel Beifang

Das ASC-Siegel

Für die Fischzucht gibt es unter anderem das Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC). Nach eigenen Angaben dieses Expertengremiums ist das ASC-Siegel das weltweit führende Gütesiegel für Zuchtfisch. Dieses legt Sozial- und Umweltstandards für konventionell bewirtschaftete Aquakulturen fest. Angelehnt an das MSC-Siegel, hat auch hier der WWF mitgewirkt.

ASC-Siegel für nachhaltige Aquakultur

ASC-Siegel für nachhaltige Aquakultur

Der ASC prüft in seinem Standard mehrere Kernthemen ab. Zu den Hauptpunkten gehören laut Philipp Kanstinger, der beim WWF für das ASC-Siegel verantwortlich ist:

  • ökologische Naturschutzaspekte wie zum Beispiel, dass das Futter aus nachhaltigen Quellen kommt, dass nicht zu viel Futter verwendet wird, dass der Medikamenteneinsatz reduziert wird und dass nicht zu viele Abwässer in das umliegende Ökosystem einfließen.
  • Sozialstandards, ob die Arbeiter auf  den Zuchtfarmen Verträge haben und eine anständige Bezahlung erhalten.
  • Über die Qualität des Fisches und über die Verwendung von Ethoxyquin, das dem Fischfutter als Konservierungsmittel beigefügt wird, trifft das Siegel keine Aussage. Da, so Philipp Kanstinger vom WWF, vertraue der ASC auf die europäische Rechtsprechung und Lebensmittelsicherheit.

Das Siegel ziele auf eine Kompromisslösung am Massenmarkt ab, heißt es seitens der Umweltorganisation. Gentechnisch verändertes Soja als Futter sei so beispielsweise erlaubt, da dieses in nahezu jeder konventionellen Zuchtfarm zum Einsatz komme. Wer lieber auf Gentechnik verzichtet, sollte daher aufs Bio-Siegel achten.

Das Bio-Siegel

Seit 2010 gibt es ein EU-weit eingeführtes Bio-Siegel, das gemäß EU-Recht hergestellte biologische Lebensmittel kennzeichnet, darunter fallen auch Fischprodukte aus Aquakultur. Bioland und Naturland vergeben eigene Bio-Siegel. Die Fische mit diesen Siegeln werden häufig als "bio" gekennzeichnet und heißen etwa "Bio-Lachs" oder "Bio-Karpfen". Naturland und Bioland legen nach eigenen Angaben Wert auf eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen – in ökologischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht.

Das EU-Bio-Logo kennzeichnet keine Erzeugnisse der Fischerei wildlebender Tiere, sondern nur Fischprodukte aus ökologischen Aquakulturbetrieben, die den Standards zur ökologisch-biologischen Bewirtschaftung der Europäischen Union entsprechen. Die Europäische Kommission garantiert unter anderem,  eine artgerechte Haltung, eine stark begrenzte Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen und strikte Regeln für die Verwendung von Antibiotika. Dennoch sind die EU-Richtlinien weit weniger streng als die von Naturland oder Bioland.

Das EU-Bio-Logo.

Das EU-Bio-Logo zertifiziert nur Fischprodukte aus nachhaltiger Aquakultur

Naturland

Naturland arbeitet mit zwei Bio-Siegeln. So vergibt der Verband eine Zertifizierung für Öko-Aquakultur. Hierbei wird besonders darauf geachtet, dass neben den pflanzlichen Futterbestandteilen aus Öko-Landwirtschaft Fischmehl und -öl im Futter aus der Verarbeitung von Speisefischen kommen, um marine Ressourcen zu schonen. Fischerei nur für Fütterungszwecke soll so vermieden werden. Außerdem verzichten Naturland Aquakultur-Betriebe auf Gentechnik und chemische Zusätze und achten auf geringere Besatzdichten für viele Fisch- und Shrimpsarten.

Mit dem Naturland Wildfisch Siegel für nachhaltigen Fischfang ist eine Zertifizierung für handwerkliche Binnen- und Meeresfischereien verbunden. Die Vergabe des Siegels ist u.a. gebunden an den Verzicht auf kritische und umweltschädigende Fangmethoden (z.B. Grundschleppnetze) sowie die Vermeidung bzw. Minimierung von Beifang. Geachtet wird auch auf Sozialstandards für Fischer.

Das Naturland Wildfisch Siegel.

Neben der Zertifizierung für Aquakultur gibt es noch ein eigenes Naturland Siegel mit dem Zusatz "Wildfisch"

Ratgeber für Fisch an der Theke

Obwohl immer mehr Produkte mit solchen Zertifikaten auf den Markt kommen, bleibt dem Fischfreund oftmals keine andere Wahl als der Gang zur Fischtheke. Wer hier nicht völlig ahnungslos zugreifen möchte, findet beim WWF und bei Greenpeace Unterstützung. Beide geben sogenannte "Fischführer" heraus, die dem Käufer wichtige Informationen zu den beliebtesten Fischarten vermitteln. Sie informieren unter anderem auch darüber, ob er aus ökologisch unbedenklichen Fanggebieten kommt. Man sollte allerdings darauf achten, ob die Ratgeber aktuell sind.

Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Fisch kaufen

Ist der Fisch frisch, hat er klare, glänzende Augen. Sind diese glasig oder eingesunken, so ist das ein Hinweis darauf, dass der Fisch schlecht sein könnte. Die Schuppen von frischem Fisch glänzen zudem und sind fest. Eine matte Farbe und lockere Schuppen sind ein Hinweis darauf, dass der Fisch schlecht ist.

Fisch, der frisch ist, sollte innerhalb von 24 Stunden verzehrt werden. Länger hält er sich im Kühlschrank nicht. Die Konsistenz des Fischfleischs sollte fest sein, die Farbe hell (weiß bis rosa). Zerfällt das Fleisch und ist es dunkel, ist der Fisch verdorben. Er sollte einen angenehmen Geruch haben und weder fischig noch sauer riechen.

Stand: 16.08.2018, 14:00

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