Kabeljau

Zwei unterschiedlich große Kabeljau

Überfischung der Meere

Kabeljau

Von Vladimir Rydl/Inka Reichert

In den Meeren gab es früher so viel Kabeljau, dass man ihn einfach mit geflochtenen Körben aus dem Meer heben konnte. Das klingt völlig übertrieben, aber es gibt glaubhafte historische Berichte, nach denen dies tatsächlich möglich gewesen sein soll.

Der Italiener Giovanni Caboto (englisch: John Cabot) entdeckte im Auftrag des englischen Königs 1497 Neufundland und berichtete über gigantische Kabeljauschwärme auf dem vorgelagerten Flachmeer, den Grand Banks. Cabot ließ beschwerte Körbe im Wasser absinken. Beim Heraufziehen waren diese voller Kabeljau.

Eine solche Fülle ist heute kaum noch vorstellbar, denn beim Kabeljau sind bereits die wichtigsten und größten Bestände der Welt zusammengebrochen oder stark bedroht.

Nach der Entdeckung Neufundlands fischten über Jahrhunderte hinweg französische, portugiesische und englische Fischer in den Gewässern, bis die industrielle Fischerei dem ein schnelles Ende bereitete.

Als die Fänge 1992 drastisch einbrachen, verhängte man ein absolutes Fangverbot. Man hoffte, der Bestand würde sich innerhalb weniger Jahre erholen. Doch es war zu spät, das ökologische Gleichgewicht hatte sich bereits dauerhaft verschoben.

Kabeljau in einem Netz

Heute landet nur noch vereinzelt ein Kabeljau im Netz

Die Kabeljaue lebten dort ursprünglich von Shrimps, die selbst wiederum gerne die zahlreichen Eier und die Brut der Kabeljaue fraßen. Als die alten Kabeljaue weggefangen waren und sie die Zahl der Shrimps nicht mehr kontrollieren konnten, vermehrten sich die Shrimps sehr stark und fraßen den gleichzeitig immer geringer werdenden Kabeljau-Nachwuchs weg.

Der Kabeljaubestand konnte sich davon bis heute nicht mehr erholen. 40.000 kanadische Fischer verloren seither ihre Arbeitsplätze.

Auch in der Nordsee waren die Kabeljau-Bestände früher riesig und Grundlage für eine gewinnbringende Fischerei. Sie wurden nicht nur zum Verzehr gefangen, sondern waren oft Opfer des Fischens auf Schollen und Garnelen.

Zeitweise landeten rund 90 Prozent aller Jungkabeljaue der Nordsee als lästiger Beifang in den Schleppnetzen der Schollen- und Garnelenfischer. Kurzerhand wurden die Fische tot oder sterbend über Bord geworfen, als Futter für die Möwen.

Krabbenkutter auf dem Meer, von Möwen umschwärmt

Möwen lauern auf Beifänge

Stand: 09.08.2018, 13:00

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