Wie ein Arzt den Kampf gegen die Blutvergiftung aufnahm

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Wie ein Arzt den Kampf gegen die Blutvergiftung aufnahm

Als junger Arzt wusste Professor Konrad Reinhart fast nichts über die Blutvergiftung. Im Einsatz auf Intensivstationen lernte der Anästhesist und Intensivmediziner, dass dieses auch unter Medizinern weit verbreitet Nicht-Wissen ein lebensbedrohlicher Fehler im System ist und nahm den Kampf auf.

Sepsis? Im Studium hat Konrad Reinhart nichts und in der Ausbildung wenig von dieser Erkrankung gehört. Auf Intensivstationen stellt er als junger Arzt dann erstaunt fest, dass Blutvergiftung die Todesursache Nummer eins ist. Wie passt das zusammen?

Reinhart forscht nach und findet: nichts. Vor 40 Jahren gibt es in Deutschland für die Sepsis keine Behandlungsrichtlinien, keine belastbaren Zahlen und kaum Forschung.

Seither hat sich viel geändert. Federführend dabei: Konrad Reinhart. Er sei mit einer "gewissen Hartnäckigkeit" am Thema dran geblieben, sagt der Arzt in einem Zeitungsinterview.

Die Sepsis bekannt machen

Mit ein bisschen weniger Understatement könnte man sagen, Reinhart hat alle Organisationen, Gremien und 2012 sogar den Welt-Sepsis-Tag mit ins Leben gerufen, um in Deutschland und auch weltweit auf die Erkrankung aufmerksam zu machen.

Wie der Arzt betont: Immer in Zusammenarbeit mit Kollegen und interdisziplinär.

Seine erste Amtshandlung besteht dementsprechend darin, ein internationales, interdisziplinäres Symposium in Berlin zu organisieren. Dann baut Reinhart als Anästhesist und Intensivmediziner Schritt für Schritt die Infrastruktur zur Behandlung der Sepsis in Deutschland auf.

22 Jahre ist er Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena und richtet dort einen Sepsis-Forschungsbereich ein.

2001 gründet er – zusammen mit anderen Medizinern – die Deutsche Sepsis-Gesellschaft, 2010 die Global Sepsis Society.

Konrad Reinhart ist ein Mitglied des Internationalen Sepsis Forums (ISF) und seit 2011 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Gefahr (noch) nicht gebannt

Auch mit Ende Sechzig lässt Konrad Reinhart nicht locker: Als Klinik-Direktor tritt er 2016 ab, hat aber eine "Seniorprofessur" angenommen und wird noch drei Jahre weiter die Sepsis erforschen.

Eines seiner Ziele: Die Einführung eines nationalen Aktionsplans, um die Zahl der Sepsis-Toten pro Jahr um bis zu 15.000 zu senken.

Denn Aufklärung und Forschung haben dafür gesorgt, dass Krankheiten wie Aids, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser behandelt werden können.

Das wünscht sich Reinhart auch bei der Sepsis – und glaubt, dass in zehn Jahren große Fortschritte möglich sind.

Noch ist die Gefahr nämlich nicht gebannt: Das Sepsis-Risiko steigt auch heute noch, weil die Menschen immer älter werden.

Und weil einerseits Krankheiten zunehmen, die das Immunsystem schwächen (Diabetes, Rheuma), und andererseits immer mehr Medikamente eingesetzt werden, die die Körperabwehr beeinträchtigen.

Wie die Diagnose einer Sepsis verbessert werden könnte

Stand: 18.09.2017, 13:03

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