Alternativen zu Antibiotika

Ein Arzt in OP-Kleidung wäscht und desinfiziert sich die Hände.

Resistente Keime

Alternativen zu Antibiotika

Von Ulrike Brandt-Bohne

Bakterieninfektionen zu bekämpfen, wird schwieriger. Immer mehr Keime sind resistent gegen die Allzweckwaffe Antibiotikum. Doch was kann man tun, wenn Antibiotika versagen?
Verschiedene Ansätze sollen vor allem die Verbreitung der Keime unterbinden. Aber auch Viren werden zur Behandlung von Bakterieninfektionen eingesetzt.

Bakterienfressende Viren als Alternative zu Antibiotika?

Mediziner nutzen bereits seit Jahrzehnten Viren zur Behandlung von Bakterieninfektionen. Helfen sollen sogenannte Bakteriophagen, zu Deutsch "Bakterienfresser".

Während sie im Westen von Antibiotika verdrängt wurden, stellten Bakteriophagen in der damaligen UdSSR wegen Antibiotika-Mangels oft die einzige Behandlungsmöglichkeit für einen Infizierten dar. In großem Maßstab wurden sie dort in der Armee und der Bevölkerung eingesetzt.

Bakteriophagen sind Viren, die für unsere Zellen harmlos sind. Sie infizieren Bakterienzellen mit ihrem Erbgut und programmieren sie dabei so um, dass sie selbst Phagen produzieren.

Schließlich platzt die Bakterienzelle durch die Phagenvermehrung und gibt so die neuen Phagen frei, die dann weitere Bakterienzellen befallen und abtöten.

Behandlungskonzept mit vielen offenen Fragen

Aber genau dieser Teil der Behandlung lässt viele besorgt aufhorchen. Wenn Phagen-Erbinformation in Bakterien eingeschleust wird, verändern sich dadurch vielleicht auch die Eigenschaften der Bakterien?

Könnten sie mutieren und neue, gefährliche Eigenschaften erlangen? Ist der Bakteriophagen-Einsatz im großen Maßstab tatsächlich unbedenklich? Das Behandlungskonzept wirft eine ganze Reihe von Fragen auf.

Hinzu kommt das Problem, dass jede einzelne Bakterienart auch nur von ganz speziellen Bakteriophagen infiziert werden kann. Das heißt: Bei einer gezielten Therapie von Bakterieninfektionen bräuchte man auch immer ganz spezielle Bakteriophagen.

Es müsste also auch eine Datenbank geben, aus der klar hervorgeht, welche Bakteriophagenart speziell gegen einem Bakterienkeim wirkt.

Bisher sind in Europa noch keine Phagen-Präparate zugelassen, nur im Rahmen von Wirksamkeitsstudien und Laborversuchen. Es ist nach wie vor unklar, wie wirksam Phagen tatsächlich sind und welche Phagen-Therapien am vielversprechendsten sind.

Das könnte sich ändern, wenn die Pharmaindustrie mehr Interesse an den Phagen zeigen und medizinische Anwendungen systematisch untersuchen würde.

Bakteriophagen sitzen außen an der Zellwand eines Bakteriums.

Bakteriophagen haben ein Bakterium befallen

Stand: 13.06.2019, 11:00

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