Verheerende Waldbrände

Ein Feuerwehrmann steht in dichtem Rauch und bekämpft Flammen mit einem Wasserschlauch. Die Luft schimmert rötlich vom Feuerschein.

Waldbrände

Verheerende Waldbrände

Trotz aller Erfahrungen in der Waldbrandbekämpfung sorgen extreme Wetterbedingungen wie lange Trockenperioden, ungünstige Winde und hohe Temperaturen immer wieder für Wald- und Buschbrände, die kaum noch bekämpft werden können und weit über das gewohnte Maß hinausgehen.

2013: Waldbrand im Yosemite-Nationalpark

Am 17. August 2013 geriet ein Lagerfeuer, das ein Jäger im kalifornischen Stanislaus National Forest trotz Verbots entzündet hatte, außer Kontrolle. Der sich daraus entwickelnde Waldbrand konnte erst am 25. Oktober wieder gelöscht werden. Es war mit über 1000 Quadratkilometern verbrannter Fläche das drittgrößte Feuer in der Geschichte Kaliforniens. 5000 Feuerwehrleute und zahlreiche Löschflugzeuge waren im Einsatz.

Das Übergreifen des Feuers auf eine Stelle mit uralten Riesenmammutbäumen im Yosemite National Park konnte nur durch das Legen eines Gegenfeuers verhindert werden. Weil aufgrund des Brandes zwei Wasserkraftwerke abgestellt werden mussten und diverse Stromleitungen beschädigt waren, mussten die Behörden in San Francisco der Ausnahmezustand ausrufen.

2010: Wald- und Torfbrände in Russland

Während einer Hitzewelle im Juli und August 2010 brannten südöstlich von Moskau mehrere hundert Wald- und Torffeuer. Bei der Bekämpfung waren 240.000 zivile Rettungskräfte, 2000 Soldaten und über 50 Löschflugzeuge im Einsatz. Trotzdem dauerte es Wochen, die Brände unter Kontrolle zu bekommen.

In Moskau selbst sank die Sichtweite aufgrund der Rauchentwicklung teilweise unter 50 Meter. Die Kohlenmonoxid- und Kohlendioxid-Konzentration in der Luft stieg auf so gesundheitsschädliche Werte an, dass die Moskauer Bürger aufgerufen wurden, in ihren Wohnungen zu bleiben. Ausländisches Botschaftspersonal wurde evakuiert, das Auswärtige Amt erließ eine Reisewarnung für Russland. Mehr als 50 Menschen starben.

Als Grund für das Ausmaß der Brände wurden unter anderem Sparmaßnahmen in der Forstverwaltung angeführt: Brand-Überwachungsflüge wurden zurückgefahren und 70.000 Waldhüter entlassen.

Die Waldbrände in Russland geraten außer Kontrolle, starke Rauchentwicklung beeinträchtigt die Menschen

Außer Kontrolle: Die Waldbrände 2010 in Russland

2009: Der "schwarze Samstag" im australischen Bundesstaat Victoria

Bei extrem heißem (bis zu 47 Grad Celsius!) und trockenem Wetter mit Windböen von mehr als 100 Kilometern pro Stunde entwickelten sich im Februar 2009 rund 400 einzelne Buschfeuer in der Region um Melbourne, am Südzipfel des australischen Kontinents. Hauptursache der Brände waren durch hohe Windgeschwindigkeiten umgestürzte Strommasten sowie Brandstiftung.

Ein plötzlicher Temperatursturz und das Drehen der vorherrschenden Windrichtung fachte die Brände am sogenannten "Black Saturday" (schwarzer Samstag) dann zusätzlich gewaltig an. Enorme Feuerfronten zerstörten mehr als 2000 Häuser. 173 Menschen starben in den Flammen, 414 wurden verletzt. Über 7500 Menschen wurden obdachlos.

Die hohe Zahl der Todesfälle wurde teilweise auf die dichte Besiedelung in der Umgebung von Melbourne zurückgeführt. Als Konsequenz der Katastrophe führte die Regierung neue Feuermanagement-Pläne und Vorwarn-Strategien ein.

Eine verkohlte Hausruine nach dem verheerenden Waldbrand 2009 in Australien

Hausruine nach dem "Black Saturday" 2009

2007: Feuerhölle in Griechenland und Kalifornien

Besonders schwere Waldbrände wüteten in Griechenland im August und September 2007 auf der Halbinsel Peloponnes und auf der Insel Euböa. 67 Menschen kamen bei den Feuern ums Leben, knapp 200.000 Hektar Land wurden vernichtet. Das entspricht einer Fläche, die etwa doppelt so groß ist wie Berlin. Auch die antiken Weltkulturerbe-Stätten Olympias wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Die Löschanlage, die speziell für die Olympischen Spiele 2004 gebaut worden war, konnte kaum etwas gegen die Flammen ausrichten. Die griechische Regierung, die angesichts des Ausmaßes der Katastrophe den Notstand ausrief, wurde wegen ihres mangelhaften Krisenmanagements scharf kritisiert – besonders von der Opposition, was im Hinblick auf die kurz darauf anstehenden Parlamentswahlen kaum verwunderte.

Bei den Wahlen am 16. September musste Ministerpräsident Kostas Karamanlis zwar Verluste hinnehmen, behielt aber trotzdem seine Mehrheit.

Auch das damals von Gouverneur Arnold Schwarzenegger regierte Kalifornien wurde 2007 von den Flammen heimgesucht. Zwei Dutzend Waldbrände, bei denen mehr als zehn Menschen starben, beschäftigten im Oktober die Feuerwehren. Über 2000 Häuser wurden ein Raub der Flammen, rund 640.000 Menschen mussten ihr Zuhause zwischenzeitlich verlassen.

Ein amerikanischer Feuerwehrmann im Kampf gegen die Flammen

Schwerstarbeit für die Feuerwehrleute

2003: Trauriges Jahr in Australien

In Australien sorgte die Buschbrandsaison 2002/2003 für einen traurigen Rekord: Mit drei Millionen Hektar verbrannte im Land doppelt so viel Fläche wie beim bisherigen Rekord von 1,5 Millionen Hektar im Jahr 1939. Besonders betroffen waren New South Wales und Victoria.

Durch außergewöhnliche Trockenheit begannen die Brände schon im Oktober 2002. Bis Mitte Dezember wurden um die Hafenstadt Sydney rund 40 Häuser zerstört, vier Menschen starben, mehrere hundert Bewohner mussten flüchten. Die Brände rund um die Millionenmetropole galten als die schlimmsten seit 30 Jahren.

Mitte Januar 2003 kam es rund um die Hauptstadt Canberra zu schweren Bränden, bei denen vier Menschen ums Leben kamen und mehrere hundert Häuser zerstört oder beschädigt wurden.

Auch im Bundesstaat Victoria wüteten die Flammen und brannten große Teile des "Kosciuszko", "Namadgi" und "Alpine National Parks" nieder. Das traditionelle "Australia Day"-Feuerwerk in Sydney am 26. Januar musste wegen einer totalen Feuersperre ausfallen.

Vergleichbare Brände hat es in Australien schon viele gegeben. Eine der längsten und intensivsten Brandkatastrophen erlebte das Land bei der "Schwarzen Weihnacht" 2001. In 23 Tagen verbrannten in der Umgebung von Sydney 650.000 Hektar Wald und Farmland. Erneut waren die "Blue Mountains" und der "Royal National Park" westlich und südlich von Sydney stark von den Bränden betroffen – wie schon im Jahr 1994.

Damals brannten fast 300 Häuser in Sydney nieder, vom Süden, Westen und Norden war die Metropole von scheinbar unaufhaltsamen Flammen eingeschlossen. Über 20.000 Personen wurden evakuiert, viele Menschen erlitten Rauchvergiftungen und Brandwunden.

Einsetzender Nieselregen und abflauender Wind halfen schließlich, die Brände unter Kontrolle zu bekommen, die vier Menschenleben forderten und fast eine Millionen Hektar Land niederbrannten.

2002: Extremes Feuerjahr in den USA

Die USA sind alljährliche Waldbrände gewöhnt. Im Jahr 2002 aber wurden wegen der monatelangen Trockenheit rund 1,5 Millionen Hektar Wald zerstört – mehr als doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. In Colorado tobte das "Hayman-Feuer", Arizona erlebte mit dem "Rodeo-Brand" seinen bis dahin größten Waldbrand in der Geschichte des Bundesstaates, im Nordosten von "Pine Valley" in Kalifornien geriet das "Troy-Feuer" außer Kontrolle.

Die riesigen Waldbrände in den USA übertrafen die schlimmsten Befürchtungen der Feuerbekämpfer, allein in Arizona verbrannten mehr als 100.000 Hektar Wald. Auch in den Staaten Washington, Oregon, Wyoming, Idaho, Utah und Montana zerstörten die Flammen mehrere 10.000 Hektar Wald.

Landesweit mussten Tausende von Menschen fliehen, 2000 Häuser wurden zerstört. Von den rund 18.000 Feuerwehrleuten, die im Einsatz waren, verloren 20 ihr Leben.

Allein der Schaden des Feuers in Colorado, das sich wegen geringer Luftfeuchtigkeit, starker Winde und Temperaturen um 35 Grad auf 55.000 Hektar ausbreiten konnte, wurde auf rund 30 Millionen Dollar geschätzt.

Eine Satellitenaufnahme vom 21. Juni 2002 zeigt riesige Rauchwolken über Colorado (oben rechts) und Arizona (unten links).

Amerikas Wälder brennen

1997: Smogkatastrophe in Indonesien

Im Spätsommer 1997 versank halb Südostasien in einer riesigen Smogwolke. Von Malaysia bis zu den Philippinen litten Millionen Menschen unter der Luftverschmutzung, die durch Brandrodungen riesigen Ausmaßes erzeugt worden war.

Bauern, Großgrundbesitzer und Unternehmer hatten die Feuer unter anderem auf den Inseln Borneo, Java, Sumatra und Sulawesi gelegt, um Boden für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Die vielen hundert Feuer ließen sich wegen des dichten Qualms nicht einmal vom Satelliten aus orten. Wochenlang wagten sich die Menschen der Region nur noch mit Atemmasken ins Freie, die Schadstoffwerte erreichten unrühmliche Rekordmarken, 800.000 Hektar Wald brannten.

Erst im November fiel der lang ersehnte Monsunregen, der die alljährlichen Brandrodungen für gewöhnlich löscht, und sorgte für Besserung.

1988: "Old Faithful Geysir" in Gefahr

Anfang September 1988 wurde fast die Hälfte des berühmten Yellowstone-Nationalparks Opfer gewaltiger Waldbrände, die wegen einer extremen Trockenperiode in diesem Jahr in mehreren Bundesstaaten wüteten.

Feuerwände kreisten das Gebiet um den "Old Faithful Geysir" ein, 24 Gebäude der Touristensiedlung verbrannten. Der Yellowstone-Park, der in den US-Bundesstaaten Wyoming, Idaho und Montana liegt, ist der älteste und mit einer Fläche von rund 9000 Quadratkilometern der größte Nationalpark der USA.

Der Brand im Park bestand aus acht einzelnen Feuern, die durch Blitzschlag nach langer Trockenheit entzündet worden waren. Doch das Ausmaß des Brandes wurde zunächst unterschätzt.

Seit 1972 wird in den USA nach dem Prinzip verfahren, kleinere Waldbrände wegen ihrer wichtigen ökologischen Rolle nicht zu löschen und nur bei Gefahr für Menschen oder Gebäude einzugreifen. Bei dem Brand im Yellowstone-Park wurden erst spät Löschtrupps eingesetzt.

Doch gegen die starken Winde, die die Flammen immer wieder aufs Neue entfachten, hatten sie keine Chance. So waren auch Campingplätze und Besucherstationen in Gefahr, mehrere Dörfer in Montana wurden von den Feuern eingeschlossen. Erst Mitte September bekamen die Löschtrupps die Brände dank einsetzender Regenfälle unter Kontrolle.

In einer kargen Landschaft steigt die Fontäne eines Geysirs hoch in den blauen Himmel.

Die Brände bedrohten auch die heißen Quellen

1975: Flächenbrand in der Lüneburger Heide

Sechs Tage lang kämpften im August 1975 teilweise über 14.000 Helfer von Feuerwehr, Bundeswehr und Technischem Hilfswerk gegen einen Waldbrand in der Lüneburger Heide, der elf Todesopfer forderte, rund 8000 Hektar Wald vernichtete und einen geschätzten Sachschaden von 40 Millionen Mark verursachte.

Bei den ersten Feuermeldungen am 9. August herrschte bei Bevölkerung und Feuerwehr noch Gelassenheit. Der Sommer war ungewöhnlich heiß und trocken gewesen und als eines der brandgefährdetsten Gebiete Deutschlands war die Heide Waldbrände gewöhnt.

Doch als sich die ersten kleinen Feuer am 9. August innerhalb weniger Stunden zu einer 40 Meter hohen Feuerwand ausbauten, mussten die lokalen Feuerwehrmannschaften feststellen, dass auch alle Erfahrung dagegen nichts ausrichten konnte. Der benachrichtigte niedersächsische Ministerpräsident Alfred Kubel forderte sofort bundesweite Hilfe an.

Trotz Tausender Helfer dauerte es nahezu eine Woche, den Brand unter Kontrolle zu bringen – ein Fakt, der zum Politikum wurde, weil verschiedene Organisationsfehler zutage traten. So waren beispielsweise Löschfahrzeuge ohne Funkverbindung im Einsatz, und unterschiedliche Funksprachen der Hilfsorganisationen führten zu verspäteten Einsätzen.

Durch den Flächenbrand in der Lüneburger Heide waren auch die Nachteile monokultureller Bepflanzung deutlich geworden. Hier wuchsen überwiegend Kiefern, die bei Trockenheit rasch brennen und deren Nadeln zusätzlich den Boden schnell austrocknen.

Nach dem Brand wurde das Gebiet mit Lärchen aufgeforstet. Um eine erneute monokulturelle Bepflanzung zu vermeiden, wurden zudem Eichen und Buchen gepflanzt. Außerdem wurden doppelt so breite Brandschutzstreifen wie vor dem Brand angelegt.

1871: Peshtigo in Schutt und Asche

In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1871 wurde die Holzfällerstadt Peshtigo im US-Staat Wisconsin vollständig durch einen Waldbrand zerstört. 2682 Menschen in der Stadt und im restlichen Staat Wisconsin sowie mehr als 1000 Quadratkilometer Wald fielen den Flammen zum Opfer, über deren Ursache nur spekuliert werden kann.

Möglicherweise verursachte die extreme Trockenheit des Sommers kleinere Schwelbrände, die sich – begünstigt durch die typische Holzbauweise in der Stadt – zum Großfeuer ausweiteten. Auslöser könnten aber auch Eisenbahnarbeiter gewesen sein, die in der Nähe bei ihrer Arbeit regelmäßig Abfälle verbrannten.

Am frühen Abend nahmen die Einwohner Peshtigos, die Brände gewöhnt waren, das Feuer zur Kenntnis. Nur wenige Stunden später war klar, dass Feuerwehr und Bewohner die Flammen nicht mehr aufhalten konnten.

Bei der Flucht starben viele Menschen nicht nur in den Flammen. Manche ertranken im Peshtigo River, als eine Brücke unter der Last der Flüchtenden zusammenbrach, andere wurden von panischen Viehherden zu Tode getrampelt.

Der 8. Oktober 1871 sollte zu einem traurigen Meilenstein in der Geschichte der Brandkatastrophen Nordamerikas werden. Am selben Tag wie Peshtigo wurde nur 400 Kilometer entfernt auch Chicago vom Feuer heimgesucht und beinahe vollständig zerstört.

Auslöser war ein Stallbrand, und wie in Peshtigo begünstigten die Holzbauweise sowie ungünstige Winde das unkontrollierte Ausbreiten der Flammen. 90.000 Einwohner Chicagos wurden in dieser Nacht obdachlos, die Zahl der Toten blieb mit geschätzten 250 bis 300 erstaunlich gering.

Autorinnen: Silke Rehren/Julia Groß

Stand: 21.02.2017, 13:12

Darstellung: