Der Überlebenskampf der Bäume

Kranke Erle

Bäume

Der Überlebenskampf der Bäume

Von Anja Bühling

Die Lebensqualität in den Städten hängt nicht zuletzt davon ab, wie „grün“ das Stadt– und Straßenbild ist. Bäume spielen hier die Hauptrolle. Eine Stadt ohne Bäume ist undenkbar. Dabei haben es Bäume in den Großstädten immer schwerer.

Bäume verbessern messbar das Stadtklima: Sie reinigen die Luft, binden Schadstoffe und spenden Schatten.

Aber weil sich das Klima verändert, muss auch der Baumbestand in Städten angepasst werden. Immer mehr der Abermillionen Bäume, die in den Städten wachsen, leiden unter den zunehmend extremeren Temperaturen.

Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu Wetterextremen, wie langen Hitze- und Trockenperioden. Dazu kommen viele Schädlinge, deren Vorkommen durch das tendenziell immer wärmere Klima begünstigt wird. Viele neuen Schädlinge setzen vor allem den Laubbäumen zu. So sind etwa in München zahlreiche Kastanien an dem Bakterium Pseudomonas syringae erkrankt.

Befallene Kastanie

Befallene Kastanie

Baumarten und "ihre" Schädlinge

Massaria-Pilz

Von der trocken-heißen Witterung und dem damit verbundenen Wassermangel profitieren Pilze wie der Massaria-Pilz, der Platanen befällt. Bei älteren Platanen bildet sich dadurch verstärkt Totholz, das leichter bricht. Bis vor zehn Jahren war der Massaria-Pilz in Deutschland noch unbekannt. Doch in den letzten Jahren hat er durch die veränderte Witterung massiv ausgebreitet.

Kastanienminiermotte

In den letzten Jahren ist aus Süd-Ost-Europa die Kastanienminiermotte zugewandert. Sie ist in der Wahl ihres Wirts sehr spezialisiert: Bisher hat sie fast ausschließlich der weißblühenden Rosskastanie zugesetzt. Befallen die Raupen über mehrere Jahre einen Baum, bekommen seine Blätter nicht nur braune Flecken und Löcher, auch der gesamte Baum verliert an Kraft und kämpft ums Überleben.

Eschentriebsterben

Gerade in Bayern wurden viele Eschen von einem Schlauchpilz befallen, der für ein erschreckendes Eschensterben sorgte und sorgt. Der Pilz befällt nicht nur Jungpflanzen, sondern setzt auch den älteren Eschen zu. Vor allem die jungen Triebe der Bäume werden befallen.

Gesucht: Resistente Stadtbäume

Damit unter den sich ändernden Klimabedingungen auch weiterhin Parks und Bäume gedeihen, sind Biologen der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim in ihrer Studie "Stadtgrün 2021" auf der Suche nach klimawandel- und schädlingsresistenten Bäumen, die auch bei steigenden Temperaturen und weniger Regen noch bei uns wachsen.

Bäume, die auch unter erschwerten Bedingungen im Smog viel befahrener Straßen und mit wenig Wurzelraum gedeihen. Dabei haben die unterschiedlichen Standorte – ob Park oder Verkehrsinsel – spezielle Anforderungen, für die der richtige Bewuchs gefunden werden muss.

30 Bäume wurden getestet und es sind einige dabei, die in Frage kommen und bald das Stadtbild einiger Städte nachhaltig verändern könnten.

Baumgesundheit Planet Wissen 24.05.2019 04:35 Min. Verfügbar bis 24.05.2024 ARD-alpha

Weitere Baumarten und "ihre" Schädlinge

Eschenbaumschwamm

Früher galt die Robinie als idealer Stadtbaum, geeignet auch für ungünstige Standorte. Doch mittlerweile hat sich ein Pilz auch in Deutschland ausgebreitet, der den Robinien schwer zu schaffen macht: der sogenannte Eschenbaumschwamm. Meist bildet sich der Pilz am Wurzelwerk oder unteren Stamm und lässt den Laubbaum langsam von unten faulen.

Ulmensterben

Eine andere Baumart, die gefährdet ist: die Ulme. Fast 90 Prozent aller Ulmen in deutschen Städten mussten in den letzten zehn Jahren gefällt werden, weil sie ebenfalls von einem Pilz befallen waren. Außer gegen den asiatischen Schlauchpilz kämpfen die Ulmen vor allem noch mit zwei Käferarten: dem Kleinen und dem Großen Ulmensplintkäfer, die beide zu den Borkenkäfern gehören.

Buchsbaumzünsler

Dem Buchsbaum setzt eine gefräßige, giftige grüne Raupe zu: der Buchsbaumzünsler. Das Insekt wurde aus Asien eingeschleppt, vernichtet seit 2006 die hiesigen Buchsbäume und breitet sich ungestört aus. Natürliche Feinde hat der Schädling hier noch nicht. Zuerst werden die Blätter abgenagt, dann die Rinde bis aufs Holz. Alle Pflanzenteile oberhalb davon sterben ab.

Verdrängungskampf

Auch wenn sich die meisten Menschen der Bedeutung von Bäumen und Grünflächen für Städte bewusst sind, gerät "das Grün" dennoch immer mehr in Bedrängnis.

Denn nicht nur der Klimawandel macht den Bäumen und Stadtwäldern zu schaffen. Vor allem die immer größere Versiegelung und Verdichtung durch Wohnungsbau und Gewerbeimmobilien lässt durch immer mehr Verkehr und Infrastruktur Grünflächen schrumpfen und Bäume verschwinden.

Bäume und Autos

Bäume geraten in der Stadt in Bedrängnis

Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim fallen in Deutschland täglich fast 100 Hektar Natur dem Verkehrs- und Wohnungsbau zum Opfer. Bayern stehe mit einem Verlust an Freiflächen von 17 Hektar pro Tag (rund 24 Fußballfelder) ganz oben, so der LWG im März 2018.

Stand: 23.05.2019, 14:30

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