Tricks der Blütenpflanzen

Biene im Anflug auf ein Weidenkätzchen

Landpflanzen

Tricks der Blütenpflanzen

Sich fortpflanzen und ernähren, ohne sich vom Fleck zu bewegen – das klingt nach einer Herausforderung. Kein Problem für die Blütenpflanzen: Mit ein paar Tricks sorgen sie sowohl für Nahrung als auch für Nachwuchs.

Darum geht's:

  • Wenn Pflanzen sich bewegen wollen, müssen sie wachsen.
  • Die Hälfte der Blütenpflanzen nutzt den Wind zur Fortpflanzung.
  • Anderen Pflanzen helfen Tiere wie Insekten und Vögel.
  • Manche Tiere und Pflanzen gehen feste Partnerschaften ein.
  • Fleischfressende Pflanzen stellen Insekten Fallen.

Eine Blüte, die sich öffnet, wächst

Pflanzen stehen in der Regel fest verwurzelt an einem Ort. Anders als Menschen und Tiere können sie auch ihren Körper nicht bewegen – allenfalls sehr eingeschränkt. Wenn Pflanzen sich bewegen wollen, müssen sie wachsen.

Auch wenn es manchmal so aussieht, als ob sie sich der Sonne zuwenden, wachsen sie. Ein anderes Beispiel: Öffnet sich eine Blüte, dann wächst das Blütenblatt auf der Innenseite. Schließt sie sich, wächst die Außenseite.

Doch Pflanzen haben erstaunliche Strategien entwickelt, um ihre Ziele zu erreichen und mobil zu sein. Sie locken, tricksen – und schnappen auch schon mal zu.

Sonnenblumenfeld mit Sonne im Gegenlicht

Immer der Sonne nach: Wachstum zum Zugucken

Bestäubung: Vom Winde verweht

Die Blütenpflanzen haben sich einiges einfallen lassen, damit ihre Pollen aus den Staubgefäßen zum Stempel der Samenanlage einer anderen Blüte gelangen. Das ist wichtig: Nur dann beginnt der Samen zu reifen. Nur so kann eine neue Pflanze entstehen. Keine Bestäubung, keine Fortpflanzung.

Etwa die Hälfte der Blütenpflanzen bedient sich einer konventionellen Methode, um sich fortzupflanzen: Die Pflanzen lassen ihren Pollen schlicht vom Wind davontragen. Die Hoffnung: Die Pollen gelangen über die Luft zu einer anderen Blüte der gleichen Art. In der Regel funktioniert die Methode recht zuverlässig.

Doch: Um die Fortpflanzungschancen zu erhöhen, müssen die Windbestäuber eine gewaltige Menge an Pollen produzieren. Diese wirbeln dann durch die Luft – was bei manchen Menschen Allergien auslöst. Einige Pollen haben so gute Flugeigenschaften entwickelt, dass sie große Entfernungen zurücklegen können. Letztlich aber ist der Erfolg bei Windbestäubern eine Sache des Zufalls.

Gewöhnliches Knäuelgras mit Pollen

Windbestäuber verteilen ihre Pollen über die Luft

Fortpflanzung mithilfe von Tieren

Andere Pflanzen gehen zielgerichteter vor: Sie rekrutieren Helfer, darunter Insekten wie Bienen, Wespen oder Hummeln, Schmetterlinge und Falter. Auch kleine Vögel übernehmen die Botendienste.

Um die Boten zu belohnen, halten die Pflanzen eine Belohnung bereit: süßen Nektar. Dieser ist in der Blüte versteckt, sodass die Tiere die Staubgefäße streifen, wenn sie vom Nektar trinken wollen. Die Pollen bleiben dann am Körper haften.

Fliegen die Insekten anschließend zur nächsten Nektartränke, nehmen sie den Pollen mit und bestäuben dort die Blüte. Das funktioniert nur, wenn die Botentiere häufig die Blüten derselben Art besuchen. Damit sie das tun, verströmen viele Pflanzen unverwechselbare Düfte. Auch die Farbe ihrer Blüten ist oft einzigartig.

So signalisieren sie den Bestäubern, wo es noch mehr Nektar zu holen gibt. Die meisten Insekten haben bestimmte Vorlieben. Bienen besuchen beispielsweise mit Vorliebe gelbe und blauviolette Blumen, Hummeln blaue und violette. Rot lockt eher die Tagfalter an, weiß die Nachtfalter – da sie in der Dämmerung helle Farben besser wahrnehmen können als dunkle.

Nahaufnahme einer Biene mit Pollen in einer weißen Blüte

Pollenbote: Eine Biene besucht eine Blüte

Das riecht nach verwesendem Tier

Ähnlich ist es mit den Gerüchen, die den Insekten als Wegweiser oft hilfreicher sind. Die Farben können viele Insekten meist nur sehen, wenn sie in der Nähe der Blüte sind. Den Duft einer Blüte riechen die Boten aber bereits aus großer Entfernung.

Im Laufe der Evolution haben sich zwischen den Tieren und Pflanzen feste Partnerschaften herausgebildet. Während etwa die meisten Insekten süße Düfte mögen, verströmt der auf der indonesischen Insel Sumatra verbreitete Titanwurz Gerüche, die an verwesende Tierkadaver erinnern. Warum? Er will keine Bienen oder Hummeln zur Bestäubung anlocken, sondern Schmeißfliegen und Aaskäfer.

Blühender Titanwurz

Verströmt den Duft von Verwesung: der Titanwurz

Ein Fleischfresser, der Fallen stellt

Nicht nur wenn sie sich fortzupflanzen, arbeiten die Pflanzen mit Tricks. Auch wenn sie sich mit Nahrung versorgen: Die meisten Pflanzen nutzen dafür die Wurzeln, um die lebenswichtigen Elemente aus dem Boden aufzunehmen.

Einige Pflanzen wachsen aber an Standorten, an denen sie im Boden nicht alle Stoffe finden, die sie benötigen. Auch diese Gewächse locken Tiere an: als Leckerhappen. Etwa 600 Pflanzenarten zählen zu den Fleischfressern, den Karnivoren.

Ihre Opfer sind meist Käfer oder andere kleine Insekten. Wie aber fangen fest verwurzelte Pflanzen krabbelnde, fliegende, also höchst bewegliche Tiere? Indem sie Fallen stellen.

Der Sonnentau etwa, der in amerikanischen Hochmooren beheimatet ist, besitzt auf seinen Blättern kleine Drüsen, die einen klebrigen Schleim produzieren. Setzt sich ein Insekt auf ein solches Blatt, bleibt es hängen – und wird mithilfe eines speziellen enzymhaltigen Saftes von der Pflanze verdaut.

Fleischfressende Pflanze mit gefangener Spinne

Nicht jede Pflanze lebt vegan

Fliegen und Spinnen auf der Speisekarte

Noch raffinierter geht die Venusfliegenfalle vor: Sie schließt ihre Opfer ein, indem sie zwei Fangblätter, die an den Rändern mit einer Zahnreihe von Borsten besetzt sind, blitzartig zusammenklappen lässt, sobald sich ein Insekt darin niederlässt.

Dieses Zuklappen ist eine der schnellsten Bewegungen, die es unter Pflanzen gibt. Möglich wird das durch eine Krümmung der Fangblätter. Aufgeklappt sind sie leicht nach außen gekrümmt, also konvex. Beim Übergang zu einer konkaven Krümmung nach innen entlädt sich die Spannung – und die Venusfliegenfalle schnappt zu.

Fliege auf dem Blatt einer Venusfliegenfalle

Ein Fleischfresser unter den Pflanzen: die Venusfliegenfalle

Damit sie keinen Fehlalarm auslöst, hat die Pflanze zudem eine Art Erkennungsmethode für ihre Opfer entwickelt. Nicht jede Berührung löst den Klappmechanismus aus: Erst wenn innerhalb von 20 Sekunden eine zweite Berührung bestimmter Rezeptoren an der Innenseite der Blüte erfolgt, schließen sich die Fangblätter.

So stellt die Venusfliegenfalle sicher, dass es sich wirklich um ein Beutetier handelt. Auf ihrer Speisekarte stehen Fliegen und Spinnen, aber auch Ameisen. Entkommen können aus der Falle durch die Borstenreihe der Venusfliegenfalle nur kleine Tiere.

Auch das hat seinen Sinn – eine anstrengende Verdauung soll sich schließlich lohnen.   

Autorin: Claudia Füßler

Stand: 01.08.2017, 15:14

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