Unterschätzte Pflanzen

Pflanzen – Die wahren Herrscher der Welt Planet Wissen 18.02.2020 01:51 Min. Verfügbar bis 18.02.2025 SWR

Sinne der Pflanzen

Unterschätzte Pflanzen

Von Andrea Wieland

Die Menschen trauen Pflanzen oft nicht viel zu. Ein Fehler. Die vermeintlich simplen Geschöpfe verfügen über viele erstaunliche Fähigkeiten und gehören nicht umsonst zu den erfolgreichsten Lebewesen unseres Planeten.

Pflanzen nehmen ihre Umwelt wahr

Pflanzenforscherinnen und -forscher haben in den vergangenen Jahren spektakuläre Entdeckungen bei ihren Experimenten gemacht. Die grünen Geschöpfe unterscheiden offensichtlich verschiedene Wellenlängen des Lichts, können also "sehen". Aber damit nicht genug: Pflanzen "riechen" chemische Botenstoffe in der Luft und "schmecken" die Nährstoffeim Boden.

Die unterschiedlichen Lichtreize nehmen die Pflanzen über Infrarot- und Ultraviolett-Sensoren wahr. So können sie sogar unterscheiden, ob ein Schatten von einer anderen Pflanzen oder einem Felsen kommt.

Informationsfluss in Pflanzen Planet Wissen 18.02.2020 02:23 Min. Verfügbar bis 18.02.2025 SWR

Wie die Pflanzen die Reize weiterleiten und verarbeiten, ist noch nicht abschließend geklärt. Bekannt ist, dass ihre Leitbahnen neben Wasser und Nährstoffen auch chemische Signale weiterleiten. Die Bonner Pflanzenforscher Dieter Volkmann und Frantisek Baluska stellten bei ihren Untersuchungen zudem fest, dass Pflanzen auch elektrische Signale produzieren, dievon Zelle zu Zelle bis in entlegene Pflanzenteile wandern können.

Die Forscher vermuten, dass Pflanzen chemische und elektrische Signale kombinieren und soin der Lage sind, auch differenzierte Informationen zu übermitteln.

Pflanzen schützen und wehren sich

Es bleibt nicht nur bei der Wahrnehmung: Pflanzen können sich auch auf unterschiedliche Situationen einstellen und passend reagieren. So haben sie raffinierte Strategien entwickelt, mit denen sie sich gegen allzu aufdringliche Besucher bestens wehren können, zum Beispiel indem sie spitze Stacheln und Dornen, Widerhaken oder Kristallhaare ausbilden.

Außerdem sind sie erstaunliche Chemiker, die eine Vielzahl unterschiedlichster Stoffe herstellen können. Von einfach nur unangenehm schmeckenden Substanzen wie Bitterstoffen bis zum tödlichen Gift einer Tollkirsche reicht ihr Repertoire. Und in ganz besonders hartnäckigen Fällen holen sie auch schon mal fremde Hilfe, etwa indem sie mit speziellen Botenstoffen die Feinde ihrer Feinde anlocken. Zum Beispiel Raubwanzen, auf deren Speiseplan gefräßige Raupen stehen.

Manche Pflanzen warnen sich sogar gegenseitig. Wird etwa ein Ahornbaum von Schädlingen befallen, produziert er einen chemischen Warnstoff, den er über die Spaltöffnungen an seinen Blättern in die Luft abgibt. Die umstehenden Bäume nehmen die Warnung über ihre Spaltöffnungen auf und beginnen sich entsprechend zu wappnen.

Sex bei Pflanzen

Ganz andere Duftstoffe kommen bei der Fortpflanzung zum Einsatz. Für Lebewesen mit eher beschränktem Radius, ist das Finden und Zusammenkommen mit einem potenziellen Partner eine echte Herausforderung. Auch hier ist fremde Hilfe notwendig, speziell von Insekten, die mit dem entsprechenden Duft und dem Aussehen der Blüten angelockt werden.

Während es für die fliegenden Krabbler meist etwas zum Fressen gibt, geht es bei der Pflanze um Sex. Sie nutzt den Besuch als Liebesboten, dem sie ihren Pollen anvertraut, in der Hoffnung, dass er ihn zu einem Partner bringt und damit eine Befruchtung stattfinden kann.

Eine Biene sammelt auf einer Kamillenblüte Nektar und Pollen.

Kamillenblüte mit Besuch von einem fliegenden "Liebesboten"

Mit Duft kommunizieren

Pflanzen produzieren eine Vielzahl chemischer Botenstoffe, die zur Gruppe der sogenannten Aromaten, Acetogenine und Terpene gehören. Sie werden nicht nur zum Anlocken von Insekten eingesetzt, sondern auch für die Kommunikation untereinander verwendet.

Japanische Forscher entdeckten im Frühjahr 2014, dass Tomatenpflanzen ihre Nachbarpflanzen vor Feinden warnen. Pflanzen sind demnach weder still noch hilflos. Sie sind sogar sehr kommunikativ.

Eines steht fest: Der Pflanzenforschung steht eine aufregende Zeit bevor. Vielleicht ändert dasauch den Blick auf das bislang unterschätzte Grünzeug.

Stand: 13.02.2020, 15:00

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