Endstation: Südpol

eine Eiswüste

Südpolarkreis

Endstation: Südpol

Es war eine Tortur durchs ewige Eis. Anfang des 20. Jahrhunderts lieferten sich Roald Amundsen und Robert Scott ein Wettrennen zum Südpol. Beide erreichten das Herz der Antarktis. Doch nur einer sollte lebend zurückkehren.

Das unbekannte Land

Sie ist südlichste Kontinent der Erde: die Antarktis. Die Existenz von Terra australis incognita - dem unbekannten südlichen Land - wurde bereits in der Antike vermutet. Um es zu entdecken, machte sich 1772 der Seefahrer James Cook auf den Weg. Er segelte als Erster über den Südpolarkreis. Das unbekannte Land erreichte er allerdings nicht.

Gesichtet wurde der sechste Kontinent erstmals 1820. Seitdem wird der Mensch geradezu magnetisch vom Südpol angezogen. Abenteurer bieten dem unwirtlichen Kontinent die Stirn und Forscher ergründen seine eisigen Geheimnisse.

Ende des 19. Jahrhunderts wagten sich zahlreiche Expeditionen aus aller Welt ins ewige Eis. Von zwei Abenteurern sollte später besonders häufig erzählt werden: Roald Amundsen und Robert Falcon Scott.

Der Norweger Roald Amundsen wollte eigentlich den Nordpol erobern. Doch noch während er seine Expedition vorbereitete, meldeten Amerikaner, bereits dort gewesen zu sein. Was also tun? Es gäbe nur noch eine letzte große Frage zu klären, schrieb er, und meinte damit den Südpol. Doch Amundsen war nicht der einzige, der dorthin wollte: Auch Robert Falcon Scott aus England wollte den Südpol erobern - es sollte sein Lebenswerk sein. Ein spannender Wettlauf zum Südpol begann.

Alle Blicke gen Norden

In den folgenden Monaten schleppten beide Teams sich durch Schnee und Eis, harrten gewaltige Stürme aus und erklommen Gletscher. Scott musste all seine Ponys erschießen, die Motorschlitten ließ er ebenfalls zurück. Amundsen opferte einige seiner Schlittenhunde.

"Wir hatten ein gutes Stück Arbeit vor uns", schrieb der Abenteurer später. "Es galt nichts weniger zu tun, als unsere Flagge weiter zu tragen, als je ein Mensch gen Süden gegangen ist." Am 14. Dezember 1911 schließlich erreichten Amundsen und seine vier Kameraden als Erste den Südpol. Dort, an diesem erdachten Ort, wo alle Blicke nach Norden gehen, hisste er die Flagge seiner Nation. Die Norweger schüttelten sich die Hände. Zur Belohnung gab es eine Pfeife voll Tabak.

Schwarzweiß-Fotografie von Roald Amundsen.

Erster am Südpol: Amundsen hisst die Flagge Norwegens

Drei Tage lang vermaßen er und seine vier Begleiter die Gegend. Dann traten sie den Heimweg an. Die Begeisterung aber hielt sich in Grenzen. "Ich kann nicht sagen, - obgleich ich weiß, dass es eine viel großartigere Wirkung hätte - dass ich da vor dem Ziel meines Lebens stand", schrieb Amundsen.

Ein schrecklicher Ort

Scott wusste noch nichts von all dem. Erst einen Monat später erreichten er und seine vier Männer den Südpol. Erschöpft, hungrig und niedergeschlagen blicken sie auf die Überreste eines zurückgelassenen Zelts. "Das ist ein grausiger und entsetzlicher Ort", schrieb Scott in sein Tagebuch. Der Rückweg soll jedoch noch schlimmer werden.

Scotts Team: Männer und Hunde ziehen Schlitten zum Kap Crozier

Scotts Team: Männer und Hunde ziehen Schlitten zum Kap Crozier

Alle litten schon jetzt an Erschöpfung, Skorbut und Erfrierungen. Auf dem Heimweg irrten die Abenteurer umher. Ihre Zwischenlager fanden sie nur mit Mühe wieder. Im März erkannte Scott, dass es keine Hoffnung mehr gab. Er begann einen Brief an seine Frau, strich das letzte Wort und ersetzte es durch "Witwe". Der letzte Tagebucheintrag erfolgte am 29. März 1912: "Es ist schade, aber ich kann jetzt nicht mehr schreiben."

Scott verlor das Rennen und sein Leben. Mit seinem Bestreben Grenzen zu überwinden und Neues zu entdecken, haben er und Amundsen jedoch der Wissenschaft das Tor in die Antarktis geöffnet.

Autorinnen: Alina Schadwinkel/Susanne Wagner

Stand: 04.02.2016, 09:00

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