Klimafaktor Antarktis

Südpolarkreis

Klimafaktor Antarktis

Die gewaltigen Eismassen über der Antarktis beeinflussen das Klima weltweit. Der Eisschild über dem Festland ist bis zu viereinhalb Kilometer dick. Würden alle antarktischen Gletscher abtauen, dann stiege der Meeresspiegel um fast 60 Meter. Ob dies in einigen hundert bis tausend Jahren tatsächlich passiert, ist unklar. Denn die Veränderung des antarktischen Eispanzers ist eine der größten Unbekannten des bevorstehenden Klimawandels.

Ein Seehund liegt auf einer Eisscholle

Schelfeis kann eine Dicke von bis zu einem Kilometer erreichen

Schelf- und Meereis

Nicht alles Eis der Antarktis liegt über dem Festland. Die antarktischen Gletscher fließen mit Geschwindigkeiten von bis zu einigen Kilometern pro Jahr ins Meer. An der Küste brechen die Gletscher nicht direkt ab, sondern schieben gigantische Eisplatten über das Wasser. Dieses sogenannte Schelfeis erreicht in der Antarktis eine Dicke von bis zu einem Kilometer und ist fest mit den Gletschern auf dem Festland verbunden. In einigen Buchten nimmt das Schelfeis riesige Ausmaße an. Die Fläche des größten, des Ross-Schelfeises, entspricht in etwa der Größe Frankreichs.

Der in seiner Ausdehnung stark von der Jahreszeit abhängige, im Winter teils über 1000 Kilometer breite Eisgürtel um die Antarktis besteht größtenteils nicht aus Schelf- sondern aus Meereis. Meereis entsteht aus gefrorenem Ozeanwasser und bildet mit bis zu zwei Metern Dicke wesentlich dünnere Eisplatten als das Schelfeis.

Gigantische Eisbrüche

Am Rand des bis zu einen Kilometer dicken Schelfeises lösen sich immer wieder Eisberge ab und treiben hinaus aufs Meer. Die abgebrochenen Eisberge werden ihrer flachen, ebenen Form wegen auch Tafeleisberge genannt.

In der jüngeren Vergangenheit lösten sich von der Antarktischen Halbinsel mehrere Schelfeisstücke von außergewöhnlicher Größe. Seit Mitte der 80er Jahre verkleinerte sich das Larsen-Schelfeis um zwei Drittel. Und im Frühjahr 2008 löste sich eine 405 Quadratkilometer große Fläche aus dem Wilkins-Schelfeis. Der Grund für den Eisschwund ist Klimaforschern zufolge eine örtliche Erwärmung auf der Antarktischen Halbinsel. Denn an diesem Ort stieg die Jahresdurchschnittstemperatur in den letzten 50 Jahren um rund 2,5 Grad Celsius.

Ein Eisstück bricht von einem Eisberg.

Abgebrochene Eisstücke erhöhen den Meeresspiegel nicht

Die abgebrochenen Schelfeisstücke selbst erhöhen den Meeresspiegel nicht. Sie schwammen ja auch vor ihrem Abbruch im Meer und verdrängten dabei nach dem Archimedischen Prinzip vorher schon die gleiche Menge Wasser wie die später im offenen Meer treibenden Eisblöcke. Trotzdem bereiten die Abbrüche vielen Wissenschaftlern Sorge. Sie könnten das Vorwarnzeichen für einen viel größeren Rückgang des Schelfeises sein. Ohne das vorgelagerte Schelfeis könnten die Festland-Gletscher schneller ins Meer fließen und so zu einem Anstieg des Meeresspiegels beitragen. Das Schelfeis besitzt eine Stützfunktion gegenüber den Festland-Gletschern und verhindert das Abfließen größerer "Eiszungen".

Pumpe der Meeresströmungen

Das Schelfeis verlangsamt nicht nur das Abfließen der Festland-Gletscher. Es spielt darüber hinaus noch eine andere wichtige Rolle im weltweiten Klimageschehen. Das Schelfeis ist sozusagen der Motor für ein weltweites System von Meeresströmungen. Diese Strömungen transportieren gewaltige Wärmemengen von den wärmeren Gegenden rund um den Äquator in kalte Regionen. Das Schelfeis wirkt dabei wie eine gigantische Umwälzpumpe. Unter dem Eis kühlen die warmen Oberflächenströme so stark ab, dass sie nach unten sinken und als kalte Tiefenströme zurück Richtung Äquator fließen.

Schmelzen oder Wachstum?

Der bisher gemessene Anstieg des Meeresspiegels ist vor allen Dingen auf die Ausdehnung des Meerwassers durch eine Erhöhung der Wassertemperatur zurückzuführen. Wie stark sich der Meeresspiegel aber zukünftig durch schmelzendes Eis erhöht, entscheidet sich zu großen Teilen in der Antarktis. Denn dort lagern rund 90 Prozent des weltweiten Eises.

Die bisherigen Messreihen erlauben es allerdings nicht, die Entwicklung des antarktischen Festlandeises sicher vorherzusagen. Nicht einmal für den gegenwärtigen Zeitpunkt kann ein eindeutiger Trend ausgemacht werden. Der westantarktische Eisschild gilt schon seit längerer Zeit als instabil und in den letzten Jahren wurde genau dort ein verstärktes Gletscherschmelzen beobachtet. Das Eis in der Ostantarktis scheint sich allerdings genau entgegengesetzt zu entwickeln und nimmt momentan eher zu. Daher ist bis jetzt ungewiss, ob das Landeis über der Antarktis insgesamt schmilzt oder zunimmt.

Paradoxerweise gehen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass die Eismassen der Antarktis in Folge der globalen Erwärmung eher zu- als abnehmen. Denn in der Antarktis ist es so kalt, dass die Temperaturen auch in 100 Jahren höchstwahrscheinlich noch deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen. Die Temperaturerhöhung würde dann zumindest nicht direkt zu einer verstärkten Eisschmelze, sondern eher zu einem gegenteiligen Effekt führen. Denn wärmere Luft kann insgesamt mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kältere. Daher würde es nach einem leichten Temperaturanstieg über der Antarktis vermutlich stärker schneien und die Eismasse nähme insgesamt zu.

Autor: Tobias Schlösser

Stand: 04.02.2016, 09:00

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