Andreas Kieling

Nahaufnahme von Andreas Kieling

Bär und Mensch

Andreas Kieling

Von Ragnar Vogt

"Bärenmann" nennt man ihn, spektakuläre Aufnahmen von Grizzly und Eisbär machten ihn berühmt. Andreas Kieling ist einer der renommiertesten Tierfilmer der Welt. Er geht ganz nah ran an gefährliche Tiere wie Komodowaran, Salzwasserkrokodil oder Berggorilla – und er erzählt fesselnde Geschichten von seinen Expeditionen rund um die Welt.

Ein renommierter Tierfilmer

Das Filmbild fängt an zu wackeln. Man sieht einen Mann mit blonder Mähne und aufgerissenen Augen. Nur wenige Meter den Weg herunter steht ein gewaltiger Grizzlybär. "Verschwinde! Hey Bär, geh zurück! Hey, das ist nah genug!", schreit er - der Bär zögert kurz, dann hat er ein Einsehen, dreht sich um und geht.

So kennt man den Tierfilmer Andreas Kieling: Er geht nah heran an die gefährlichsten Tiere und er weiß, wie er mit ihnen umgehen muss. Das Spezielle an seinen Filmen: Andreas Kieling macht sich selbst zum Teil der Geschichte. Er zeigt die Abenteuer, die er auf seinen Expeditionen erlebt – so haben die Zuschauer immer das Gefühl, etwas Besonderes zu erleben.

Andreas Kieling ist inzwischen einer der renommiertesten Tierfilmer der Welt. Seine packenden Geschichten von Wölfen, Bären und Waranen sind nicht nur im deutschen Fernsehen beliebt, auch internationale Sender wie BBC und National Geographic Channel zeigen sie gerne. 2008 erhielt er den Panda Award, der Preis gilt als Oscar des Tierfilms.

Andreas Kieling bei Dreharbeiten in Afrika

Andreas Kieling filmte schon auf der ganzen Welt

Der Bärenmann

Eine Tiergattung hat es ihm besonders angetan: die Bären. Mit spektakulären Bildern von ihnen wurde Andreas Kieling bekannt. So gelang es ihm etwa als erstem Tierfilmer, Eisbären bei der Paarung zu filmen.

Jahrelang begleitete er Bären. Höhepunkt: die "Freundschaft" mit einer Bärenmutter und ihren Jungen. Er begleitete sie über Monate und die Bärenmutter tolerierte seine Nähe. Es verwundert nicht, dass er den Spitznamen "Bärenmann" trägt.

Mit seinen Filmen will Andreas Kieling den Zuschauern die Schönheit der Natur zeigen – und sie mit spannenden Geschichten unterhalten. Doch das ist für ihn kein Selbstzweck: Er möchte damit die Menschen zu einem bewussteren Umgang mit der Umwelt sensibilisieren, damit nicht noch die letzten Wildnisse der Welt verloren gehen.

Spektakuläre Flucht aus der DDR

Andreas Kieling wird 1959 geboren. Schon als Kind sehnt er sich nach fernen Ländern, er verschlingt die Abenteuerbücher von Jack London, Mark Twain und Ernest Hemingway. Doch die Schauplätze der Romane sind für ihn damals unerreichbar: Er lebt hinter dem Eisernen Vorhang in der DDR, im thüringischen Gotha.

Als er 16 Jahre alt ist, entschließt er sich zu fliehen. Er reist in die damalige Tschechoslowakei. Sein Plan: Er will die Donau durchschwimmen, um nach Österreich zu kommen.

Doch Grenzer entdecken ihn, noch bevor er den Fluss erreicht. Er rennt zum Wasser und beginnt zu schwimmen. Die Uniformierten schießen ihm Maschinengewehrsalven hinterher. Eine Kugel trifft ihn im Rücken, seine Beine sind kurzzeitig gelähmt. Mit letzter Kraft, nur mit den Armen schwimmend, gelangt er ans rettende österreichische Ufer.

Im Westen beginnt er das erträumte Abenteuerleben. Er fährt zur See, macht eine Ausbildung zum Jäger und Forstwirt, er arbeitet in China, Indien und Pakistan. Doch das reicht ihm nicht. Er hat den Traum, Tierfilmer zu werden.

Kamera statt Oldtimer

Im Jahr 1991 wagt er es dann, seinen Traum umzusetzen: Er bereist zusammen mit seiner Frau Birgit per Paddelboot den Yukon, durchquert dabei Kanada und Alaska. Im Gepäck eine 16-Millimeter-Filmkamera, für die er seinen geliebten Oldtimer verkauft hat.

Andreas Kieling hat die Filmerei nie gelernt, er hat keinen Auftrag von einem TV-Sender, dennoch kommt er Monate später mit genügend Material für einen Film zurück nach Deutschland. Spektakuläre Aufnahmen von Grizzlys überzeugen einen Redakteur beim WDR, Andreas Kielings erster Film läuft als Zweiteiler im Fernsehen.

Abenteuerland Deutschland

Noch heute filmt er gerne in Kanada und Alaska, manche Grizzly-Familien begleitet er über Jahre. Spätere Projekte bringen den Tierfilmer zu anderen entlegenen Gegenden der Welt.

In einem afrikanischen Regenwald entdeckt er die Sanftmut der Berggorillas, er taucht im australischen Outback mit Salzwasserkrokodilen und durchstreift die kirgisischen Steppen auf der Suche nach dem Marco-Polo-Argali, einem seltenen Riesenwildschaf.

In den vergangenen Jahren hat er ein neues Land für seine Abenteuerreisen entdeckt: Deutschland. So wanderte er mehrmals quer durch Deutschland, immer mit seinem Hund Cleo an der Seite.

Andreas Kieling mit seinem Hund Cleo

Hund Cleo ist immer an Andreas Kielings' Seite

Er filmte Luchse im Harz, Schwarzstörche in der Eifel – und Füchse in der Hauptstadt Berlin. Andreas Kieling sagt, in keiner Gegend dieser Welt finde man eine so abwechslungsreiche Natur wie hierzulande.

Stand: 03.09.2018, 10:11

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