Der Biber – Baumeister mit Kelle

Biber

Tiere als Architekten

Der Biber – Baumeister mit Kelle

Sein wichtigstes Werkzeug hat das drittgrößte Nagetier der Welt immer dabei: Die langen, scharfen Schneidezähne dienen als Holzsäge, mit denen der Biber Baumstämme fällen und zerlegen kann. Das Holz nutzt er als Baumaterial und als Nahrung.

Monogame Geselligkeit

Für den Pflanzenfresser Biber steht Baumrinde ganz oben auf der Speisekarte. Seinen Lebensraum bilden Flüsse und Seen mit bewaldeten Ufern. Er bevorzugt vor allem stille Gewässer mit flachen Uferzonen und Weichhölzer wie Weiden und Pappeln – sie sind einfacher zu fällen als Harthölzer.

Das Leben des Holzfällers spielt sich hauptsächlich im Wasser ab. Schwimmhäute zwischen den Hinterzehen und die Kelle – ein breiter, beschuppter Ruderschwanz – verhelfen dem an Land eher unbeholfenen Tier zu ausgezeichneten Schwimm- und Tauchkünsten.

Die monogam lebenden Biber wohnen gesellig in selbst gegrabenen Uferhöhlen mit unter Wasser mündenden Eingängen. Oft bauen sie auch mitten im See große Wasserburgen aus mit Schlamm abgedichteten Ästen und Zweigen.

Diese künstlichen Inseln können bis zu zwei Meter über den Wasserspiegel ragen. Im Inneren – über der Wasseroberfläche liegend – befindet sich eine Nestkammer. Sie ist mit Nagespänen ausgekleidet, trocken und wohltemperiert.

Eine weitere architektonische Meisterleistung der Biber sind ihre Staudämme: Aus Baumstämmen, Zweigen, Felsblöcken, Steinen und Schlamm bauen sie Wehre, um den Wasserstand zu regulieren. So können sie die Fließgeschwindigkeit bestimmen und verhindern, dass die Eingänge der Biberburg trocken fallen.

Beim Errichten ihrer Bauwerke sind vor allem die Vorderpfoten ein unentbehrliches Hilfsmittel: Mit ihren Fingern können sie Äste greifen und Lehm zur Abdichtung fest drücken. Manchmal verlanden die einstmals von Bibern bewohnten Gewässer. In Nordamerika sind auf diese Weise – durch die Arbeit des tierischen Landschaftsgestalters - tausende von Hektar fruchtbaren Ackerlands entstanden: Teile der Stadt Montreal befinden sich auf ehemaligem Bibergelände.

Biberburg spiegelt sich im Wasser

Biberburgen sind technische Meisterleistungen

Begehrtes "Bibergeil"

Die Verfolgung des Bibers durch den Menschen führte zu einer rapiden Abnahme der Tiere in Europa, bis hin zur fast vollständigen Ausrottung in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts.

Zum einen wurde der Biber wegen seines außergewöhnlich dichten Pelzes bejagt. Zum anderen war das so genannte "Bibergeil" – ein aromatisches Sekret aus den Afterdrüsen – sehr begehrt. Es wurde als Wundermittel gegen Krämpfe, Hysterie und viele andere Krankheiten verwendet.

Nicht zuletzt machen dem Biber auch Flussbegradigungen oder die Trockenlegung von Auenwäldern zu schaffen. Mittlerweile bewahren jedoch Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekte den pelzigen Architekten vor einem weiteren Rückgang. Heute leben laut "Bund Naturschutz" wieder etwa 26.000 Biber in Deutschland, in Europa sind es zwischen 500.000 und 700.000 Tiere.

Bei vielen Menschen sind die Wasserbaumaßnahmen des Bibers jedoch nicht immer gern gesehen. Durch den Bau von Dämmen kann es zu Überflutungen kommen. Das Graben im Uferbereich führt zu Uferabbrüchen. Außerdem verursacht der Holzfäller eine Auflichtung der Wälder.

Die Konflikte zwischen Tierschützern und den von den Aktivitäten des Bibers betroffenen Parteien, etwa Förster, Landwirte oder Anwohner der Flüsse und Seen sind nicht ganz einfach zu lösen.

Durch sogenanntes Bibermanagement wird versucht, den verschiedenen Ansprüchen und Interessen – sowohl denen des "Baumeisters Mensch" als auch denen des "Landschaftsgestalters Biber" – gerecht zu werden.

Kanadischer Biber nagt Baumrinde ab

Mit ihren starken Zähnen können Biber beträchtliche Schäden an Bäumen verursachen

Autorin: Susanne Wagner

Stand: 04.04.2017, 13:28

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