Der Hirschkäfer – Auffällig und kurzlebig

Ein Hirschkäfer auf einem Ast

Tiere im Wald

Der Hirschkäfer – Auffällig und kurzlebig

Am liebsten mag der Hirschkäfer den Saft von Eichen, besonders gerne von faulenden Ästen. Doch die findet er in deutschen Wäldern immer seltener. Deshalb steht er seit vielen Jahren auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Totes Holz als Nahrung für den Nachwuchs

Ganz schön gefährlich sieht der Hirschkäfer aus. Doch er ist vollkommen harmlos, kann höchstens mit seinen Mundwerkzeugen zwicken, wenn man ihn in die Hand nimmt. Will das Hirschkäfer-Männchen einen Rivalen vertreiben, versucht es, diesen mit den Geweihzangen vom Baum zu stoßen.

Dabei geht es nie darum, den Konkurrenten zu verletzen oder gar zu töten, sondern herauszufinden, wer der Stärkere ist und sich mit dem Weibchen paaren darf. Das geschieht in der Nähe von offenen Baumwunden, wo sich Männchen und Weibchen treffen – angelockt vom Geruch des austretenden Saftes.

Nach der Paarung suchen die Weibchen nach einem geeigneten Ablageplatz für ihre Eier. Die Larven benötigen morsches Holz als Nahrung. Deshalb legt das Weibchen seine Eier an die Wurzeln von toten und absterbenden Bäumen oder unter halb im Boden liegende Stammstücke.

Dort zerkleinern die bis zu zehn Zentimeter langen Käferlarven das morsche Holz zu Mulm. Dieser besteht aus Holzspänen sowie dem Kot der Tiere und ist sehr nährstoffreich.

Der Fressprozess, aus dem der Mulm hervorgeht, ist für das Wachstum der Larven dagegen nur wenig ergiebig, ist doch das tote Holz an sich sehr nährstoffarm. Deshalb dauert es zwischen drei und sieben Jahren, bis der fertige Käfer schlüpft.

Betrunkene Käfer

Den erwachsenen Hirschkäfer findet man nur von Anfang Juni bis etwa Mitte August. Seine Lebenserwartung ist mit etwa acht Wochen sehr gering. Bei Anbruch der Dunkelheit machen sich die Hirschkäfer fliegend – und brummend – auf die Suche nach saftenden Baumwunden. Das sieht nicht sonderlich elegant aus, da die Käfer relativ groß und schwer sind.

Der Saft enthält Quercitin, Eichenzucker, der als Nahrung für den sehr anstrengenden Flug gebraucht wird. Der Saftfleck an der Rinde wird oft von Bakterien besiedelt, die den Zucker zu Alkohol vergären. Manchmal fallen die Hirschkäfer dann berauscht zu Boden, wenn sie von dem Saft getrunken haben.

Zwei kämpfende Hirschkäfer-Männchen

Beim Kampf soll der Gegner vom Ast gestoßen werden

Eichenrollen für die Larven

Um den Hirschkäfer zu fördern, hat der schwäbische Förster Ernst Tochtermann einen Ablageplatz für die Larven entwickelt: den Totholz-Meiler. Dafür werden etwa 30 Zentimeter lange Eichenrollen senkrecht rund zehn Zentimeter tief in den Boden eingegraben, in einem Kreis mit zwei bis drei Metern Durchmesser.

Diese Rollen fangen nach und nach an zu faulen und bieten so den Larven genügend Nahrung. Der Vorteil des Totholz-Meilers ist, dass man keine ganzen Stämme liegen lassen und damit auf Nutzholz verzichten muss.

Doch die Situation des Hirschkäfers hat sich in Deutschland nicht wesentlich verbessert. Immerhin sieht man ihn in den Sommermonaten im Südwesten, Westen und in der Mitte Deutschlands umherfliegen. Besonders in den warmen Regionen Baden-Württembergs – in der Oberrheinebene – ist er relativ weit verbreitet.

Zwei Hirschkäfer bei der Paarung

Nach der Paarung legen die Weibchen rund 20 Eier

Autorin: Alexandra Stober

Weiterführende Infos

Stand: 29.08.2017, 11:12

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