Wald der Zukunft

Symbolbild Gen-Schere

Waldsterben

Wald der Zukunft

Wäre es nicht wunderbar, wenn Bäume plötzlich resistent gegen Schädlinge wären? Wenn der Borkenkäfer keine Chance mehr hätte? Oder wenn man auf Giftmüllkippen nur Bäume pflanzen müsste, die mit ihren Wurzeln die Schwermetalle aufnehmen und abbauen?


  • Gentechnik: Bäume sollen schneller wachsen oder mehr CO2 absorbieren.
  • Es würde ein industriefreundlicher Wald entstehen.
  • Jedoch würde ein vielseitiger Lebensraum verloren gehen.
  • Gen-Bäume sind in Europa bisher nicht zugelassen.

Industriebäume dank Gen-Technik

Die Gentechnik kann Bäume mit Eigenschaften ausstatten, die sie von Natur aus nie hätten. So dient zum Beispiel die Pappel als beliebtes Versuchsobjekt, da ihr genetischer Code verhältnismäßig einfach ist.

Mithilfe von Viren, die als Überträger der Gen-Sequenzen benutzt werden, schleusen Wissenschaftler Erbgut in die Zellen, das etwa das Wachstum der Bäume beschleunigen soll. Das bedeutet mehr Holz in kürzerer Zeit und damit mehr Profit für den Waldbesitzer.

Pappelallee im Nebel.

Die Pappel ist ein beliebtes Forschungsobjekt

Erdölfirmen investieren in Versuche, um die Effektivität zu steigern, mit der Bäume Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Luft aufnehmen. Die Logik dahinter: Wenn Bäume mehr CO2 aus der Luft absorbieren, können wir weiterhin guten Gewissens fossile Brennstoffe verfeuern, ohne dass der Treibhauseffekt zunimmt.

Die Papierindustrie ist ebenfalls an den Möglichkeiten der Gentechnik interessiert. Sie will den Bäumen an die Zellulose. Störend dabei ist das Lignin, das die Stämme hart und holzig macht. Lignin muss mit großem Aufwand entfernt werden.

Darunter leidet die Umwelt, denn hierfür werden giftige Chemikalien eingesetzt. Also wäre scheinbar allen gedient, wenn wir die Bäume nur ein bisschen umbauen. Die Industrie gewinnt und gleichzeitig wird unsere Umwelt sauberer.

Ein Gabelstapler mit einer riesigen Papierrolle in einer Papierfabrik.

Die Papierindustrie möchte Holz ohne Lignin

Industrieplantage Wald

So positiv klingt das Ganze aber höchstens in der Broschüre eines Biotechnologie-Konzerns. Anderswo wird diese Entwicklung mit großer Skepsis betrachtet. Würde der Wald der Zukunft tatsächlich aus solchen Bäumen bestehen, wäre er vielleicht eine industriefreundliche Plantage, aber der Wald als vielseitiger Lebensraum würde verloren gehen.

Nur ein Beispiel: Wären plötzlich tatsächlich alle Bäume resistent gegen Schädlinge, die sich in ihre Rinde bohren, dann würde auch den Spechten die Lebensgrundlage entzogen. Schließlich ernähren sie sich von Borkenkäfern und anderen Schädlingen.

Das gesamte natürliche Nahrungsnetz ist noch viel komplexer und sehr viele Tier- und Pflanzenarten sind voneinander abhängig. Ein Glied dieser Kette zu stören, kann weitreichende und ungeahnte Folgen haben.

Auch ein Gentransfer von modifizierten Bäumen auf andere Arten wäre denkbar. Was, wenn ein Baumpilz ein Gen aufnimmt, das nun auch ihn vor Insektenfraß schützt, und die Pilzart sich dadurch völlig ungehindert ausbreiten kann?

Die Bedenken gegenüber genmanipulierten Bäumen sind umso größer, da Bäume sehr lange leben und sich auch über große Entfernungen fortpflanzen können. Deshalb gibt es auch Bestrebungen, die Pflanzen steril zu züchten, um eine unkontrollierte Verbreitung zu verhindern.

Dennoch werden in den USA und in China bereits Gen-Bäume angepflanzt. In Europa dürfte es aber noch einige Jahre dauern, bis die Forschung so weit ist.

Autor: Dirk Neumann

Stand: 09.08.2017, 09:00

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