Dumme Vögel?

Eine Elster sitzt auf einem Stein

Wellensittiche

Dumme Vögel?

Sind Vögel dumm?

Lange Zeit galten Vögel schlicht als dumme Lebewesen. Der Grund dafür war, dass ihr Gehirn sich stark von dem des Menschen oder von anderen Säugetieren unterscheidet. Der zerebrale Kortex, ein Teil des Gehirns, dem Forscher das intelligente Handeln beim Menschen zuordnen, ist bei Vögeln kaum ausgebildet.

Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass diese Sichtweise zu kurz greift: Während beim Menschen die Intelligenz standardisiert gemessen wird, zum Beispiel mit Hilfe des Intelligenz-Quotienten, ist die Intelligenz bei den unterschiedlichen Vogelarten verschieden ausgeprägt.

So kann eine Vogelart auf einem Gebiet weniger begabt sein, auf einem anderen hingegen zu intelligenten Höchstleistungen auflaufen. Die Brieftaube kann sich zum Beispiel nur wenige Futterplätze merken, dafür hat sie einen stärkeren Orientierungssinn als andere Vögel.

Eine Taube sitzt auf einem Briefkasten

Brieftauben haben einen guten Orientierungssinn

Elstern hingegen haben ihre Stärke im Erinnerungsvermögen. Sie können gezielt einen zuvor versteckten Gegenstand suchen. Für die Elster ist dies lebenswichtig, denn nur so kann sie in schlechten Zeiten ihre Futterverstecke wiederfinden.

Diese sogenannte Objektpermanenz wurde an der Universität Bochum bei der Elster nachgewiesen. Die Vögel konnten sich erinnern, wo der Gegenstand liegt, auch wenn dieser mehrere Male woanders hingelegt wurde. Zu solch einer Leistung sind sonst nur Menschen, Hunde und Affen fähig.

Forscher glauben sogar, dass Elstern eine Ich-Wahrnehmung haben. Schauen sie in den Spiegel, lässt ihre Reaktion darauf schließen, dass sie sich selbst im Spiegelbild erkennen. Wenn dies tatsächlich stimmen sollte, wäre der Philosoph René Descartes (1596-1650) widerlegt, der diese Fähigkeit nur dem Menschen zuschrieb.

Der Wellensittich macht vor dem Spiegel kein so gutes Bild. Auch nach Jahren behandelt er sein Spiegelbild wie einen Artgenossen – die Selbstreflektion ist wohl nicht seine Stärke. Dafür ist er ein kleiner Rechenmeister: Bei Versuchen wurde herausgefunden, dass er mindestens bis drei zählen kann – natürlich tut er das nur, wenn er weiß, dass diese gedankliche Anstrengung mit einer Handvoll Körner entlohnt wird.

Fast unheimlich ist die Leistung des Graupapageis Alex. Der 2007 verstorbene Vogel konnte sich sogar richtig mit seinen Trainern unterhalten. Dabei plapperte er nicht nur nach, was er aufschnappte, sondern konnte auf Fragen antworten. Wenn seine Besitzerin ihm ein blaues und ein grünes Holzstück zeigte und ihn fragte, wodurch sich die beiden unterscheiden, so antwortet der Papagei: "Farbe". Ebenso war er in der Lage, zwischen Materialien und Formen zu unterscheiden und diese zu benennen.

Ein Kongo Graupapagei sitz auf einem kleinen Ast.

Sind alle Graupapageien so schlau wie Alex?

Tauben sollen sogar zu abstraktem Denken beziehungsweise Erkennen in der Lage sein. Versuche in Tokio haben gezeigt, dass sie nach einer kurzen Vorbereitungszeit zwischen Bildern der Maler Monet und Picasso unterscheiden konnten und das nicht, weil sie sich die Bilder eingeprägt haben, sondern weil sie den Maler am Stil erkannten.

Autor: Götz Bolten

Stand: 06.11.2017, 12:00

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