Tschurjumow-Gerassimenko - der Komet im Portrait

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Tschurjumow-Gerassimenko - der Komet im Portrait

Der Komet "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" wurde erstmals auf einer Fotoplatte entdeckt und nach seinen beiden Entdeckern benannt: dem Kiewer Astronomen Klim Tschurjumow und der in Duschanbe arbeitenden Svetlana Gerassimenko, die die Aufnahme machte. Als Rosetta wegen der Startverzögerungen Komet "Wirtanen" nicht mehr erreichen konnte, wurde 67P/Tschurjumow-Gerassimenko" zum neuen Ziel erkoren. Und ist heute weit mehr als eine "Notlösung".

Graphik: Komet im Größenverhältnis zu Darmstadt

Der Komet im Größenvergleich zu Darmstadt

Eine bewegte Geschichte

Kometen wie 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, kurz "Tschuri", ziehen oft jahrhundertelang unerkannt durch unser Sonnensystem und umkreisen dabei die Sonne auf elliptischen Bahnen. Bis 1840 näherte sich "Tschuri" der Sonne in etwa bis auf 600 Millionen Kilometer, in etwa der vierfachen Distanz Erde – Sonne. (entspricht vier astronomischen Einheiten, kurz "AE"). Doch immer wieder werden Kometen-Bahnen von äußeren Einflüssen gestört und verändert. Der Vorbeiflug an Jupiter mit seinen starken Gravitationskräften führte zu einer Sonnenannäherung auf drei "AE". Weitere Begegnungen mit Jupiter sorgten dann sogar für eine Sonnenannäherung auf 194 Millionen Kilometer. Die weiteste Entfernung von der Sonne betrug bisher 858 Millionen Kilometer. Für eine komplette Umlaufbahn benötigt "Tschuri" 6,75 Erden-Jahre.

Viele bezeichnen Kometen als "schmutzige Schneebälle", weil sie hauptsächlich aus Staub, Eis und kleinen Gesteinsbrocken bestehen. Nähert sich "Tschuri" der Sonne, beginnt seine Eisschicht aufzutauen und auszugasen. Während des Sonnen-Vorbeiflugs 2002/2003 verlor Tschurjumow-Gerassimenko schätzungsweise 60 Kilogramm Staub pro Sekunde ins All, für 1982/83 sind sogar Werte von 220 Kilogramm pro Sekunde berechnet worden.

Erste Bilder vom Kern des Kometen lieferte das Hubble-Weltraumteleskop am 12. März 2003. Es ließ einen ovalen Himmelskörper von drei mal fünf Kilometern Größe vermuten. Diese Einschätzung war aber sehr ungenau, wie sich nach der Ankunft von Rosetta zeigen sollte.

Rosetta zeigt wahre Form

Als sich Rosetta 2014 67P/Tschurjumow-Gerassimenko nähert, zeigt sich, dass der Komet nicht die vermutete ovale, kartoffelähnliche Form besitzt. Im Juli können die Forscher die Silhouette schon so genau erkennen, dass klar wird: "Tschuri" besteht aus zwei größeren Anteilen. Einem größeren, etwa zweieinhalb Kilometer messenden "Rumpf" und einem kleineren, etwa anderthalb Kilometer messenden "Kopf". Die Form erinnert einige Forscher entfernt an eine Badeente. Vermutlich verändert sich die Form, wenn sich der Komet der Sonne nähert und Substanz verliert. Vor allem im "Halsbereich" scheint der Komet deutlich stärker auszugasen.

Dass "Tschuri" bereits in 600.000 Kilometern Entfernung von der Sonne auszugasen beginnt, hat viele Forscher überrascht. Seit Mai 2014 wurden die Ansätze des dabei entstehenden Kometenschweifs beobachtet. Der errechnete Materialverlust war aber noch sehr gering und belief sich auf wenige hundert Gramm pro Sekunde.

Zerklüftete Oberfläche

Oberflächenaufnahme des kometen Tschurjumow-Gerassimenko

Die Oberfläche von "Tschuri" 67P ist stark zerklüftet

Nicht nur die Form, auch die Struktur der Oberfläche überraschte die Forscher. Auf den hochaufgelösten Bildern ist eine stark zerklüftete Welt mit sehr unterschiedlichen Landschaftsformen zu sehen. Auffallend ist die Teilung des Doppelkörpers durch den markanten "Hals", dessen Oberfläche zunächst eben erscheint, jedoch von zahlreichen Blöcken übersät ist. Die beiden Körper des Kometen sind von Terrassen und rundlich-ovalen Senken überzogen, die durch scharfe Grate voneinander getrennt sind. Möglicherweise entstanden diese Gebiete, als "Tschuri" bei einem nahen Sonnenvorbeiflug extrem viel Material verlor. Da der Komet zum Großteil aus Eis besteht, vermuten die Forscher, dass das Innere sehr porös ist. Eine hieb- und stichfeste Erklärung für die abstrakten Formen haben die Wissenschaftler bisher aber noch nicht gefunden.

Rosetta begleitet "Tschuri" weiter

Wie sich die Oberfläche weiter verändert, wird Rosetta bis voraussichtlich November 2015 dokumentieren. Die Raumsonde begleitet den Kometen auch nach Abschluss der Landemission bei der Annäherung an die Sonne. Sie wird beim nahen Vorbeiflug an der Sonne ganz nahe beim Kometen sein und den Forschern erstmals zeigen, wie sich der Komet am sonnennächsten Punkt, dem sogenannten Perihel, verändert.

Autor: Robert Manz

Stand: 12.06.2015, 15:44

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