Schimpansen in Film und Fernsehen

Der Schimpanse Ronny aus der TV-Sendung "Ronnys Pop-Show" am Telefon.

Menschenaffen

Schimpansen in Film und Fernsehen

Von Jennifer Dacqué

Schimpansen sind uns von allen Menschenaffen am ähnlichsten. Etwa 98,8 Prozent ihres Genmaterials stimmt mit dem unseren überein. Vielleicht auch deshalb sind Schimpansen für den Menschen so faszinierend und werden für Film- und Fernsehproduktionen sogar als Haustiere gehalten.

Fehlinterpretation der Mimik

Doch während sich die Zuschauer über das vermeintliche Lachen eines Schimpansen freuen, sind Showauftritte für die Tiere oft eine Tortur. Das sogenannte Angstgrinsen der Affen wurde von Forschern inzwischen als Geste der Unterwerfung identifiziert – so wie auch wir Menschen manchmal aus Verlegenheit lächeln.

Auch die Schreie der Schimpansen, die gerne als Lachen interpretiert werden, sind häufig mehr Ausdruck von Panik als Freude. Zwar können Schimpansen durchaus lachen, doch dies klingt eher wie ein Husten und ist bei TV-Auftritten nur selten zu hören.

Schon lange tobt daher ein Streit zwischen Tierschützern und Schimpansen-Haltern. Die Organisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) betont regelmäßig, dass es wohl keinem Tier Spaß mache, zum Amüsement der Massen in alberne Kleidchen gesteckt zu werden oder Zigaretten rauchen zu müssen. Die Tierhalter hingegen versichern stets, den Schimpansen mache die Arbeit Spaß.

Undatiertes Foto des Schimpansen Petermann mit Apfel auf dem Kopf

Für unsere Unterhaltung ausgenutzt

Eine falsche Haltung kann Aggressionen schüren

Wenig überraschend ist daher, dass auch der Fall "Travis" unterschiedlich interpretiert wurde. Der 15-jährige Schimpanse lebte als Hausaufzucht in Stamford im US-Staat Connecticut und trat regelmäßig in TV-Werbespots und -Shows auf.

Seine Besitzerin berichtete stets stolz, wie menschlich Travis doch sei: Er ziehe sich selbst an und putze sich sogar die Zähne. Im Februar 2009 rastete Travis aus und griff eine Frau an, die bei der Attacke schwere Verletzungen erlitt. Travis wurde daraufhin getötet.

Für die PETA ein Zeichen, dass wilde Tiere nicht auf diese Weise leben sollten und dass Travis' Verhalten eine unvermeidliche Konsequenz seiner Haltung sei. Die Polizei in Stamford und die Besitzerin vermuteten hingegen, dass der Schimpanse wohl durch eine Borreliose-Impfung so aggressiv geworden sei.

Stand: 17.07.2019, 12:13

Darstellung: