Die Weinbergschnecke – Delikatesse im Eigenheim

Weinbergschnecke

Schnecken

Die Weinbergschnecke – Delikatesse im Eigenheim

Man kennt sie überbacken in Kräuterbutter bei einem leckeren Abendessen im Restaurant. Aber wer hat sie schon einmal in freier Natur gesehen? Die Weinbergschnecke ist durch Umweltverschmutzung und durch ehemals professionelles Sammeln selten geworden.


Beliebt, aber verfolgt

Die Weinbergschnecke ist unsere größte einheimische Landschnecke. Ihr Gehäuse kann einen Durchmesser von fünf Zentimetern erreichen. Dann dürfte es sich aber schon um ein älteres Exemplar handeln: Weinbergschnecken können immerhin 20 Jahre alt werden. Es gibt sogar vereinzelte Berichte über deutlich ältere Exemplare.

Die letzte Eiszeit hat sie in Südosteuropa überstanden, von wo aus sie sich dank der Erwärmung wieder zu uns ausgebreitet hat. Begünstigt sicherlich auch durch den Menschen, der ihr durch Rodung die für sie günstigen Heckenlandschaften schuf.

Schon von den Römern ist bekannt, dass sie diese Schnecke schätzten. In England wird sie daher auch "Roman snail" genannt. Diese Beliebtheit führte fast zur Ausrottung dieser Schnecke. Denn ihre kulinarischen Qualitäten sorgen für einen verhältnismäßig hohen Marktwert, der das Sammeln lukrativ machte.

Sieben in eigener Schale gebackene Weinbergschnecken, mit Kräuterbutter veredelt.

Weinbergschnecken gelten als Delikatesse

Erst seit die Weinbergschnecke unter Naturschutz steht, ist zumindest diese Gefahr gebannt. Heute stammen die gehandelten Schnecken aus Zuchtbetrieben.

Die Weinbergschnecke bevorzugt Lebensräume mit kalkreichen Böden. Obwohl sie große Mengen Grün vertilgen kann, gilt sie nicht als großer Gartenschädling. Zum einen ist sie viel zu selten, zum anderen zieht sie welke Pflanzenteile normalerweise vor.

Im Liebesspiel stehen zwei Weinbergschnecken frontal gegenüber und pressen den vorderen Teil ihres Fußes gegeneinander.

Bei der Paarung können sich die Partner gegenseitig befruchten

Zucht als Rettung?

Theoretisch dient die Zucht von Weinbergschnecken dazu, ihre Art zu erhalten: Denn, so die Idee, züchtet man die Weinbergschnecke, lohnt es sich nicht mehr, auch die letzten Exemplare in freier Wildbahn zu wildern.

Leider gilt die Zucht der echten Weinbergschnecke, Helix pomata, in Frankreich, dem Hauptabnehmer, als nicht ganz so einfach. Oftmals werden daher die Schnecken nicht gezüchtet, sondern nur Jungtiere aus Ländern importiert, in denen sie nicht geschützt sind, und dann lediglich gemästet.

Dabei gibt es in Süddeutschland eine lange Tradition der Züchtung auch der edelsten Arten. In der naturnahen Schneckenzucht wird auf die spezifischen Bedürfnisse der Schnecken Rücksicht genommen. Das kostet zwar ein wenig mehr, aber man erhält dafür besser schmeckende Schnecken, ohne die Natur zu belasten.

Einige große Weinbergschnecken sitzen auf Haufen von Grünzeug in einer Zuchtanlage und fressen.

Weinbergschnecken in einer Zuchtanlage bei Brandenburg

Ein ähnliches Problem wie bei der Zucht der Weinbergschnecke tritt auch bei anderen wirtschaftlich bedeutsamen Speiseschnecken auf. So auch bei der Abalone, einer Meeresschnecke. Diese wird in Amerika und vor allem Asien heiß begehrt und hoch bezahlt. Dies hat zur Folge, dass sie zum Beispiel an der südafrikanischen Küste, wo sie unter Naturschutz steht, massiv gewildert wird.

Es haben sich sogar Mafia-ähnliche Strukturen gebildet, die Hehlerei und Versand durchführen. Arme Arbeitslose verrichten im Auftrag der Hehler den gefährlichen Job im Meer, immer in Gefahr, eine hohe Gefängnisstrafe zu erhalten. Hier verhindern Armut und kriminelle Energie den Schutz der zusammenbrechenden Abalone-Bestände.

Autor: Vladimir Rydl

Stand: 18.08.2016, 13:00

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