Der Luchs – Verfolgt und verstümmelt

Der Luchs – Verfolgt und verstümmelt Planet Wissen 04.09.2019 04:39 Min. Verfügbar bis 04.09.2024 ARD-alpha

Wildtiere in Deutschland

Der Luchs – Verfolgt und verstümmelt

Seit den 1970er Jahren versuchen Tierschützer, in Deutschland wieder Luchse anzusiedeln. Die Bemühungen sind erfolgreich, doch nicht alle Menschen freuen sich darüber. Immer wieder finden Tierschützer tote und verstümmelte Tiere.

Im Mai 2015 macht ein Mitarbeiter vom Bund Naturschutz einen grausigen Fund: Im Bayerischen Wald findet er vier abgeschnittene Luchsbeine. Sie waren nicht versteckt, sondern lagen offen herum. Eine Provokation für die Tierschützer.

„So nach dem Motto: Wir können Luchse schießen, ihr werdet uns nie erwischen.“ Jens Schlüter, Bund Naturschutz.

2017 ein ähnlicher Fall im Berchtesgadener Land: Das Luchsmännchen Alus wird ohne Kopf und Vorderpfoten aus dem Saalachsee geborgen.

Das Töten der Luchse ist eine Straftat, bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen dem oder den Tätern. Bislang wurde aber noch keiner erwischt. Die Tierschützer wundert das nicht. In der Region werden immer wieder Luchse getötet, manche vermuten sogar Jäger hinter den Taten.

Jäger als Täter?

Die zuständige Behörde, das Bayerische Landesamt für Umwelt, mag sich zu den Spekulationen nicht äußern. Bislang wurde noch nie ein Täter bei Luchstötungen in Bayern ermittelt, eine ernüchternde Bilanz für den Tierschutz.

Dabei sind seit 2007 im Bayerischen Wald mindestens acht erwachsene Luchse spurlos verschwunden (sowie vermutlich noch einige Jungtiere). Das beweisen Aufnahmen von Fotofallen.

Eine Chronologie:

  • 2015: Vier abgeschnittene Luchsbeine von zwei Tieren – offen platziert in der Nähe einer Fotofalle, dem wichtigsten Werkzeug der bayerischen Luchsschützer.
  • 2013: Eine trächtige Luchsin nahe Bodenmais wird mit einer Ladung Schrot erlegt, mit Jagdmunition.
  • 2012: Luchsforscher des Nationalparks finden das tote Luchs-Weibchen Tessa – und ihre letzte Beute: Ein Reh, an dem Tessa mehrere Tage gefressen hat. Untersuchungen ergeben, dass das Reh mit Gift präpariert wurde: Carbofuran, ein starkes Insektizid, das in Deutschland verboten ist. Sowohl bei der vergifteten Tessa als auch bei der erschossenen Luchsin werden die Ermittlungen nach kurzer Zeit eingestellt.

Autoren: Yvonne Maier/Herbert Hackl

Stand: 07.03.2018, 15:00

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