Die Tricks der Wolfsfilmer

Ein Wolfsrudel wird hinter einem Zaun von einem Fotografen fotografiert

Wölfe in Deutschland

Die Tricks der Wolfsfilmer

Von Ragnar Vogt

Wer Wölfe filmen will, braucht viel Geduld und Erfahrung. Ein Tierfilmer muss ihre Fährten lesen können, das Verhalten und auch das Revier der Wölfe kennen.

Wölfe in freier Wildbahn

Wölfe sind sehr scheue Tiere. Sie weichen dem Menschen aus und nutzen dabei all ihre Sinne, vor allem ihre extrem empfindliche Nase, ihre sehr guten Ohren und ihre auch bei Dunkelheit noch scharfen Augen. Außerdem haben sie einen guten Ortssinn und ein gutes Gedächtnis – so gelingt es ihnen, Gegenden zu meiden, in denen Menschen sind. Die Reviere der Wölfe sind eher groß. Und Wölfe leben ähnlich zurückgezogen wie ihre Beutetiere. Vom Menschen genutzte Wanderwege werden sie nur selten kreuzen.

All diese Eigenschaften machen es Dokumentarfilmern sehr schwer, die Tiere in freier Wildbahn vor die Linse zu bekommen. Hinzu kommt, dass Wölfe in Deutschland noch immer extrem selten sind. Die Zahl schwankt über die Jahreszeiten, insgesamt dürften es aber im ganzen Land nicht wesentlich mehr als ein paar hundert Einzeltiere sein.

Viele Tierfilmer behelfen sich daher mit Aufnahmen von Tieren in Gefangenschaft, etwa von Wölfen in den Gehegen der vielen Wildparks. Manche drehen auch mit dressierten Wolfshunden. Um aber Wölfe in freier Wildbahn zu filmen, muss man sich intensiv mit dem Verhalten der Tiere beschäftigen und lernen, ihre Fährten und sonstigen Spuren zu lesen.

In Deutschland hat sich vor allem der Verhaltensbiologe Sebastian Körner darauf spezialisiert, Isegrim zu filmen. Er war es auch, der 1991 die ersten Bilder von deutschen Wölfen drehte – die Aufnahmen waren so spektakulär, dass sie sogar in der Tagesschau liefen.

Eine Wolfsspur im Schnee

Dank der Schneespuren einfacher zu finden

Rendezvousplatz finden

Seine Herangehensweise ist immer sehr ähnlich: Die besten Aufnahmen bekommt er, wenn er den Rendezvousplatz eines Rudels findet. Das ist der Platz, an dem die Wolfsnachkommen des Rudels warten, wenn ihre Eltern tagsüber auf der Jagd sind. Dabei passen übrigens die Jährlinge auf die Welpen des aktuellen Jahrgangs auf.

Den Rendezvousplatz findet Sebastian Körner, indem er die Spuren der Wölfe verfolgt. Am besten gelingt das, wenn frischer Schnee liegt. Aber auch auf sandigen oder matschigen Wegen lassen sich die Abdrücke von Wolfstatzen finden. Man muss allerdings in der Lage sein, sie von den viel häufigeren Hundespuren zu unterscheiden.

Im Tarnzelt auf der Lauer

Hat Sebastian Körner den Rendezvousplatz gefunden, dann legt er sich dort auf die Lauer. Oft schon sehr früh morgens, manchmal tagelang. Um die Wölfe nicht zu verschrecken, ist ein Hochsitz am besten geeignet. Allerdings gibt es von dort oben nicht die besten Filmaufnahmen, schönere Bilder entstehen, wenn die Kamera ebenerdig steht.

Doch dann muss sich der Tierfilmer gut verstecken, um nicht vom Wolf entdeckt zu werden. Das geht etwa mit einem Tarnzelt. Sebastian Körner aber bevorzugt einen Tarnanzug, in dem er wie ein Baum aussieht. Damit ist er flexibler. Dann muss er noch beachten, dass er gegen den Wind steht. Nur so kann er vermeiden, von den Wölfen gerochen zu werden.

Sind alle Regeln beachtet, ist es leicht, Welpen und Jährlinge auf dem Rendezvousplatz zu filmen. Ganz junge Tiere laufen noch nicht mal weg, wenn sie den Tierfilmer entdecken. Sobald sie aber etwas älter sind, haben sie von ihren Eltern gelernt, dass sie Menschen lieber fürchten sollten.

Fotograf Sebastian Körner mit seiner Kamera in einem Tarnzelt zwischen hohen Gräsern

Im Tarnzelt versteckt zwischen den Büschen

Alttiere bekommt man selten vor die Kamera

So ist es auch für erfahrene Wolfsfilmer wie Sebastian Körner eine große Herausforderung, auch mal die Alttiere zu filmen. Sie spüren die Anwesenheit eines Menschen in manchen Fällen auch gegen den Wind. Nur mit ganz viel Glück und viel Ausdauer gelingen Körner ab und zu Aufnahmen von ausgewachsenen Tieren.

Noch schwieriger ist es, Wölfe außerhalb des Rendezvousplatzes zu filmen, während ihrer kilometerlangen Streifzügen auf der Suche nach Jagdbeute. Der Tierfilmer muss die Wege der Tiere intensiv studieren. Zum Drehen eignen sich Stellen im Revier, an denen die Tiere zwangsläufig auftauchen müssen – beispielsweise eine Engstelle zwischen zwei Seen. Wenn der Tierfilmer dann noch etwas Ausdauer mitbringt, könnte es mit etwas Glück klappen und ein Wolf vor die Linse kommen.

Drei Wölfe stehen heulend auf einem Felsen im Wald

Bilder wie diese haben Seltenheitswert

Weiterführende Infos

Stand: 02.09.2019, 15:13

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