Warum stresst der Hund beim Gassigehen?

Ein schwarzer Zwergpudel steht auf einem Weg

Hundehaltung

Warum stresst der Hund beim Gassigehen?

Chris Balke hat ein Problem mit seinem Zwergpudel (2,5 Jahre) und seinem Foxterrier (6 Jahre). Der Hundetrainer Martin Rütter antwortet auf seine Frage.

"Meine beiden Rüden verstehen sich in der Wohnung sehr gut. Aber: Sie bellen beim Gassigehen jeden Hund auf der Straße an und das, seit ich den Pudel vor zwei Jahren adoptiert habe. Vorher war der Foxi schon mehrere Jahre lieb und folgsam auf der Straße.

Wenn wir ohne Leine im Auslaufgebiet unterwegs sind, ist Foxi ganz der 'Alte', nur der Zwergpudel bellt alle Spielkumpels schon aus der Ferne an – ab und zu auch Menschen. Im Spiel ist er aber immer ausgesprochen freundlich. Dann bellt er auch nicht mehr!

Wie kann ich dem Zwergpudel abtrainieren, dass er im Wohngebiet und vor dem Toben so lästig bellt?"

Martin Rütter

Der Hundetrainer Martin Rütter antwortet:

"Hunde zeigen aus verschiedenen Gründen aggressives Verhalten an der Leine. Junge Hunde freuen sich in der Regel, wenn sie einen Artgenossen erblicken. Bedeutet das doch meistens ausgelassenes Spiel und viel Spaß miteinander.

Vor allem wenn der Mensch das entgegenkommende Mensch-Hund-Team kennt, und weiß, dass eine Begegnung mit Freilauf unproblematisch ist, wird die Leine oft schnell gelöst.

Und das auch, wenn der Hund währenddessen an der Leine aufgeregt herumspringt, nach vorne zieht, und vor Aufregung über das bevorstehende Spiel vielleicht noch zu bellen beginnt.

"Der Hund denkt: An der Leine zerren, führt zum Erfolg"

Damit lernt der Hund aber, dass an der Leine ziehen und zerren zusammen mit lautstarkem Gebell offensichtlich zum Erfolg führt.

Es kann also sein, dass Sie Ihren jungen Zwergpudel unbewusst verstärkt haben, als er zum ersten Mal dieses Verhalten zeigte, als Sie ihn mit etwa sechs Monaten aufgenommen haben.

Nun kann ein Hund aber nicht immer beim Kontakt mit anderen Hunden frei laufen gelassen werden. Sei es, weil gerade eine Straße in der Nähe ist, einer der Hunde krank ist oder man einfach keine Zeit für ein ausgiebiges Spiel hat.

Bekommt ein Hund, der gelernt hat, dass das Ziehen und Bellen an der Leine den Erfolg bringt, nicht die Möglichkeit zum Freilauf, wird er deutlich zeigen, was er gerne möchte.

"Um sein Ziel zu erreichen, zieht er immer stärker an der Leine"

Er wird noch stärker an der Leine ziehen, wird in die Leine springen, um loszukommen, und wird seinen Frust darüber, dass er keinen Erfolg hat, durch immer lauteres Gebell und Getöse deutlich machen.

Für ihn ergibt es nur Sinn, immer stärker in seinem Verhalten zu werden, da der Mensch ihn offensichtlich auf einmal nicht mehr versteht.

Da sich Ihre beiden Hunde miteinander gut verstehen, kann es sein, dass nun auch Ihr Foxterrier bellt, da sich die Stimmung auf ihn überträgt. Vielleicht fühlt er sich aber auch verantwortlich für den jüngeren Zwergpudel und bellt, um ihn zu unterstützen?

Es kann aber auch sein, dass Ihr Zwergpudel aus anderen Gründen an der Leine bellt, da er dieses Verhalten ja auch im Freilauf zeigt. So bellen manche Hunde aus Unsicherheit.

Sie können den entgegenkommenden Hund nicht einschätzen – und haben vielleicht früher einmal auch schlechte Erfahrungen bei Hundebegegnungen gemacht.

"Wenn sich Hunde begegnen, kann sie das stressen"

Leider sind vor allem Hundebegegnungen in Auslaufgebieten oder Hundefreilaufzonen nicht immer entspannt und stressfrei für viele Hunde.

Viele Hundehalter erkennen oftmals auch nicht direkt, wenn sich Ihr Hund sich unwohl fühlt. Ein lustig aussehendes Rennspiel entpuppt sich bei näherem Hinsehen oft als Jagd- und Mobbingsequenz, die für das 'Opfer' meist nicht viel Freude bringt.

Ihr Zwergpudel müsste in dem Fall lernen, dass er während einer Hundebegegnung nichts zu befürchten hat. Dazu müssen Sie die Hundekontakte regeln.

Sie müssen also im Vorhinein an der Körpersprache und dem Verhalten des entgegenkommenden Hundes erkennen, ob eine Begegnung für Ihren Zwergpudel entspannt verlaufen wird. Andernfalls sollten Sie beispielsweise die Richtung wechseln und einem Kontakt ausweichen.

"Holen Sie sich Hilfe in einer Hundeschule"

Wie Sie merken, gibt es gerade für das Problem 'Bellen an der Leine' bzw. 'Bellen bei Hundebegegnungen' viele verschiedene Ursachen, und dementsprechend auch vollkommen unterschiedliche Trainingswege.

Ich kann Ihnen daher nur raten, eine Hundeschule in Ihrer Nähe aufzusuchen. Der Hundetrainer wird sich dann Ihren Zwergpudel bzw.

Ihre beiden Hunde anschauen, und in Bezug auf den Kontakt mit anderen Hunden einschätzen. Daraufhin kann er Ihnen dann einen genau auf Sie und Ihre beiden Hunde abgestimmten Trainingsplan erstellen."

Über den Hundetrainer Martin Rütter

Martin Rütter war kürzlich zu Gast in Planet Wissen. Die ganze Sendung und weitere Informationen rund um den Hund finden Sie hier.

Viele Nutzer haben uns geschrieben, weil sie Probleme mit ihrem Hund haben. Martin Rütter hat angeboten, drei davon ausführlich zu beantworten.

Stand: 03.03.2017, 13:00

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