Warum zieht der Hund so heftig an der Leine?

Hund zieht an der Leine

Hundehaltung

Warum zieht der Hund so heftig an der Leine?

Marco Krebel hat ein Problem mit seinem Hund. Er schreibt:

"Mein Hund zieht an der Leine wie ein Esel. Er zieht so sehr, dass er teilweise schon 'würge-hustet'. Ich bin am Verzweifeln.

Halte ich ihn so, dass er seitlich von mir gehen muss, lehnt er sich so nach außen, dass man es nur kurz aushält. Es kostet sehr viel Kraft.

Bitte Herr Rütter, helfen Sie mir, denn mir vergeht so langsam die Lust am Gassigehen!"

Martin Rütter

Der Hundetrainer Martin Rütter antwortet:

"Für den Hund ist das Laufen an der Leine keinesfalls ein natürliches Verhalten. Er muss im Zusammenleben mit dem Menschen lernen, sich etwa an dessen Tempo anzupassen.

Dazu gehört natürlich erst einmal die Motivation des Hundes, sich an den Menschen anpassen zu wollen.

Ein Hund, der seinen Menschen weder spannend findet noch ihn bzw. dessen Bedürfnisse respektiert, wird nicht verstehen, dass es dem Menschen wichtig ist, dass er nicht an der Leine zieht.

Und es gibt oft noch ein Problem: Sie brauchen die Leinenführigkeit auch im Alltag, denn Sie müssen Ihren Hund anleinen, um von A nach B zu gelangen, und können die Wege nicht immer auf den Trainingsstand Ihres Hundes anpassen.

"Nutzen Sie ein Geschirr, an dem Ihr Hund ziehen darf"

Führen Sie Ihren Hund daher im Alltag an der Leine mit Hilfe eines Geschirrs, an dem Ihr Hund auch ziehen darf. Für das Training der Leinenführigkeit befestigen Sie dagegen die Leine am Halsband Ihres Hundes.

Die Leine sollte dabei nicht zu kurz sein, da Ihr Hund sonst ständig sofort in die gespannte Leine läuft. Natürlich darf die Leine aber auch nicht so lang sein, dass Ihr Hund sich ständig darin verheddert.

Ideal ist für mittelgroße Hunde meist eine Leine, die etwa zwei Meter lang ist. Trainieren Sie zunächst einmal ein Aufmerksamkeitssignal, das Ihrem Hund künftig signalisiert, dass etwas passiert. Zum Beispiel: Das Training beginnt oder ein Richtungswechsel steht an.

"Nutzen Sie ein Signalwort"

Als Signal können Sie entweder ein Geräusch wie ein Schnalzen wählen oder aber auch einfach ein besonderes Wort, wie 'Look' oder 'Schau'.

Warten Sie, bis Ihr Hund aufmerksam ist und Sie anschaut. Sprechen Sie dann das neue Signalwort aus und belohnen Sie Ihren Hund mit einem Futterbrocken. Nun geht es los, der erste Schritt an der Leine folgt.

Geben Sie Ihrem Hund dazu erst einmal das neu gelernte Aufmerksamkeitssignal. Schaut er Sie daraufhin an, laufen Sie einen Schritt geradeaus.

Ihr Hund wird folgen, neugierig auf das, was nun kommt. Da Sie wirklich nur einen Schritt nach vorne machen, wird die Leine locker bleiben und Sie können Ihren Hund belohnen.

Verlängern Sie nun die gelaufene Strecke schrittweise immer mehr. Wenn Sie bereits vier bis fünf Schritte mit Ihrem Hund an lockerer Leine zurücklegen können, ist es an der Zeit, einen Richtungswechsel einzubauen.

"Sagen Sie vor dem Richtungswechsel das Signal"

Damit Sie Ihren Hund nun nicht mit der plötzlich neuen Übung überraschen und etwa anrempeln oder ihm durch den Richtungswechsel weglaufen, sprechen Sie vor dem Richtungswechsel erst einmal Ihr Aufmerksamkeitssignal aus.

Schaut Ihr Hund Sie danach aufmerksam an, biegen Sie in die neue Richtung ab.

Erst wenn das Abbiegen in beide Richtungen sicher in allen Situationen klappt, setzen Sie die einzelnen Übungen zusammen. Kombinieren Sie dazu Ihre vier bis fünf Schritte Geradeauslaufen mit einem Winkel und schließen Sie daran noch einmal ein kurzes Stück Geradeauslaufen an.

"Steigern Sie die Trainingsschritte"

Sie werden merken, dass Sie die Trainingsschritte nun schneller steigern können. Doch Vorsicht: Sie sind noch weit davon entfernt, dass Ihr Hund eine Stunde lang entspannt neben Ihnen herläuft. Zumal das für Ihren Hund extrem langweilig ist!

Gestalten Sie daher das Leinenführtraining immer sehr abwechslungsreich. Dazu können Sie beispielsweise das Tempo variieren, laufen Sie einmal eine kurze Strecke im Laufschritt, und fallen Sie direkt danach in einen extrem langsamen Schritt.

Trainieren Sie nicht nur Winkel, sondern auch 180-Grad-Wendungen. Sie können sich auch spannende Untergründe suchen oder kleine Hindernisse im Weg miteinbauen."

Über den Hundetrainer Martin Rütter

Martin Rütter war kürzlich zu Gast in Planet Wissen. Die ganze Sendung und weitere Informationen rund um den Hund finden Sie hier.

Viele Nutzer haben uns geschrieben, weil sie Probleme mit ihrem Hund haben. Martin Rütter hat angeboten, drei davon ausführlich zu beantworten.

Stand: 03.03.2017, 13:00

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