Tschernobyl heute

Tschernobyl heute

Bilder aus der Sperrzone

Ein Riesenrad im verlassenen Freizeitpark von Pripyat

Nur vier Tage nach dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 sollte ein Freizeitpark eröffnet werden. Das Riesenrad überragt noch heute die Geisterstadt Pripyat, die unmittelbar an die Reaktoren grenzt. Selbst das Kassenhäuschen steht noch, verrostet und windschief.

Nur vier Tage nach dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 sollte ein Freizeitpark eröffnet werden. Das Riesenrad überragt noch heute die Geisterstadt Pripyat, die unmittelbar an die Reaktoren grenzt. Selbst das Kassenhäuschen steht noch, verrostet und windschief.

Bäume und Pflanze haben die Stadt Pripyat innerhalb von 30 Jahren zurückerobert. In den verlassenen Gebäuden lebten 47.000 Menschen, die einen Tag nach der Katastrophe ihre Heimat verlassen mussten. Im Hintergrund blitzen die Überreste des Kernkraftwerks Tschernobyl und die im Bau befindliche Schutzkuppel hervor. Und wer genau hinschaut, kann auch das Riesenrad erkennen.

Der mit einem Laubteppich bedecke Autoscooter gehört wie das Riesenrad zum Freizeitpark von Pripyat. Abreißen werden die Verantwortlichen die Attraktionen vorerst nicht – zu viel Strahlung würden sie dabei freisetzen.

Zwei Explosionen in Block 4 des Kraftwerks schleuderten am 26. April 1986 radioaktives Material in die Atmosphäre und hinterließen eine Ruine. Die Strahlung verseuchte weite Teile der Ukraine, Russlands und Weißrusslands – die größte nukleare Katastrophe der Geschichte.

Kein Zutritt: Die ukrainische Regierung hat eine Sperrzone in einem Radius von 30 Kilometern um das stillgelegte Atomkraftwerk gezogen. Doch die radioaktive Strahlung macht an dieser Grenze nicht Halt. Die Menschen in den nahe gelegenen Regionen in der Ukraine und in Weißrussland leiden heute noch an den Folgen der radioaktiven Verseuchung: Fehlbildungen aufgrund von genetischen Schäden, Schilddrüsenkrebs und Leukämie kommen häufig vor.

Auch diese Turnhalle im Sperrgebiet eroberten sich die Pflanzen zurück, nachdem die Einwohner Pripyat verlassen hatten. Sie sprießen sogar auf den Treppen und im ersten Stock.

Wildpferde haben nur wenige Meter vom Atomkraftwerk entfernt ihr neues Zuhause gefunden. Wissenschaftler berichten, dass heute fast genauso viele Tiere in der Region leben wie vor der Katastrophe – darunter Elche, Rehe, Wildschweine und Wölfe. Zwar scheinen sich die Populationen erfolgreich fortzupflanzen, wie gesund sie sind, ist allerdings unklar.

Nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen trauen sich heute wieder in die Sperrzone. Laut Reiseveranstaltern ist die Strahlung soweit abgesunken, dass ein mehrtägiger Trip ungefährlich ist. Besonders für Hobbyfotografen ist die Geisterstadt ein beliebtes Touristenziel. 2013 gab es bereits 17.000 Besucher.

Touristen besichtigen die alte Sporthalle von Pripyat. Die meterhohen Fenster sind längst herausgebrochen, die Scherben bedecken den Hallenboden.

Eine hinterbliebene Gasmaske im Krankenhaus erinnert an die Katastrophe von Tschernobyl. Die Puppen verraten, dass es sich hier um die Kinderstation handelt. Wer die vielen verlassenen Gebäude in Pripyat besichtigen möchte, muss eine Tour mit einem Reiseleiter buchen und zahlt je nach Anbieter von 90 Euro für einen Eintagestrip bis zu 670 Euro für eine 7-tägige Tour mit Übernachtung und Verpflegung (Stand: Februar 2016).

An den Wänden des verlassenen Krankenhauses können Touristen Malereien entdecken, die heute abblättern. Während die alte Kunst von Pripyat langsam verschwindet…

… kreieren Graffitikünstler neue Motive. Sieben Sprayer aus Deutschland, Weißrussland und Russland haben Figuren an die Wände gemalt, die an das einstige Leben in der Geisterstadt erinnern sollen.

Mit fünf Kränen wird gerade eine neue Schutzhülle für den havarierten Reaktor errichtet. 2017 soll sie über die rostigen Überreste von Block 4 geschoben werden und ihn für 100 weitere Jahre umschließen. Der alte Schutzmantel, der 1986 über der Ruine konstruiert wurde, war nur für eine Dauer von 20 bis 30 Jahren ausgelegt.

Stand: 05.09.2018, 09:09 Uhr

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