Yvonne Hofstetter warnt vor Manipulation

Big Data

Yvonne Hofstetter warnt vor Manipulation

Daten sind ein kostbares Gut. Yvonne Hofstetter gibt möglichst wenige davon preis. Die Expertin für Künstliche Intelligenz vertritt die These: Algorithmen sind eine Gefahr für die menschliche Freiheit.

Computer-Algorithmen sind eine Gefahr für unsere Freiheit, wenn sie darauf programmiert sind, Abweichungen auszuschalten, sagt Yvonne Hofstetter. Der Grund: Wenn man sie menschliches Verhalten berechnen lässt, fällt auf, wer vom Durchschnitt abweicht.

Nicht die ganze Gesellschaft, aber Teile der Gesellschaft könne man schon heute regeln und lenken, so Hofstetter. Noch geben wir Daten meistens freiwillig preis, aber "in den nächsten 10 bis 15 Jahren wird sich da viel ändern. Die Dinge um uns herum werden uns immer mehr bestimmen."

Roboter versus Künstliche Intelligenz

Roboter ist nicht gleich Künstliche Intelligenz (KI). Ein Roboter arbeitet zum Beispiel in der Automobilherstellung und macht immer wieder die gleichen Arbeitsschritte. KI sitzt auf einem Rechner in einem Rechenzentrum und lernt. KI muss strategische Entscheidungen unter Unsicherheit treffen. Es gibt bereits Verbindungen von Robotik und KI, die Technik steht aber noch ganz am Anfang. Die Entwicklung von KI stammt aus dem Militär. Sogenannte "weiche KI" wird inzwischen auch angewendet von Google, Amazon, Übersetzungs-, Bild- und Spracherkennungsprogrammen.

Datenanalyse und Human-Daten

Yvonne Hofstetter leitet eine Firma, die Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt und gleichzeitig warnt sie vor Künstlicher Intelligenz. Ein Widerspruch?

Nein, sagt Yvonne Hofstetter: "Das passt insofern zusammen, als dass künstliche Intelligenzen uns schon behilflich sein können, gewisse Probleme in komplexen, modernen Gesellschaften zu lösen."

Problematisch werde es dann, "wenn wir Künstliche Intelligenz, Datenanalyse und Big Data-Analytics anwenden auf Human-Daten. Das ist genau das, was [Theaterregisseurin] Ana Zirner in ihrem Projekt macht."

Yvonne Hofstetters Einschätzungen

  • Lenkung: "Wenn Sie Kontrolle ausüben möchten – sei es über eine Industrieanlage, einen Menschen oder eine ganze Gesellschaft – dann brauchen Sie Informationen darüber. Und das haben wir heute. Wir liefern diese Information, wir als Gesellschaft, indem wir unsere Messgeräte – sprich Smartphones – mit uns herumtragen, und dann ist die Versuchung groß, dass man diese Daten nutzt, um die Gesellschaft entsprechend zu leiten und zu lenken."
  • Datensparsamkeit: "Als einzelner ist es sehr schwer, etwas dagegen zu tun. Ich rate in dieser Frühphase, in der es wenige gesetzliche Regelungen gibt, zu Datensparsamkeit, aber das ist natürlich relativ schwierig zu machen. Natürlich können Sie freiwillig verzichten auf ein Smartphone. Ich tue das beispielsweise für mich selbst, aber das bedeutet, dass Sie an gewissen Leistungen in der digitalen Gesellschaft nicht mehr teilnehmen können. Sie haben einfach keinen Zugang mehr. 'Code is law' bedeutet eben auch, Zugang zu Leistungen erhalten Sie nur, wenn Sie bestimmte Technologien benutzen."
  • Grundrechte einfordern: "Diese Wirtschaftsakteure haben sich ausgebreitet in diesen virtuellen Raum hinein und verletzen dadurch unser Verständnis von Verfassung, von Menschenwürde. Und da muss man versuchen, dass wir diese Werte, die wir in Europa haben – Grundrechte, Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaat, die sind alle wirklich gefährdet – zunächst mal auf gesetzlichem Weg stärken. Das heißt, hier ist sehr wohl der Gesetzgeber gefordert und es geht darum, diese Grundrechte einzufordern."

Stand: 20.10.2016, 09:30

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