Kulturelles Erbe: Sicherer auf Mikrofilm oder Keramik?

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Kulturelles Erbe: Sicherer auf Mikrofilm oder Keramik?

Von Tanja Fieber und Boris Geiger

Was für uns privat gilt, gilt erst recht für Deutschland. Wie sichert eigentlich unser Staat Kulturgut langfristig? Antwort: tief unter der Erde im sogenannten Barbarastollen.

Auch bei der Sicherung von Kulturgut gilt: Speicher müssen autonome Systeme sein. Sie müssen maschinell beschrieben und gelesen werden können.

Archive in Deutschland schwören auf Mikrofilm – ein analoges Speichermedium, entwickelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Material ist aufgrund seiner Eigenschaften (noch) unersetzbar: Es ist robust, langlebig (500 Jahre), nicht hack- und fälschbar und man braucht kein Abspielgerät, sondern nur Licht.

Kultur-Wächter Barbarastollen

Die Filme werden in großen Spulen in Edelstahlfässer gelegt und luftdicht verschlossen. Die Fässer lagert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe seit 1975 in einem ehemaligen Bergwerksstollen ein, dem Barbarastollen in Oberried nahe Freiburg. Gut abgeschottet, tief im Berg, mit idealen Klimabedingungen. Benannt ist der Stollen nach der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute.

Projekt "Memory of Mankind"

Datensicherung auf Keramik-Fliese

Memory of Mankind: Datensicherung auf Keramik-Fliese

Eine Alternative zum Barbarastollen hat der Keramiker Martin Kunze ins Leben gerufen. Für das Projekt "Memory of Mankind", das durch Spenden finanziert wird, bannt er Daten auf Keramik-Fliesen. 500 davon lagern in zwei separaten Kammern in einem Salzbergwerk in Hallstatt.

Das Bergwerk ist noch in Betrieb. Die Fliesen werden mit einer speziellen Keramik-Farbe bedruckt und dann gebrannt. Nach Angaben von Martin Kunze sind sie bis 1200 Grad Celsius temperatur-, säure-, laugen- und strahlungsbeständig.

Memory of Mankind: Datensicherung auf Keramik-Fliese

Auf nur zwei dieser Tafel passen alle Harry Potter-Bücher

Bei "Memory of Mankind" soll Geschichte "von unten" erzählt werden. Privatleute können Texte einreichen und sollen gleichzeitig erklären, warum diese Texte für die Menschheit wichtig sind. Wer an dem Projekt teilnimmt, kann beeinflussen, was ausgewählt wird.

Die Fliesen sind 20 Zentimeter mal 20 Zentimeter groß. Eine Weiterentwicklung sind die noch kleineren, platzsparenden Tafeln mit keramischem Mirkofilm und kleinstbedruckt: Auf nur zwei solcher Tafeln passen alle sieben Bände von "Harry Potter". Um die Fliesen zu lesen, ist keine Software nötig. Es reicht eine Lupe.

Datenspeicher der Zukunft

  • DNA-Speicher: Einer der neuartigen Datenspeicher entstand als Scherz unter Kollegen bei einem Bier in einer Hotel-Bar, erzählt Nick Goldman vom European Bioinformatics Institute. Die Idee: Man könnte doch Informationen über das menschliche Erbgut, die DNA, nicht nur speichern, sondern die DNA gleich selbst als Speichermedium nutzen. Kein absurder Gedanke, wie sich zeigt. Digitale Daten können auf unser Erbgut geschrieben werden, wenn die Forscher einen Übersetzungsschlüssel finden, der den binären Code der Nullen und Einsen auf die vier Hauptbausteine des Erbguts – ACTG – überträgt. Die digitalen Dateien werden in tausende DNA-Segmente umgewandelt, die sich dann im Labor herstellen lassen. Ein aufwändiger, für Archive noch unpraktikabler Prozess, aber er funktioniert schon, wie Goldman zeigen konnte.
  • Speichern auf Glas: Forscher der Universität Southampton arbeiten auch an einem großen Datenspeicher mit kleinen Maßen: Ihr Glasspeicher ist klein wie ein Zwei-Euro-Stück, hat aber Platz für 360 Terabyte. Die Daten werden mit einem Laser auf eine Glasscheibe geschrieben. Auf so eine Glasscheibe passen rund 76.000 DVDs, 22 Millionen Popsongs oder die komplette Bibel. Haltbarkeit: angeblich eine Milliarde Jahre! Die Daten sind aber nur mit einem Elektronenmikroskop lesbar.

Stand: 31.01.2018, 09:45

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