Essen aus dem 3D-Drucker

Drei gefüllte Schokobecher auf einem quadratischen Teller

3D-Druck

Essen aus dem 3D-Drucker

Schloss Neuschwanstein aus Marzipan, das Firmenlogo aus Leberwurstpastete, eine Blüte aus Gelee – das Essen von morgen wird gedruckt. Das Auge isst schließlich mit.

Das oberste Gebot: Hygiene

Lebensmittel sind ihre Leidenschaft – daher hat Melanie Senger gemeinsam mit ihren Kollegen viel herum experimentiert. Irgendwie, dachte sich das Team am Institut für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, müsse man die Lebensmittel doch so von der Konsistenz her verändern können, dass sie sich in jede beliebige Form bringen lassen.

Sie träumten von einem kleinen Gerät, das genau dies ermögliche. "Wir hätten so etwas am liebsten gekauft und dann damit unserer Kreativität freien Lauf gelassen, aber das gab's einfach nicht", sagt Melanie Senger. Also tüftelte sie selber.

Bei einem handelsüblichen 3D-Drucker tauschten sie den Druckkopf aus und ersetzten diesen mit einem Extruder für Paste, den sie selbst konzipiert und im 3D-Druck hergestellt hatten. Dann nahmen sie Frischkäse, Teige, Leberpastete und Teewurst, Schokolade, Karamell und Marzipan sowie püriertes Gemüse und Obst – und probierten, probierten, probierten.

Labyrinth aus Leberpastete

Ein Laserdrucker presst Leberpastete in Labyrinthform auf einen Teller

"Es hat mit erstaunlich vielen Lebensmitteln geklappt, aber uns ist immer wieder aufgefallen, dass es mit ein und demselben Produkt das eine Mal wunderbar funktioniert hat und dann wieder gar nicht", sagt Senger.

Das junge Forscherteam vermutete natürliche Schwankungen in ihren Ausgangsprodukten. Wenn beispielsweise der Schalenanteil der Mandeln im Marzipan variiert, verändert sich auch die Konsistenz der Masse. Diese muss jedoch konstant bleiben. Ist das Marzipan zu fest, kommen nur Krümel aus dem Drucker, ist es zu flüssig, zerläuft das Objekt.

Die Studierenden entwickelten eine Standardisierung für einzelne Lebensmittel, die sie den Kunden heute mitliefern können. Das Konzept kommt an: Das vor zwei Jahren als Ausgründung der Hochschule gegründete Unternehmen Print2Taste ist erfolgreich.

Der Druckkopf ist inzwischen aus Metall, in ihn wird die Kartusche eingesetzt, die das zu verdruckende Lebensmittel enthält. In Kontakt mit dem Drucker kommt die Paste nie – schließlich werden hier Lebensmittel hergestellt, Hygiene ist das oberste Gebot. Die Düse, die Kartoffelbrei und heiße Schokolade zu Formen spritzt, ist lebensmittelzertifiziert.

Snack auf Knopfdruck

Die besondere Herausforderung der Lebensmitteldrucker besteht darin, den Mix aus richtiger Temperatur und richtiger Druckgeschwindigkeit genau zu treffen. Während Leberwurst sich zum Beispiel bei Raumtemperatur am besten verarbeiten lässt, muss Schokolade geschmolzen werden.

Sie darf allerdings nicht zu heiß, sonst wird sie zu flüssig sein – und der Druckstrang reißt. Gleichzeitig muss die Düse sich so langsam bewegen, dass die Schokomasse Zeit hat anzuhärten, bevor der Drucker die nächste Schicht spritzt.

Albert Einstein als gedruckte Marzipanbüste

Smarter Snack: Eine Büste von Einstein aus Marzipan

Forscher an der Columbia University in den Vereinigten Staaten von Amerika haben einen 3D-Drucker vorgestellt, der gesunde Snacks drucken kann – zum Beispiel aus Polenta. Sie sagen: Bald stehe in jedem Haushalt ein solches Gerät – so seien gesunde Mahlzeiten auf Knopfdruck möglich.

Pulver, Paste, Gel oder Flüssigkeit einfüllen, gewünschten Snack eingeben und warten, bis das Essen gedruckt ist. Marktreif ist der Drucker bisher noch nicht und auch über den Preis ist noch nichts bekannt.

Hochzeitspaare zum Vernaschen

Die bayerischen Lebensmitteldrucker haben eine andere Klientel: gehobene Gastronomie und Catering. "Ein personalisierter Gruß aus der Küche lässt sich wunderbar drucken", sagt Melanie Senger.

Die Druckdauer hängt von der Größe des Objekts ab. Ein kleines Firmenlogo etwa sei in ein bis zwei Minuten hergestellt. Fünf Zentimeter hohe Figuren dauerten länger – abhängig vom Material. Ein 15 Zentimeter breites Schloss Neuschwanstein aus Marzipan brauche seine fünfeinhalb Stunden.

Senger kann sich einen 3D-Drucker für Lebensmittel allerdings auch in einer klassischen Konditorei gut vorstellen: "Da schreibt man als Kunde zum Beispiel einen Gruß handschriftlich aufs Tablet und bekommt diesen paar Minuten später ausgedruckt auf der Geburtstagstorte als Deko."

Das funktioniert auch mit Fotos und Zeichnungen. Auch Figuren von Hochzeitspaaren und Jubilaren sind Senger zufolge sehr gefragt.

Firmenlogo auf Teller mit Obst

Firmenlogo aus Johannisbeerpüree

Für Astronauten: Pizza aus dem Drucker

Wenn die Leute hören, dass die Lebensmittel aus dem Ducker stammen, sind viele skeptisch. "Für die meisten klingt das nach etwas Unnatürlichem mit viel Chemie", sagt Senger. Doch es würden ausschließlich Produkte natürlichen Ursprungs verarbeitet. "Im Prinzip handelt es sich bei dem Drucker um einen sehr präzisen automatischen Spritzbeutel."

Der Erfinder Anjan Contractor hat ursprünglich für die Weltraumorganisation Nasa einen Drucker entwickelt, der aus Teig, Tomatensoße und Käse eine Pizza entstehen lässt. Auch Zimtschnecken und Cupcakes sind für den Drucker kein Problem.

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch dreidimensionale Druckereien aus Schokolade. Schokoladen-Selfies, personalisierte Figuren aus der Nascherei oder auch architektonische Schokowerke gibt es inzwischen in einigen Konditoreien und Cafés, die ihren Kunden etwas Außergewöhnliches bieten wollen.

Autorin: Claudia Füßler

Stand: 04.01.2018, 10:00

Darstellung: