Den digitalen Nachlass regeln

Social Media – den digitalen Nachlass regeln 04:04 Min. Verfügbar bis 23.11.2022

Social Media

Den digitalen Nachlass regeln

Von Tanja Fieber und Katrin Focke

Ein Berliner Fall sorgte 2012 für Schlagzeilen: Die Mutter einer 15-Jährigen wollte Zugriff auf den Facebook-Account ihrer gestorbenen Tochter. Es entbrannte ein Rechtsstreit, der die Frage aufwarf: Was passiert mit unseren Daten in sozialen Netzwerken, wenn wir tot sind?
Eine Frage, die makaber klingt, aber nicht zu unterschätzen ist. Denn in Deutschland stirbt etwa alle drei Minuten ein Facebook-Nutzer.

In dem Berliner Fall war eine 15-jährige Schülerin unter ungeklärten Umständen von einem Zug überfahren worden. Ihre Mutter kämpfte nach dem Unglück jahrelang mit Facebook um den digitalen Nachlass der Tochter. Sie wollte anhand der Chats klären, ob ihre Tochter Selbstmord begangen hatte oder verunglückt war.

Erst 2018 gab es ein endgültiges Urteil: In letzter Instanz entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, dass Facebook den Eltern als Erben Zugang zu dem jahrelang gesperrten Nutzerkonto ihrer Tochter gewähren muss. Damit hoben die Richter ein Urteil des Berliner Kammergerichts auf, das die Sperre unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis bestätigt hatte.

"Zum digitalen Nachlass existiert überhaupt keine Rechtsprechung. Es gibt keine Gesetze, es gibt keine Vorgaben. Wir haben nur, was mit reinspielt: Datenschutzvorschriften, Telekommunikationsvorschriften..."

Christian Pfaff, Rechtsanwalt der Mutter

Bestatter als digitale Nachlassverwalter

Weil sich Probleme mit digitalen Nachlässen häufen werden, bieten inzwischen manche Bestatter an, sich auch um das digitale Erbe von Verstorbenen zu kümmern. Die Trauerhilfe-Firma Denk beispielsweise arbeitet dafür mit einem Berliner Start-up zusammen, dass die wichtigsten Online-Marktplätze, Netzwerke und Portale nach Accounts und Guthaben von Verstorbenen durchforstet.

Besser ist es aber, selbst vorzusorgen. Bestatter Karl Albert Denk empfiehlt, zu Lebzeiten eine Liste mit Onlineaktivitäten und Passwörtern anzulegen und sicher zu verwahren, damit Hinterbliebene im Todesfall wenigstens Profile in sozialen Netzwerken löschen oder beispielsweise noch vorhandene Guthaben abrufen können.

Stand: 08.11.2019, 11:10

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