Interview mit dem Prepper Angelo Z.

EinTeelicht bei Stromausfall wird angezündet.

Elektrizität

Interview mit dem Prepper Angelo Z.

Angelo Z. ist "Prepper". Das Wort stammt vom Englischen "to be prepared" ab, was so viel bedeutet wie "vorbereitet sein". Das trifft den Kern, denn Prepper bereiten sich auf mögliche Katastrophenfälle vor, wie etwa einen Blackout. Über seinen Youtube-Kanal "BugOutSurvival NRS" und seinen Blog teilt Angelo Z. seine Tipps und Erfahrungen mit anderen Preppern und erreicht damit Tausende Gleichgesinnte.

Planet Wissen: Angelo, wie sind Sie zum Prepping gekommen?

Angelo Z.: Grundsätzlich hatte ich schon immer Interesse am politischen Weltgeschehen. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, was passiert, wenn eine Katastrophe, wie man sie aus den Nachrichten kennt, bei uns in Deutschland passieren würde.

Ich habe angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, wie man sich auf solche Krisensituationen wie Kriege, Terroranschläge oder eben Stromausfälle vorbereiten könnte und bin so nach und nach zum Prepping gekommen.

Was macht für Sie den Reiz am Prepping aus?

Der Reiz ist, dass ich unabhängig bin. Denn man kann sich nicht immer auf andere verlassen. Dementsprechend finde ich es gut, wenn man einige Dinge auch selber meistern kann.

Das fängt schon bei kleineren Reparaturen am Auto an, wie zum Beispiel das Wechseln einer Birne. Wenn ich weiß, wie das geht, muss ich nicht in die Werkstatt fahren und vielleicht mehrere Hundert Euro ausgeben.

Welche Vorbereitungsmaßnahmen sollte jeder Einzelne Ihrer Meinung nach treffen?

Das Mindeste sind Lebensmittel. Selbst wenn man sich nicht für Prepping interessiert, sollte man Wasser und Nahrung für sieben bis vierzehn Tage einlagern, so wie es auch das BBK und die Bundesregierung empfehlen.

Beispielsweise hat der Stromausfall im Münsterland 2005 fast eine Woche gedauert. Aber auch bei alltäglicheren Phänomenen kann es zu Engpässen kommen.

In Supermärkten bekommt man vor Feiertagen wie Weihnachten teilweise keine Grundnahrungsmittel mehr. Solche Situationen lassen sich schon durch ein paar eingelagerte Lebensmittel leicht verhindern.

Außerdem braucht man netzstromunabhängige Geräte wie ein batteriebetriebenes Radio, um an Informationen zu gelangen, und einen Gaskocher, um Lebensmittel zubereiten zu können.

Entsprechend sollte man auch Feuerzeuge und Kerzen zur Hand haben, wobei bei letzteren natürlich auch immer Brandgefahr besteht. Deshalb schadet es auch nichts, sich zusätzlich einen kleinen Feuerlöscher zuzulegen.

Spielen wir es doch mal konkret durch: In ganz Deutschland herrscht ein mehrtägiger Stromausfall. Was tun Sie?

Als Erstes bewahre ich die Ruhe. Dann suche ich mir die Dinge zusammen, die ich unmittelbar brauche, wie zum Beispiel eine Taschenlampe als Lichtquelle und mein Radio. Damit versuche ich mir dann Informationen zu beschaffen.

Sollte sich herausstellen, dass es sich um einen mehrtägigen Stromausfall handelt, würde ich anfangen, die leicht verderblichen Lebensmittel in meiner Wohnung zu verwerten. Gekochtes Fleisch hält sich zum Beispiel länger als ungekochtes.

Das hängt aber natürlich auch von der Jahreszeit ab. Im Winter kann man Lebensmittel zur Kühlung auch aus dem Fenster hängen.

Danach hängt es stark von der Situation und Art der Krise ab. Auf jeden Fall würde ich über Funkgeräte in Kontakt mit meiner Familie bleiben und auch Kontakt zu meinem Arbeitgeber aufnehmen.

Was kosten Ihre Vorbereitungen insgesamt?

Meine Ausrüstung hat sich über die Jahre angesammelt, deshalb ist eine genaue Schätzung sehr schwierig, aber es bewegt sich im vierstelligen Bereich.

Manche Menschen müssen jeden Cent umdrehen. Wie können sie sich dennoch vorbereiten?

Grundnahrungsmittel sind wirklich günstig. Teurer sind dann die elektronischen Geräte. Hier kann man Geld sparen, wenn man gebrauchte Geräte kauft. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich qualitativ minderwertige Geräte nicht auszahlen.

Würden Sie sich als einen ängstlichen Menschen bezeichnen?

Ganz im Gegenteil. Durch meine Vorbereitungen fühle ich mich sicherer. Ich bin generell eine optimistische und unängstliche Person, weiß aber auch, dass nicht immer alles rosig sein kann.

Prepper gehen mit ihren Vorbereitungen weiter als die meisten anderen Menschen. Wann geht auch Ihnen das Ausmaß der Vorbereitung zu weit?

Für mich wäre eine Grenze erreicht, wenn ich merken würde, dass ich mich in meinem Leben eingeschränkt fühle. Wenn ich zum Beispiel nicht mehr auf Veranstaltungen oder Feste gehe, aus Angst, dass etwas passieren könnte.

Ich habe leider auch schon Menschen kennengelernt, die nur noch zu Hause bleiben und sich unrealistische Katastrophenszenarien ausdenken.

Was unterscheidet Prepper in Ihren Augen von beispielsweise "Survivalisten"?

Der Hauptunterschied liegt in meinen Augen darin, dass Survivalisten sich nicht materiell abhängig machen möchten, aber die Grenzen sind hier fließend. Auch Prepper eignen sich beispielsweise diverse Techniken wie etwa Feuer machen an.

Außerdem habe ich den Eindruck, das Survivalisten diese Techniken eher aus Spaß erlernen und sich weniger auf einen Notfall vorbereiten.

Aber am Ende sind "Prepper" und "Survivalist" nur Begrifflichkeiten. In einer Notsituation kommt es darauf an, mit dem, was man erlernt und an Ausrüstung dabei hat, zu überleben.

Wären Sie in einem Ernstfall auch dazu bereit, sich gegen Menschen zu verteidigen, die auf Ihre Essensvorräte aufmerksam geworden sind?

Ja, denn in so einem Katastrophenszenario wird wahrscheinlich auch keine Polizei mehr vor Ort sein, um mich und meine Familie zu schützen. Ich denke aber nicht, dass es zu solchen Übergriffen auf Lebensmittel in der ersten Woche nach einem Blackout kommen würde. Zunächst werden Diebe und Einbrecher vermehrt auf Wertgegenstände abzielen.

Erst wenn es wirklich ernst wird und ums Überleben geht, werden zunehmend auch Lebensmittelläden und später Privatpersonen geplündert. Aber darauf sollte man vorbereitet sein.

Es klingt vielleicht nach einem Hollywood-Film, aber man sieht zum Beispiel an Warlords in Teilen Afrikas, wie sich eine solche Anomie, das heißt eine Gewaltenherrschaft und gesellschaftliche Unordnung, entwickeln kann.

Ein mit Lebensmittel gefüllter Warenkorb.

Für den Ernstfall sollte man haltbare Lebensmittel Zuhause haben

Ließe sich gegen die negativen Folgen einer Katastrophe Ihrer Meinung nach vorbeugen, wenn mehr Bürger in Deutschland Prepper wären?

Es muss nicht jeder Bürger Prepper werden. Es wäre schon allen geholfen, wenn jeder Lebensmittel für ein paar Tage, eine Taschenlampe und ein Radio zu Hause hat.

Denn das beugt nicht nur der Panik bei einem Blackout vor, sondern entlastet im Ernstfall auch die Hilfskräfte. Eine Sensibilisierung der Bevölkerung für dieses Thema wäre also aus meiner Sicht wünschenswert.

Interview: Jens-Steffen Scherer

Stand: 05.07.2017, 15:00

Darstellung: